Neue Krimiserie: SRF macht mit «Wilder» vieles richtig
Publiziert

Neue KrimiserieSRF macht mit «Wilder» vieles richtig

Anfang November startet «Wilder». 20 Minuten hat die erste Episode der brandneuen SRF-Krimiserie bereits gesehen.

von
lme

Die Handlung

Im verschlafenen (und dicht verschneiten) Bergdorf Oberwies (der Fantasie-Ort könnte im Berner Oberland liegen, gedreht wurde jedoch auf dem Urnerboden) ist es vorbei mit der Ruhe. Der steinreiche Investor Karim al-Baroudi aus Dubai will eine stillgelegte Thermalquelle anzapfen und ein Wellness-Hotel eröffnen. Einige Dorfbewohner reiben sich die Hände, weil sie das grosse Geschäft wittern, andere (allen voran der Bauer Paul Wilder) proben den Aufstand. Als dann am Morgen nach der grossen Feier zu Ehren des Investors ein Künstler aus dem Dorf tot aufgefunden wird und die Investoren-Tochter spurlos verschwindet, verdächtigt jeder jeden und in Oberwies bricht die Hölle los.

Die Stimmung

Der Westschweizer Regisseur Pierre Monnard hat «Wilder» einen wunderbar düsteren Stempel aufgedrückt und schafft es ab dem ersten Moment, dichte Spannung zu generieren. Die Aufnahmen der verschneiten Berglandschaft sind ästhetisch inszeniert und transportieren die beklemmende Stimmung im Ort perfekt. Man hat fast das Gefühl, dass die klirrende Kälte von Oberwies aus dem TV in die schön geheizte Stube dringt.

Die Besetzung

Besonders die zwei Hauptdarsteller Sarah Spale (sie spielt die Kantonspolizistin Rosa Wilder und ist bekannt aus «Nachtzug nach Lissabon») und Marcus Signer (er spielt den Bundespolizisten Manfred Kägi und ist bekannt aus «De Goalie bin ig») überzeugen als eigenwilliges Ermittlerpaar. In den Nebenrollen erfreuen besonders die kauzig-knorrigen Figuren – allen voran Rosa Wilders Vater Paul (gespielt von Andreas Matti).

Das Problem

Neben dem Haupterzählstrang (Mord und verschwundene Investoren-Tochter) stehen fast zu viele weitere Fragen im Raum: Woher rührt der Groll von Rosa Wilder auf ihren Heimatort? Erwartete sie ein Kind vom getöteten Künstler? Welche Rolle spielen die zwölf Kinder, die vor 30 Jahren bei einem Bergsturz ums Leben kamen? Was hat Bundespolizist Kägi zu verbergen? Welche Rolle spielt der ominöse Begleiter der Investoren-Tochter Amina al-Baroudi? «Wilder» hat so viele kleinteilige Handlungsstränge, dass man fast den Überblick verliert.

Ein weiteres Problem

Die meisten Schauspieler reden im Krimi im breitesten Berner Dialekt. Da aber sicher nicht alle aus Bern stammen, fallen einige gern mal aus ihrer Rolle. Besonders auffällig ist das bei Sabina Schneebeli, die die Bundesanwältin Barbara Rossi verkörpert. Rossi spricht quasi Bilingue – Zürcher-, und dann plötzlich wieder Berner Dialekt. Dass die Geschichte mit dem Investor aus dem arabischen Raum, der in der Schweiz investieren möchte, sehr an Sami Sawiris Projekt in Andermatt erinnert, mag manch einen irritieren.

Das Fazit

«Wilder» ist eine hochwertig produzierte Krimi-Serie, die sich vor der Netflix-Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Schon die erste Episode «Knochen» überzeugt durch klug platzierte Cliffhanger, ein hohes Mass an Spannung und überzeugenden Darstellern. Die Vorfreude auf weitere fünf Episoden ist also durchaus berechtigt.

«Wilder» startet am 7. November um 20 Uhr auf SRF 1.

Deine Meinung