Springer sucht keinen Ersatz für geplatzte TV-Pläne
Aktualisiert

Springer sucht keinen Ersatz für geplatzte TV-Pläne

Gestärkt durch den historisch guten Jahresabschluss 2005 will Europas grösstes Zeitungshaus Axel Springer neue Zeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland gründen.

Die geplatzte Übernahme von ProSiebenSat.1 nehme Springer sportlich, versicherte Vorstandschef Mathias Döpfner am Mittwoch in Berlin. Keineswegs strebe der Konzern nun nach «Akquisitionen aus Prestigegründen». Der gescheiterte Milliardendeal sei zwar eine besonders attraktive Gelegenheit gewesen, sagte er. «Aber wir brauchen dafür keinen Ersatz.»

Auf der Bilanz-Pressekonferenz berichtete der Vorstandschef, die seit Jahren verfolgte Strategie, neue Objekte zu gründen und sie zügig in die Gewinnzone zu führen, gehe auf. Dabei wolle man mit «mit Angriffslust und Augenmass» vorgehen. Als Beispiele nannte er das Frauenmagazin «Jolie» und die Programmzeitschrift «TV Digital», deren Auflage 2005 um 40 Prozent auf 1,7 Millionen Exemplare gestiegen sei. In Polen sei «Fakt» ein Jahr nach Gründung die grösste Zeitung und habe die Gewinnzone erreicht.

«Diesen Weg werden wir mit neuen Ideen weiterverfolgen», erklärte Döpfner. In Planung seien für Deutschland etwa eine Tageszeitung für Kinder, eine Testzeitschrift sowie massgeschneiderte Angebote für Senioren. Im Ausland liege der Fokus auf Europa und dort speziell im Osten. Döpfner kündigte unter anderem an, dass in Russland demnächst die achte «Computer-Bild»-Ausgabe startet. Döpfner zog das Fazit, Springer sei Deutschlands «kreativster und profitabelster Grossverlag».

Bereits Mitte Februar hatte Springer den besten Jahresabschluss aller Zeiten vermeldet. Der Überschuss kletterte 2005 auf den historischen Höchststand von rund 230,7 Millionen Euro. Das ist 56 Prozent mehr als der Vorjahreswert von 148 Millionen Euro. Der Umsatz blieb mit 2,39 Milliarden Euro aber knapp unter dem Vorjahreswert von 2,40 Milliarden Euro. Der Vorstand hat vorgeschlagen, eine Dividende von 1,70 Euro je Aktie auszuschütten; das sind 50 Cent mehr als in den Vorjahren.

Zu möglichen Übernahmen oder Zukäufen sagte Döpfner, die auf 327 Millionen Euro verdoppelte Nettoliquidität und die Eigenkapitalquote von 45,4 Prozent verschafften der Aktiengesellschaft «ein gutes Polster». Im Bedarfsfall könnten damit auch wesentlich höhere Summen freigeschaufelt werden, wie das Übernahmeangebot für Deutschlands grösste Sendergruppe ProSiebenSat.1 im Volumen von vier Milliarden Euro gezeigt habe.

Der Deal war Anfang Februar am Widerstand des Bundeskartellamts und der Medienkommission KEK gescheitert. Die einjährige Vorbereitung habe «viel Zeit und Energie gekostet», räumte Döpfner ein. Doch nehme Springer das Scheitern sportlich.

Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr sagte Döpfner: «Internationalisierung und Digitalisierung werden wir durch Wachstum aus eigener Kraft, aber auch durch gezielte Zukäufe mit Angriffslust und Augenmass umsetzen.» Zu der möglichen Ergebnisentwicklung 2006 erklärte er: «Starten wir wenige Aktivitäten oder gar keine, wird das Ergebnis auf oder über dem Vorjahresniveau liegen. Investieren wir viel in neue Geschäfte, kann das Ergebnis auf Grund hoher Anlaufverluste auch deutlich darunter liegen.»

2007 Einstieg in Briefpost-Geschäft geplant

Im Jahr 2007 will Springer zusammen mit den Verlagshäusern WAZ und Holtzbrinck ins Geschäft mit Briefpost einsteigen, für deren Zustellung dann das bisherige Monopol der Post fällt. In diesem «hochprofitablen Markt» wolle das Gemeinschaftsunternehmen «Pin Group» die Nummer zwei hinter der Post werden, sagte Döpfner.

Eine baldige Offensive von Gratis-Zeitungen in Deutschland erwartet Springer nicht. Dieses Geschäftsmodell sei überschätzt und funktioniere nur in Monopol-Märkten, meinte Döpfner. Eine Neugründung auf dem hiesigen Markt würde Springer sofort mit einem Konkurrenzprodukt beantworten, das bereits fertig konzipiert sei.

http://www.axelspringer.de/ (dapd)

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