Riesige Abhöraktion - Spuren der Spionagesoftware Pegasus führen auch in die Schweiz
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Riesige AbhöraktionSpuren der Spionagesoftware Pegasus führen auch in die Schweiz

Die Überwachungssoftware Pegasus lief auch über Schweizer Server, wie neue Recherchen zeigen. Dabei wusste die betroffene Firma aus Lausanne nicht einmal davon.

von
Dominique Zeier
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Was, wenn die Kamera beim Handy plötzlich unbemerkt angeht? 

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Das ist Betroffenen der sogenannten Spyware Pegasus passiert. 

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Mit dem Tool der israelischen Firma wurden Personen aus dem öffentlichen Leben überwacht. 

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Darum gehts

  • Letzten Monat machte das Spionage-Tool Pegasus Schlagzeilen.

  • Tausende Handys weltweit wurden damit angegriffen.

  • Nun zeigt sich: Auch ein Schweizer Unternehmen hatte dabei seine Finger im Spiel – wenn auch unwissentlich.

  • So lief die Überwachungssoftware auch über die Server eines Unternehmens aus Lausanne.

Im Juli sorgen Berichte über die Spionagesoftware Pegasus erstmals weltweit für Aufruhr. Denn damals war bekannt geworden, dass Präsidenten und Präsidentinnen, Diplomaten und Diplomatinnen sowie Journalisten und Journalistinnen mit der Spionagesoftware der israelischen Firma NSO Group abgehört worden sind. Bislang hatte die Schweiz in diesem Fall keine grosse Rolle gespielt. Wie Recherchen der «Republik» nun aber zeigen, ist die Schweiz stärker in den Skandal involviert als bisher angenommen.

So führt eine Spur direkt zu einem Schweizer Unternehmen mit Namen Akenes SA aus Lausanne. Das Unternehmen, das in vielen Medienberichten fälschlicherweise als amerikanische Firma bezeichnet werde, habe seine Server für die Operationen der Spionagesoftware Pegasus zur Verfügung gestellt. Tatsächlich landet die Schweiz damit auf dem dritten Platz jener Länder, die die meisten Server für solche Operationen bereitgestellt haben. Mehr Server wurden nur noch in Deutschland und Grossbritannien eingesetzt.

Eine Person ausspioniert

Beweise dafür finden sich in den Ergebnissen der Untersuchung des Amnesty-Tech-Teams, das die ganze Spionage-Affäre aufgedeckt hatte. Ausserdem hat Amnesty-Tech-Sprecher Etienne Maynier gegenüber der «Republik» explizit bestätigt, dass 2020 eine Person auf einen Infektionslink geklickt hat oder ihn über einen anderen Kanal erhalten hat, und dahinter ein Akenes-Server stand.

Allerdings sagt der Standort des Servers noch nichts über den Standort des Opfers aus. Ob sich dieses also in der Schweiz oder in einem anderen Land befunden hat, ist nicht bekannt. Maynier informiert aber darüber, dass 57 weitere Akenes-Server als Teile des Infektionssystems der NSO Group genutzt worden seien.

Bei der Firma Akenes selbst sei nicht bekannt gewesen, mit welchem Kunden man in diesem Fall zu tun gehabt habe. Das zeigen Gespräche der «Republik» mit ehemaligen Angestellten des Unternehmens. Dies sei aber nicht überraschend, so die Informantinnen und Informanten. Akenes stelle hauptsächlich Rechenleistung für seine Kundinnen und Kunden zur Verfügung. Mit den Produkten habe man nichts zu tun und auch keinen Zugriff auf die Daten.

Das ist Pegasus

Pegasus ist eine hochentwickelte Spähsoftware aus Israel. Sie ist in der Lage, infiltrierte Mobiltelefone in Echtzeit auszuspähen und die Verschlüsselung von Messenger-Diensten wie Whatsapp oder Signal zu umgehen. Die israelische NSO Group verkauft das Programm nur an staatliche Behörden – offiziell zum Zweck der Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität.

In Juli war bekannt geworden, dass eine internationale Recherchegruppe ein Datenleak mit mehr als 50'000 Telefonnummern ausgewertet hatte, die seit 2016 als Ziel möglicher Überwachung durch NSO-Kunden ausgewählt worden sein sollen. Auf der Liste fanden sich allerdings nicht nur die Nummern von mutmasslichen Kriminellen und Terroristen, sondern auch die von mindestens 180 Journalisten und Journalistinnen, 600 Politikerinnen und Politikern, 85 Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen sowie 65 Unternehmern und Unternehmerinnen, darunter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, das Umfeld des Dalai Lama, die Familie des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador und Prinzessin Latifa, Tochter des Emirs von Dubai.

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