Basler Fasnachtsclique: SRF-Gisler provoziert Negro Rhygass am Radio
Aktualisiert

Basler FasnachtscliqueSRF-Gisler provoziert Negro Rhygass am Radio

SRF-3-Moderator Tom Gisler witzelte am Radio über die Diskussion um die Clique Negro Rhygass. Ein Hörer reichte Beschwerde ein.

von
Noah Zygmont

Ausschnitt Radio-SRF-3-Moderation vom 31. August 2018. Tom Gisler provoziert «Negro-Rhygass»-Clique.
Quelle: Radio SRF 3

Die Basler Fasnachtsclique Negro Rhygass sorgte für eine Kontroverse. Ihr Name und das Logo, das eine schwarze Person mit Bastrock, Pauke und Knochen in den Haaren zeigt, seien rassistisch, so der Vorwurf. Letzte Woche kündigte die Clique an, sich über einen allfälligen Logowechsel zu unterhalten. Am Namen will sie aber festhalten.

Letzten Freitag äusserte sich SRF-3-Moderator Tom Gisler am Sender zur Debatte. «Manchmal ist man rassistisch und merkt gar nicht, dass es für gewisse Bevölkerungsgruppen tatsächlich rassistisch ist», startete Gisler seine Moderation. Das sei der kleine, feine Alltagsrassismus. Dieser sei auch nicht gut, aber meist unabsichtlich. Dann gebe es aber Ausdrücke, die man einfach nicht mehr brauche. Zum Beispiel das Wort «Neger».

«Wie wärs mit einem blonden Jungen, der den Arm im 45-Grad-Winkel streckt?» ?»

Dann gibt Gisler einen Rückblick über die Debatte um die Clique Negro Rhygass, bevor er gleich selbst Vorschläge für ein neues Logo macht: «Vielleicht ein blonder Junge, in einer braunen Uniform, der den Arm im 45-Grad-Winkel Richtung Himmel streckt?»

Dann fragt Gisler, wie es mit «einer nackten Frau mit grossen Brüsten» wäre. Denn wer das Logo nicht rassistisch finde, könne gleich das Sexismus-Fach öffnen. Zuvor sagte er in ironischem Ton: Vielleicht verstehe er das Ganze auch bloss nicht, weil er keine Ahnung von der Basler Fasnacht habe.

Hörer beschwert sich beim Ombudsmann

SRF-3-Hörer Ruedi Weber hat sich über den Kommentar geärgert. Nun hat er bei der Ombudsstelle des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Beschwerde eingereicht. Weber schreibt: «Der Moderator hat sich derart darüber aufgeregt, dass er für einen Job vor einem Mikrofon an einem von öffentlichen Geldern finanzierten Radio nicht tragbar ist.» Er finde die Äusserungen unter der Gürtellinie.

Die Clique gebe es seit 60 Jahren und so ein Kommentar, der die Gruppe in die Nazi-Ecke stelle, sei nur eine Aufhetzung für die Bevölkerung. «Die SRG fühlt sich nach der No-Billag-Abstimmung unantastbar und lässt jetzt vielleicht unüberlegte Dinge raus», sagt Weber. Er findet, Gisler solle sich öffentlich bei der Clique entschuldigen. Er habe mit seinen Aussagen grob in die Clique-Freiheit eingegriffen.

SRF nimmt Diskussion aufs Korn

SRF-Mediensprecherin Lorena Sauter weist die Kritik am Kommentar zurück: «Im Rahmen seiner Moderation hat Tom Gisler diese News satirisch thematisiert und dabei die Diskussion rund um deren Namens- und Logoänderung aufs Korn genommen.» Die Satire sei auch bei SRF ein zulässiges Mittel der journalistischen Auseinandersetzung . Die Hörerschaft sei es sich gewohnt, dass Moderatorinnen und Moderatoren pointiert Haltung zu gesellschaftlichen Themen zeigten. Gisler selber möchte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen.

Bei der Fasnachtsclique Negro Rhygass wird das Logo nun diskutiert. In einer Stellungnahme schreiben die Verantwortlichen: «Wir kommentieren den SRF-Beitrag nicht.» Die Clique befinde sich derzeit in einer internen Findungsphase. Aufgrund der grossen Medienpräsenz hat sie ihre Website per Ende August offline geschalten und verzichtet derzeit auf jegliche Interviews.

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