Aktualisiert 17.04.2018 10:41

Hoher ÖlpreisSprit und Kerosin dürften bald teurer werden

Die politische Lage lässt die Ölhändler bibbern. 20 Minuten erklärt warum. Und was das fürs Autofahren und Fliegen bedeutet.

von
Isabel Strassheim
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Der Benzinpreis stand am 9. April bei durchschnittlich 1,61 Franken. Im März lag er noch bei 1,54 Franken.

Der Benzinpreis stand am 9. April bei durchschnittlich 1,61 Franken. Im März lag er noch bei 1,54 Franken.

Erdölvereinigung
Tanken könnte teurer werden: Die Preise an den Schweizer Tankstellen können schnell auf den Weltmarkt reagieren.

Tanken könnte teurer werden: Die Preise an den Schweizer Tankstellen können schnell auf den Weltmarkt reagieren.

Keystone/Christian Beutler
Auch die Preise für Flugtickets könnten steigen. Vor allem Strecken, auf denen die Konkurrenz gering ist, könnten teurer werden.

Auch die Preise für Flugtickets könnten steigen. Vor allem Strecken, auf denen die Konkurrenz gering ist, könnten teurer werden.

Keystone/Gaetan Bally

Vor dem Syrien-Bombardement durch die USA, Frankreich und Grossbritannien war der Ölpreis vergangene Woche auf das Dreijahreshoch von 73,09 Dollar pro Fass für die Sorte Brent gestiegen. Am Montag gab er leicht nach, er bleibt aber weiter um die 72 Dollar stehen. In drei Monaten könnte er im Extremfall bei 75 Dollar liegen, so die Bank Julius Bär. Sie geht aber eher von 65 Dollar im Sommer aus.

Was hält den Ölpreis oben?

Im Markt ist Angst. Vor dem Angriff der USA, Frankreichs und Grossbritanniens auf Syrien waren an der Londoner Warenterminbörse 615'000 Wetten auf steigende Preise der Sorte Brent geschlossen worden. Das war laut der Frankfurter Commerzbank ein Rekord. Auch nach dem Bombardement gilt: «Die geopolitischen Spannungen sind nicht gänzlich vom Tisch und könnten in Kürze erneut eine Preisrally entfachen», so Eugen Weinberg von der Commerzbank. Angst machen aber auch mögliche neue Sanktionen der USA gegen den Iran.«Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 50 Prozent», sagt Rohstoffanalyst Norbert Rücker von der Bank Julius Bär zu 20 Minuten.

Was bedeutet das für die Spritpreise?

Der Ölpreis auf den Rohstoffmärkten wirkt sich in der Regel schnell direkt auf die Konsumenten aus. Jedoch besteht nur knapp ein Drittel des Spritpreises aus Einkauf und Frachtkosten. Der Rest setzt sich aus Abgaben und Handelsspanne zusammen. Dennoch: «Die Entwicklung der Preise auf dem Weltmarkt kann sich schnell auf die Preise an den Schweizer Tankstellen auswirken, je nach Einkauf der Firmen», erklärt David Suchet von der Erdölvereinigung. Im März lag der durchschnittliche Preis für Benzin bleifrei 95 noch bei 1,54 Franken. Am 9. April stand er bei 1,61 Franken.

Steigen auch die Kerosin- und Flugticketpreise?

«Die Airlines werden keine Hemmungen haben, höhere Kosten auf Strecken mit wenig Konkurrenz weiterzugeben», sagt der frühere Belair-CEO Thomas Frischknecht zu 20 Minuten. Kerosin ist mit einem Anteil von rund einem Drittel an den Gesamtkosten ein wesentlicher Faktor für die Fluggesellschaften. Um besser planen zu können, haben sie meist 80 Prozent ihrer Kerosineinkäufe über 12 Monate preislich durch Terminkontrakte abgesichert, wie Frischknecht erläutert, der heute die Aviatik-Beratung 2assistu führt. Damit wirken sich die höheren Preise zwar zeitverzögert aus, aber die Absicherungskosten der Airlines steigen per sofort.

Wie beeinflusst der Franken den Ölpreis?

Rohöl wird weltweit in Dollar gehandelt. Liegt der Schweizer Franken zum Dollar tief, verteuert dies das Öl zusätzlich. Das ist im Moment der Fall. Der Dollar ist mit aktuell rund 0,96 Franken recht stark.

Was macht die OPEC?

Das Kartell der Ölförderstaaten OPEC hat sein Ziel fast erreicht, das es sich mit der Drosselung der Fördermenge vor mehr als einem Jahr gesetzt hatte. «Die Lager sind nicht mehr übervoll und Angebot und Nachfrage sind wieder in Balance», erläutert Rohstoffanalyst Rücker. Die Bestände der grössten Wirtschaftsnationen dürften gemäss der Internationalen Energieagentur bald unter das 5-Jahres-Niveau rutschen, wie von der OPEC angepeilt. Diesen Juni ist das nächste Treffen des Kartells und der Markt geht davon aus, dass die OPEC ihre Drosselung trotzdem über das Jahr 2018 hinaus verlängert.

Welche Rolle spielen die USA?

Durch den höheren Ölpreis lohnt sich das Fracking in den USA schon seit einiger Zeit wieder. Dabei wird Öl aus tiefen Gesteinsschichten gesprengt. Dazu müssen Löcher gebohrt werden, in die ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien gepumpt wird, was teurer als die herkömmliche Ölförderung ist. Dank technischem Fortschritt sind die Kosten im Schnitt unter 40 Dollar pro Fass gefallen. «Die Anzahl aktiver US-Bohrungen ist in der Vorwoche auf 815 gestiegen, das ist der höchste Stand seit März 2015», sagt Commerzbank-Analyst Weinberg. Für die OPEC wird es damit immer schwieriger, die Preise zu kontrollieren. «Damit haben die USA stark an Macht auf dem Ölmarkt gewonnen», betont Rohstoffexperte Norbert Rücker. Die Gewichte auf dem weltweiten Ölmarkt verschieben sich so.

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