Obama-Rede: «Sputnik» soll Amerika beflügeln
Aktualisiert

Obama-Rede«Sputnik» soll Amerika beflügeln

US-Präsident Barack Obama erinnert an den «Sputnik-Schock» und will damit sein kriselndes Land zu neuer Grösse führen. Ihm steht ein gewaltiger Kraftakt bevor.

von
Peter Blunschi
Undatierte Aufnahme des sowjetischen Satelliten Sputnik-1.

Undatierte Aufnahme des sowjetischen Satelliten Sputnik-1.

Es war der Höhepunkt von Obamas Rede zur Lage der Nation am Dienstag vor dem Kongress: Als die Sowjetunion vor einem halben Jahrhundert einen Satelliten namens Sputnik ins All geschossen habe, sei Amerika ratlos gewesen, wie man den Wettlauf zum Mond gewinnen solle. Doch nach Investitionen in Forschung und Bildung hätten die USA nicht nur die Sowjets überholt, sondern neue Industrien und Millionen neuer Jobs geschaffen. «Dies ist der Sputnik-Moment unserer Generation», sagte der Präsident.

Das piepsende Geräusch des Sputnik am 4. Oktober 1957 war in der Tat ein Schock für die satte, selbstzufriedene USA und ein Weckruf. Präsident Dwight Eisenhower gründete die Raumfahrtbehörde NASA und startete eine nationale Initiative zur Ausbildung von Ingenieuren. Sein Nachfolger John F. Kennedy verkündete 1961, Amerika wolle bis zum Ende des Jahrzehnts einen Mann zum Mond und wieder zurück bringen – acht Jahre später war das Ziel erreicht.

Herausforderer China und Indien

Heute wird die Führungsrolle Amerikas erneut herausgefordert, diesmal von aufstrebenden Mächten wie China und Indien. Sie stellen nicht nur die wirtschaftliche Vormachstellung der USA in Frage, sondern werden auch in den Bereichen Bildung und Forschung immer mehr zur Konkurrenz für die vermeintliche Weltmacht Nummer eins. Den unter Arbeitslosigkeit und den Folgen der Finanzkrise leidenden Amerikanern ist dies in letzter Zeit schmerzlich bewusst geworden, etwa beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao.

Nun will Barack Obama das Land zu alter Stärke zurückführen, deshalb sein Appell an den «Sputnik-Moment». Doch die Voraussetzungen sind vollkommen anders. In den 50er Jahren war Amerika ein selbstbewusstes, wirtschaftlich starkes Land. Die Politik stand geeint hinter dem Ziel, die sowjetische Herausforderung zu kontern. Heute sind die USA wirtschaftlich geschwächt und politisch tief gespalten. Die Staatsschulden sind immens, die Infrastruktur zerfällt, das Bildungswesen steckt in einer Dauerkrise.

Schüler nicht konkurrenzfähig

Der jüngste Bericht des Erziehungsministeriums lieferte einen alarmierenden Befund: Weniger als 50 Prozent der amerikanischen Schüler sind im Bereich Naturwissenschaften konkurrenzfähig. Auf diese Weise werde Amerika seine Rolle als «Weltmarktführer» bei den Wissenschaften nicht halten können, warnte Erziehungsminister Arne Duncan. Sein Boss verlangte in seiner Ansprache, die bereits als «Sputnik-Rede» bezeichnet wird, denn auch entschieden neue Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Forschung und Innovation.

Die Republikaner aber wollen sparen und Steuern senken. Ihnen kam Obama teilweise entgegen, er versprach unter anderem ein einfacheres Steuersystem. Gleichzeitig ist durchaus Geld vorhanden, bei privaten Unternehmen. Diese sollen auf Cashreserven von zwei Billionen Dollar sitzen. Der CBS-Blooger Dan Farber schreibt stellvertretend für die meisten Kommentatoren, der Präsident müsse die Wirtschaft und den Kongress davon überzeugen, ein Umfeld zu schaffen mit dem Willen, den nächsten Sputnik zu starten.

Angesichts des vergifteten Klimas in den USA ist dies ein gewaltiger Kraftakt. Der Wettlauf zum Mond wirkt im Vergleich wie ein Spaziergang. Doch ohne den kollektiven Willen von öffentlichem und privatem Sektor sowie «Anreize, Gesetze und Opfer, die für den Übergang in eine komplexe, globale Wirtschaft notwenig sind, wird der neue Sputnik beim Start ausbrennen», mahnte CBS-Blogger Faber. Barack Obama hat sich die Latte sehr hoch gelegt. Kann er sie überspringen, wird er als grosser Präsident in die Geschichte eingehen.

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