"Purple Beach": Sprühwasser gegen Dünger-Wolke
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"Purple Beach"Sprühwasser gegen Dünger-Wolke

Der havarierte Frachter "Purple Beach" wird mit Wasser gekühlt. Das Schiff kann weiterhin nicht betreten werden.

von
isa
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Viele Kilometer weit ist die Rauchwolke des Frachters "Purple Beach" zu sehen.

Viele Kilometer weit ist die Rauchwolke des Frachters "Purple Beach" zu sehen.

Lilo Tadday/dpa
Mit Sprühwasser bekämpfen Einsatzkräfte die Gase.

Mit Sprühwasser bekämpfen Einsatzkräfte die Gase.

Thorsten Helmerichs/dpa
Ob der Rauch von einem Feuer kommt oder von einer chemischen Reaktion, ist bislang nicht klar.

Ob der Rauch von einem Feuer kommt oder von einer chemischen Reaktion, ist bislang nicht klar.

Havariekommando/dpa

Wasser gegen Wolke: Nach einem Notfall auf einem Düngemittelfrachter westlich von Helgoland werden Decks und Bordwände mit großen Mengen Wasser gekühlt. Die Rauch- und Gaswolke sei damit deutlich reduziert worden, sagte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich.

Die 192 Meter lange "Purple Beach" einer Hamburger Reederei kann bislang nicht betreten werden. Ein Messtrupp stellte Hitzeentwicklung in einem mit 6000 Tonnen Dünger gefüllten Laderaum fest.

Rauchwolke über Bremerhaven und Cuxhaven

Über dem Schiff hatte am Morgen eine riesige Rauchwolke gestanden, die nach Augenzeugenberichten von der ostfriesischen Insel Norderney aus zu sehen war. Hunderte kamen an den Strand, um die Entwicklung zu beobachten. Der Wind trieb den Geruch des Düngemittels zu den Inseln und zum Festland. Die Einwohner wurden daher zunächst aufgefordert, Türen und Fester geschlossen zu halten.

Gefahrstoffe enthalte die Wolke nicht, hieß es von der Feuerwehr Wilhelmshaven nach Messungen der Luft. In der Nacht hatten Anwohner bei der Polizei angerufen und einen komischen Geruch gemeldet. "Wir haben die ganze Nacht weder in Cuxhaven oder in Bremerhaven, noch im Umkreis des Frachters eine Gefahrenstoffkonzentration festgestellt", sagte Friedrich.

Schiff kann nicht betreten werden

Der Hochseeschlepper "Nordic" und das Mehrzweckschiff "Neuwerk" drängten die Wolke mit Sprühwasser zurück. Sie fuhren bis auf 100 Meter an den Havaristen heran. Beide Schiffe können an Bord eine Überdruckatmosphäre herstellen, so dass ihre Besatzungen vor möglichen Giftstoffen geschützt sind. Das Havariekommando richtete einen Sicherheitsbereich von fünf Kilometern um die "Purple Beach" ein.

Experten konnten das Schiff, das auch 1300 Tonnen Treibstoff an Bord hat, am Mittwoch noch nicht betreten. "Wir werden in dieser Situation keine Einsatzkraft gefährden", teilte der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees, mit. Messungen am Mittwochmittag ergaben nach Friedrichs Angaben keine explosive Atmosphäre mehr.

Mindestens 36 Menschen in Krankenhäusern

Die unter der Flagge der Marshallinseln fahrende "Purple Beach" war am Montagabend etwa 30 Kilometer westlich von Helgoland auf Reede in Not geraten. Die Besatzung hatte den betroffenen Laderaum abgeriegelt und mit Kohlendioxid geflutet, um einen möglichen Brand zu löschen.

Allerdings ist nicht klar, ob für die Rauch- und Hitzeentwicklung Feuer oder eine chemische Reaktion verantwortlich ist. Brandbekämpfungsspezialisten wollten keine Luke öffnen, um nicht zu riskieren dass Sauerstoff in den Laderaum gelangt und ein Feuer anfacht oder eine Explosion auslöst. Der Plan, den betroffenen Bereich zu fluten, ließ sich zunächst nicht umsetzen.

Nach dem ersten Einsatz von Rettungskräften waren am Dienstag insgesamt 36 Menschen vom Schiff zu Untersuchungen in Krankenhäuser geflogen worden. Niemand wurde schwer verletzt.

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