Pfusch im Kosmetikstudio: Spritze mit Hyaluronsäure entstellt Frauen
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Pfusch im KosmetikstudioSpritze mit Hyaluronsäure entstellt Frauen

Entstelltes Gesicht, geschwollene Lippen – eine Behandlung mit Hyaluronsäure hatte für zwei Frauen aus Montreux grausame Folgen.

von
kle/rab
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Zwei Kundinnen eines Kosmetikstudios in Montreux teilen Fotos auf Facebook von ihren entstellten Gesichtern: Beide Frauen haben eine Behandlung mit Hyaluronsäure über sich ergehen lassen.

Zwei Kundinnen eines Kosmetikstudios in Montreux teilen Fotos auf Facebook von ihren entstellten Gesichtern: Beide Frauen haben eine Behandlung mit Hyaluronsäure über sich ergehen lassen.

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Die Opfer getrauen sich nicht, die fehlbare Kosmetikerin anzuzeigen, nachdem sie Drohungen erhalten haben.

Die Opfer getrauen sich nicht, die fehlbare Kosmetikerin anzuzeigen, nachdem sie Drohungen erhalten haben.

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«Ich habe das Haus seit zwei Monaten nicht mehr verlassen», sagt eine Kundin. «Sie weigert sich, die Marke des verwendeten Produkts zu kommunizieren», meldet eine andere. Beide Frauen besuchten die Praxis einer Kosmetikerin an der Grand-Rue in Montreux. Jetzt teilen sie auf Facebook Fotos ihrer entstellten Gesichter.

Auf den Bildern sind Beulen an der Stirn und aufgeschwollene, deformierte Lippen zu sehen – angeblich alles Nebenwirkungen einer Behandlung mit Hyaluronsäure. Die Opfer der fehlgeschlagenen Behandlung trauen sich derzeit aber nicht, Anzeige einzureichen, weil sie offenbar Drohungen der Kosmetikerin sowie von deren Partner erhalten haben.

Kosmetikerinnen dürfen keine Spritzen geben

Von «20 Minutes»-Redaktoren auf die Bilder angesprochen, reagiert ein FMH-Dermatologe aus Montreux geschockt: «Diese Injektionen wurden schlecht durchgeführt. Das ist katastrophal. Diese Beulen werden erst nach Monaten verschwinden.»

Ausserdem: Auch mit abgeschlossener Lehre dürfe eine Kosmetikerin «keine Injektionen an Kundinnen vornehmen», erklärt der Mediziner. Es gebe allerdings eine «Grauzone», die es den Behörden nicht erlaube, einzugreifen oder fehlbare Kosmetikerinnen zu bestrafen.

Kundinnen sollten die Frau anzeigen

Für den Leiter der Waadtländer Wirtschaftspolizei, Albert von Braun, gehört das Thema in den Bereich der Gesundheitspolitik:

«Das sind Zulassungen für den Einsatz von therapeutischen oder medizinischen Substanzen. Ästhetische Dienstleistungen unterliegen nicht einem Genehmigungsverfahren, für das wir zuständig sind, und liegen daher ausserhalb des Kontrollspektrums der Polizei.»

Von Braun ist der Ansicht, dass beide Kundinnen aus Montreux wegen der Folgen der kosmetischen Behandlung sowie wegen der Drohungen der Kosmetikerin Strafanzeige einreichen könnten.

Illegale Tätigkeit, die zu drei Jahren Haft führt

Auch bei der Gesundheitsdirektion des Kantons Waadt winkt man ab: «Kantonale Ärzte haben weder die Mittel noch die Verantwortung, den Verkauf dieser Produkte zu überwachen», hiess es auf Anfrage von «20 Minutes».

Die fragwürdigen Produkte könnten «von jedermann im Internet gekauft und angewendet werden ohne jegliche Fachkenntnisse». Nicht nur das: Die Produkte stammten oftmals aus dem Ausland, etwa aus Asien, und «können gefährliche Stoffe enthalten».

Der Kantonsarzt rät der Kosmetikerin aus Montreux, «ihre Tätigkeit einzustellen». Er weist die Frau darauf hin, dass ihr Tun illegal sei: «Sie könnte angeklagt werden, wenn sie weitermacht. Privatpersonen, die Hyaluronsäure ohne Erlaubnis spritzen, drohen Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren.»

Trotz zahlreicher Versuche, die Kosmetikerin zu kontaktieren, konnte die Redaktion von «20 Minutes» sie nicht erreichen.

Hast auch du schlechte Erfahrungen mit Hyaluronspritzen oder Schönheitsoperationen gemacht? Falls ja, melde dich und schicke uns deine Bilder.

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