Aktualisiert 04.06.2015 15:52

SEF in Interlaken

SRF darf Chodorkowskis Rede nicht übertragen

Michail Chodorkowski hat am Swiss Economic Forum überraschend eine Rede gehalten. Dabei kam es zum Eklat mit dem Schweizer Fernsehen.

von
woz
Seit Ende 2013 im Exil: Michail Chodorkowski am SEF in Interlaken.

Seit Ende 2013 im Exil: Michail Chodorkowski am SEF in Interlaken.

Entgegen der Programmansage hat am Swiss Economic Forum (SEF) nicht der ehemalige Chef des deutschen Bundeskanzleramtes, Ronald Pofalla, die grosse Bühne bekommen. Überraschend kam der ehemalige russische Unternehmer Michail Chodorkowski nach Interlaken BE.

Chodorkowski riet auf dem SEF-Podium den anwesenden Verantwortungsträgern der Schweizer Wirtschaft, längerfristig zu denken. «Mein Leben hat mich dazu gebracht.» Zehn Jahre seien gar nicht eine so lange Zeit, sagte er in Anspielung auf seine umstrittene Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung und Betrugs; Kritiker sprachen von einem politischen Urteil.

Eklat bei TV-Übertragung

Er glaube, dass auch in Russland bald ein Wandel komme, sagte der frühere Oligarch und Chef des Ölkonzerns Yukos. Regimes bestünden oft nicht länger, als das Leben des jeweiligen Gründers dauere. Zu den Ängsten um sein eigenes Leben sagte Chodorkowski, nach zehn Jahren in einem russischen Gefängnis denke er, dass jeder andere Ort sicherer sei.

Doch seine Rede war als einzige nicht vom Schweizer Fernsehen, SRF, übertragen worden. Der Putin-Gegner bestand darauf, dass das SRF seine Ansprache nicht live ausstrahlt, berichtet «Blick.ch». Stattdessen spielte es einen vorproduzierten Beitrag.

Chodorkowski seit 2013 in der Schweiz im Exil

Chodorkowski, der nach seiner Freilassung Ende 2013 ins Exil in die Schweiz gekommen war, sagte über den russischen Präsidenten Wladimir Putin, dieser kenne nur Freund oder Feind. Falls es aber einmal wieder möglich sein sollte und es wirtschaftlich vorwärts gehe, könne er sich vorstellen, wieder unternehmerisch tätig zu werden. «Dann bin ich mit euch.»

Zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine bekräftigte Chodorkowski seine Forderung, der Ukraine müsse geholfen werden; wirtschaftlich und bei der Umwandlung zu einer Demokratie. Die Sanktionen gegen Russland seien verständlich. Sie hätten wirtschaftlich zwar funktioniert, politisch hätten sie die Situation in Russland aber gefestigt. (woz/sda)

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