Anschlag in Berlin: Spuren von Amri-Freund führen in die Schweiz
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Anschlag in BerlinSpuren von Amri-Freund führen in die Schweiz

Bilal A., ein Vertrauter von Berlin-Attentäter Amri, beantragte hierzulande Asyl. Es handelt sich nicht um die einzige Verbindung zwischen dem Anschlag und der Schweiz.

von
kün
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Beim Attentat am 19. Dezember kamen elf Menschen ums Leben.

Beim Attentat am 19. Dezember kamen elf Menschen ums Leben.

AP/Markus Schreiber
Schweizer Strafverfolger werden aktiv: Der mutmassliche Berlin-Attentäter Anis Amri.

Schweizer Strafverfolger werden aktiv: Der mutmassliche Berlin-Attentäter Anis Amri.

Keystone
Bilder einer Überwachungskamera zeigen Amri bei der Ankunft in Mailand am Freitag, 23. Dezember, um 1 Uhr morgens. (veröffentlicht 27. Dezember 2016)

Bilder einer Überwachungskamera zeigen Amri bei der Ankunft in Mailand am Freitag, 23. Dezember, um 1 Uhr morgens. (veröffentlicht 27. Dezember 2016)

AFP/Polizia di Stato/Stringer

Es gibt immer mehr Berührungspunkte zwischen dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz vom 19. Dezember und der Schweiz. Dokumente, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, belegen: Auch der Verbindungsmann des Attentäters Anis Amri (24) hat hier Spuren hinterlassen.

Der Tunesier Bilal A. (26) hatte sich am Vorabend des Anschlags mit Amri in einem Berliner Restaurant getroffen. Es ist möglich, dass er über das Vorhaben von Amri Bescheid wusste, eventuell hat er sogar bei der Planung mitgewirkt.

Recherchen der Zeitung zeigen nun, dass Bilal A. am 14. Oktober 2014 in der Schweiz Asyl ersuchte. Seine Fingerabdrücke wurden in die europäische Datenbank Eurodac eingespeist. Zehn Tage später zog er seinen Antrag jedoch zurück. Danach verliert sich seine Spur. Das geht aus einem Briefwechsel zwischen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie dem Landeskriminalamt Berlin hervor. Erst am 17. Juli 2015, bei seiner Einreise nach Deutschland, taucht Bilal A. wieder auf.

Fotos von Anschlagsort auf dem Handy

Bilal A. nutze während seiner Zeit in der Schweiz mindestens drei Tarnidentitäten. Sie lauten Fathisalah Rajb Meheni, Fathi Mheni und Fathi Meheni. Er gab jeweils an, aus Libyen zu stammen. Und auch in Deutschland ging er ähnlich vor. Dort nutze er sogar 15 Aliasnamen. Unter diesen beantragte er jeweils neue Asylgesuche und bezog so aus mehreren deutschen Bundesländern gleichzeitig Sozialhilfe. Er wurde erwischt und sitzt zurzeit in Berlin wegen Sozialbetrugs in Haft.

Die «Süddeutsche Zeitung» meldete mit Berufung auf Ermittlerkreise: Bilal A. habe ausgesagt, früher von Amri günstig Haschisch und Kokain erhalten zu haben. Von den Plänen zum Attentat habe will er nichts gewusst haben. Doch: Die Ermittler fanden auf seinem Handy Bildmaterial vom Anschlagsort. Der Islamist sagte, die Fotos seien ihm zugeschickt worden.

Schweizer Handy und SIM-Karte

Auch Attentäter Amri hielt sich mehrfach in der Schweiz auf. Er soll ausserdem ein Schweizer Handy und eine Schweizer Prepaid-SIM-Karte genutzt haben. Das berichteten «10vor10» und die «Welt». Zudem wurde seine Pistole in den 90er-Jahren legal aus Deutschland in die Schweiz exportiert und weiterverkauft.

Amri raste am 19.Dezember mit einem gestohlenen Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt in Berlin. Beim Anschlag kamen elf Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Der Terrorist wurde wenige Tage danach bei Mailand von Polizisten erschossen.

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