Schmerzensgeld: Springer will Kachelmann-Urteil anfechten
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SchmerzensgeldSpringer will Kachelmann-Urteil anfechten

430'000 Franken Schadenersatz sind «Bild» zu viel. Der Springer-Verlag will den Fall Kachelmann vor den Bundesgerichtshof bringen.

von
pat
Während des Prozesses in Köln: Wettermoderator Jörg Kachelmann. (25. Februar 2015)

Während des Prozesses in Köln: Wettermoderator Jörg Kachelmann. (25. Februar 2015)

Keystone

Der Rechtsstreit zwischen Wettermoderator Jörg Kachelmann und dem Medienhaus Axel Springer geht in die nächste Runde. Der Verlag will das Urteil des Oberlandesgerichts Köln an den Bundesgerichtshof weiterziehen.

«Wir haben eine klare Position: Wahrheitsgemässe Berichterstattung über Gerichtsverfahren gegen bekannte Persönlichkeiten darf nicht durch Strafzahlungen in dieser Grössenordnung sanktioniert werden», sagt ein Sprecher des Axel Springer Konzerns gegenüber dem Evangelischen Pressedienst in Berlin. In der hohen Summe sehe man nach wie vor «eine einschüchternde Wirkung auf die freie Presse».

«Springer soll sich nicht beklagen»

Das Oberlandesgericht Köln verurteilte die «Bild»-Zeitung und «Bild online» zusammen in 26 Fällen schwerwiegender Persönlichkeitsverletzungen zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 395'000 Euro (umgerechnet rund 430'366 Franken). Inklusive Zinsen muss Springer dem Moderator 513'000 Euro (umgerechnet rund 559'000 Franken) zahlen.

«Springer soll sich nicht beklagen. Wer die Menschenwürde 26-mal mit Füssen tritt, muss dafür halt 26-mal mehr zahlen als ein einmaliger Rechtsbrecher», findet Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcher gegenüber «Meedia». Er ist sich sicher: «Das wird der Bundesgerichtshof nicht anders sehen und Springers Beschwerde zurückweisen.»

«Bild» und «Bild online» hatten 2010 und 2011 immer wieder über den Strafprozess wegen angeblicher Vergewaltigung berichtet und dabei auch Details aus Kachelmanns Intimleben nicht ausgelassen. Der Prozess endete mit einem Freispruch. Der Moderator hatte von den Boulevardmedien ursprünglich mehr als 2,25 Millionen Euro Schadenersatz gefordert.

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