SRF-«Club» gerät wegen «False Balance» in die Kritik
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Sendung zu CoronaSRF-«Club» gerät wegen «False Balance» in die Kritik

Beim jüngsten SRF-«Club» kamen Kritikerinnen und Kritiker der Coronapolitik ausgiebig zu Wort. Nun wird der Vorwurf der falschen Ausgewogenheit laut. Moderatorin Barbara Lüthi kontert.

von
Pascal Michel
SRF

Darum gehts

  • Am Dienstag sprachen Sandro Brotz und Barbara Lüthi im SRF-«Club» darüber, «ob die Pandemie die Gesellschaft spaltet und wie Brücken geschlagen werden können».

  • Bei der Gästeauswahl betreibe der «Club» eine falsche Ausgewogenheit, heisst es nun.

  • Moderatorin Barbara Lüthi nimmt Stellung.

«Bereit zu einem Experiment»: So kündigte SRF-Moderator Sandro Brotz auf Twitter die Sendung «Club» zum Thema «Corona und die Kritikerinnen und Kritiker» an, die am Dienstag über den Sender ging.

Zusammen mit Barbara Lüthi wollte Brotz der Frage nachspüren, «wie Corona-Massnahmen von den Bürgerinnen und Bürgern aufgenommen wurden» und «warum man von gewissen Coronamassnahmen-Kritikerinnen als Journalist angegriffen wird». Ziel der Sendung war es dabei auch, «Brücken» zwischen den sich gegenüberstehenden gesellschaftlichen Gruppen zu schlagen.

Zu wenige Wissenschaftler eingeladen?

Dies ist den beiden erfahrenen SRF-Moderatoren Brotz und Lüthi deutlich misslungen, glaubt man der Kritik in den sozialen Medien, die nach der Ausstrahlung über die beiden niederprasselte.

Kern der Vorwürfe war die sogenannte «False Balance», wonach Randpositionen in einer Debatte der Mehrheitsmeinung als gleichwertig gegenübergestellt werden. Dem Wissenschaftler Manuel Battegay und Regierungsrat Pierre-Alain Schnegg (SVP) sassen im «Club» drei Kritikerinnen und Kritiker der Corona-Politik gegenüber: Michael Bubendorf von den Verfassungsfreunden, die Primarlehrerin Prisca Würgler sowie Journalist Reto Brennwald.

«Das ist wie wenn man Klimaleugnern die gleiche Airtime gibt wie einem Klimaforscher», so ein Twitterer.

Lob erhielt Manuel Battegay sogar von einem SVP-Mitglied, der fand, man solle der Wissenschaft glauben:

Eine von Bubendorf zitierte Studie zerpflückte Monika Bütler, die als Ökonomin in der Taskforce sass, im Detail.

«Was gestern mit wissenschaftlicher Evidenz gemacht wurde, lässt nicht nur das Wissenschaftlerinnenherz bluten – es ist brandgefährlich», twitterte Bütler. Dominique de Quervain, ebenfalls Ex-Taskforce-Mitglied, doppelte nach:

Doch nicht alle fanden die Gästeauswahl und die Moderation komplett verunglückt. Comparis-Gesundheitsexperte Felix Schneuwly etwa findet, dass «jeder den Unterschied zwischen faktenfreien Meinungen und wissenschaftlichen Fakten erkennen konnte». Er sei vor der Sendung auch sehr skeptisch gewesen, müsse aber jetzt zugeben, «dass die Gratwanderung besser als in einigen Arena-Sendungen gelungen ist», antwortete er einem Kritiker.

«Publikum konnte sich eigene Meinung bilden»

Auf Anfrage von 20 Minuten nimmt die Leiterin des «Club», Barbara Lüthi, Stellung.

«Ausgangslage für die Sendung war, der Frage nachzugehen, ob die Pandemie die Gesellschaft spaltet und wie Brücken geschlagen werden können. Dabei sind Akteure aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Medien eingeladen worden», erklärt sie. Bei den Massnahmen-Kritikern und Kritikerinnen im Studio habe es sich um Vertreter und Vertreterinnen einer Bewegung gehandelt, die zwei Referenden zustande gebracht hätten. «Dies zu ignorieren oder nicht abzubilden, wäre unjournalistisch gewesen. Den Aussagen der Kritikerinnen und Kritiker wurden insbesondere von Infektiologe Manuel Battegay mit wissenschaftlich fundierten Ausführungen entgegnet.»

Lüthi betont, das Publikum habe sich durchaus eine eigene Meinung bilden können. «Wo nötig, haben Sandro Brotz und ich eingegriffen und kritisch nachgefragt – zum Beispiel beim Vorwurf, dass die Schweiz totalitär sei oder dass eine Maskenpflicht unnötig sei.»

Zum Vorwurf der falschen Ausgewogenheit sagt Lüthi: «Verschwörungstheorien oder abstrusen Behauptungen wird bei SRF keine Plattform gegeben. Dies haben wir in der gestrigen Sendung auch als Moderatorin und Moderator klar gemacht. Wir orientieren uns am aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft.»

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