19.06.2015 16:22

Stadler RailSpuhler muss machen, dass der Rubel rollt

Stadler Rail misst sich mit Chinesen und will in den USA Fuss fassen. Momentan gilt CEO Peter Spuhlers grösste Sorge aber Russland.

von
Roland Schäfli

Mit äusserlicher Gelassenheit packt Peter Spuhler die Problemlösung seines Russland-Deals an. (Video: Roland Schäfli/Murat Temel)

Ein braungebrannter Peter Spuhler kann zu Beginn seiner Jahreskonferenz am Hauptsitz der Stadler Rail «eine good News» verkünden: diese Woche hat er die Lieferung von 33 doppelstöckigen Triebzügen nach Schweden unter Dach und Fach gebracht. 2014 hat der Zugbauer 255 Fahrzeuge verkauft, damit 6000 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von 1,9 Mrd Franken erwirtschaftet. Doch nicht alles läuft so glatt.

Sorgen bereiten dem Thurgauer Unternehmer die Russen. Genauer: ihre Währung. Weil der Rubel schwächelt, ist die Finanzierung des Aeroexpress für 25 Doppelstocktriebzüge plötzlich in Frage gestellt. Eineinhalb Jahre Entwicklung stecken bereits im Prestige-Auftrag von 380 Millionen Euro. Gegenüber 20 Minuten gibt sich der Ex-Nationalrat zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Selbst ohne diesen Auftrag verzeichnet die Stadler Rail Vollbeschäftigung. Die Arbeitswoche dauert 45 Stunden. Dieser mit den Gewerkschaften ausgehandelte «Krisendeal» soll per Ende Jahr enden.

Genau dann will er auch den ersten Schnellzug, der 250 km/h fahren wird, an die SBB übergeben – ein Novum für den Zugbauer. Das Auftragsbuch weist eine Bestellung von 29 Zügen für eine Milliarde Franken aus – mit der Option auf 92 weitere. Man liege genau im Zeitplan, lässt der CEO der Stadler Rail Group 20 Minuten wissen.

Verlorene Aufträge

Selbst Aufträge, die ihm verloren gingen, sieht Peter Spuhler als Erfahrungswerte. Und teure Erfahrungen hat er im vergangenen Geschäftsjahr gemacht: «Schmerzhaft» war der 3-Milliarden-Auftrag von Belgien, den man nicht hereinholen konnte, «ärgerlich» eine verpasste Möglichkeit in Oslo. Erstmals stiess er auf die Chinesen, die den globalen Bahnmarkt aufrollen wollen – und unterlag «mit blauem Auge». Doch: die Chinesen «kochen auch nur mit Wasser», hat er gelernt. Das Angebot aus dem Thurgau lag nicht viel über der Offerte aus China, 3 Prozent, um genau zu sein. Spuhlers Mittel gegen das chinesische Aufkommen im Markt sind Flexibilität und Agilität des Betriebs.

In USA zurzeit noch kein eigenes Werk

Spuhler will in neue Märkte vordringen. Er flirtet mit Amerika: in Texas rollen seine ersten Flirt-Züge an. Doch wenn Stadler Rail für die USA produzieren will, haben 60 Prozent der Wertschöpfung in den USA zu erfolgen. Der Bau eines Werks wäre möglich, doch vorerst werden die Optionen geprüft, sich einzumieten.

Dafür träumt Peter Spuhler bereits noch grösser: von den Weiten Kanadas, wo eine Offerte für ein Auftragsvolumen von 63 Millionen «auf der Zielgeraden» sei. Eben wurde das letzte skandinavische Land auf seiner Generalstabskarte geknackt: Markteintritt in Dänemark. Spuhler ist einer, der nicht aufgibt, wenn er einmal eine Vision hat: Der Bahn, die in Rio de Janeiro die Touristen zur Jesus-Statue hochfährt, unterbreitet er seit Jahren immer wieder Offerten – und glaubt nun, in den ausgestreckten Armen des Erlösers demnächst landen zu können. Darüber vergisst er nicht die Arbeiten im traditionellen Bereich, «die uns gross gemacht haben»: so liefert er der Schafbergbahn eine Zahnradlokomotive.

Noch keine neuen Informationen hat der Ex-Nationalrat zum Fall der Trambeschaffung der VBZ: bei der Ausschreibung für 70 Zürcher Trams für 350 Millionen Franken soll es zu Unregelmässigkeiten gekommen sein.

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