Springer schluckt ProSiebenSat.1
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Springer schluckt ProSiebenSat.1

Der Verlagsgigant Springer steigt zum grössten deutschen Fernsehkonzern auf: Für insgesamt 4,15 Milliarden Euro übernimmt Springer im zweiten Anlauf die grösste TV-Kette Deutschlands ProSiebenSat.1.

Allein 2,47 Milliarden Euro bekommen die Grossaktionäre um den US-Milliardär Haim Saban, die Springer nach dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums beim Poker um ProSiebenSat.1 im Jahr 2003 ausgestochen hatten.

Eine Milliarde geht an die Kleinaktionäre, die ihre ProSiebensat-1-Aktien verkaufen wollen, wie Springer-Chef Mathias Döpfner am Freitag in München erklärte. Eine halbe Milliarde koste die Refinanzierung von Schulden. Die Übernahme sei solide finanziert durch Kredite in Höhe von drei Milliarden Euro und eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,1 Milliarden, betonte Döpfner.

Springer investiere «in ein hochprofitables Geschäft». Die Übernahme «rechnet sich, ohne dass wir auf die Realisierung von Synergien angewiesen sind». Der Gesamtumsatz der neuen Springer-Gruppe betrage 4,2 Milliarden Euro. Die Übernahme soll bereits Ende dieses Jahres ganz abgeschlossen sein. Anschliessend sollen beide Unternehmen verschmolzen werden. Friede Springer soll die Mehrheit auch an dem neuen Mediengiganten halten.

Döpfner sagte, die wahren Wettbewerber der Zukunft seien «die Googles und die Yahoos». «Wir werden auch diesen Wettbewerbern Paroli bieten können. Das ist vielleicht die wichtigste Begründung dieser Transaktion», sagte der Vorstandschef. Alleine wäre das für beide Unternehmen schwieriger.

Mit kartellrechtlichen Problemen rechne er nicht. Der Konkurrent Bertelsmann, dem RTL und «Stern» gehöre, sei viel grösser. Durch den Zusammenschluss entsteht der einzige börsennotierte Medienkonzern Deutschlands, der sowohl im Printmedien- als auch im Fernsehgeschäft tätig ist.

Döpfner hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass es zwei Wachstumsoptionen für Springer gebe, die beschleunigte internationale Ausweitung des Printgeschäfts oder eine Expansion im deutschen Fernsehmarkt. Springer betonte, es gebe keine Pläne, den Sitz oder die Standorte wesentlicher Unternehmensteile von ProSiebenSat.1 zu verlegen.

Der bisherige Grossaktionäre Haim Saban, betonte: «Wir haben die ideale Lösung für die ProSiebenSat.1-Gruppe gefunden». Er freue sich, dieses in Europa «einzigartig positionierte Unternehmen mitzugestalten», sagte Saban. Der US-Medienunternehmer soll Vorsitzender des TV-Beirates und Aktionär des fusionierten Konzerns werden. Für den Kaufpreisanteil von 75 Millionen Euro erhält eine Tochter der Saban Capital Group 820.000 Aktien der Axel Springer AG und damit 2,41 Prozent des Springer-Grundkapital.

Sämtliche Stimmrechte bei Springer

Damit erhöht die Axel Springer AG ihre Beteiligung von derzeit rund 12 auf 100 Prozent der stimmberechtigten Aktien sowie auf 25 Prozent der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien. Nach Vertragsvollzug hätte Springer 62,5 Prozent des Gesamtkapitals und sämtliche Stimmrechte. Anschliessend sollen die beiden Unternehmen verschmolzen werden. Den freien Aktionären von ProSiebenSat.1, die Vorzüge halten, soll ein Übernahmeangebot unterbreitet werden. Nach vorläufigen Berechnungen entspricht dies den Angaben zufolge einem Preis von 14,10 Euro. Aktionäre, die dieses Angebot nicht annehmen, sollen Vorzugsaktien an dem neuen Unternehmen erhalten.

(sda)

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