Olivier Borer: SRF-Sportmoderator wird dank Leihmutter Papa

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Olivier BorerSRF-Sportmoderator wird dank Leihmutter Papa

Moderator Olivier Borer und sein Mann werden Eltern: Dank einer amerikanischen Leihmutter erfüllt sich Ende diesen Jahres ihr lang gehegter Kinderwunsch.

von
Meret Steiger
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Olivier Borer (40) ist SRF-Sportmoderator und macht derzeit eine Ausbildung zum Primarlehrer.

Olivier Borer (40) ist SRF-Sportmoderator und macht derzeit eine Ausbildung zum Primarlehrer.

Privat
Er und sein Mann werden in wenigen Monaten Väter.

Er und sein Mann werden in wenigen Monaten Väter.

Rita Vollenweider
Ausgetragen wird das Kind von einer amerikanischen Leihmutter.

Ausgetragen wird das Kind von einer amerikanischen Leihmutter.

Privat

Darum gehts

  • SRF-Sportmoderator Olivier Borer und sein Mann werden Väter.

  • Ausgetragen wird das Kind von einer amerikanischen Leihmutter.

  • Mit dem Zurich Pride Podcast spricht Borer über seinen Kinderwunsch und den steinigen Weg zur Vaterschaft.

Das Leben von Olivier Borer, Fernsehmoderator bei SRF Sport, wird sich bald massiv verändern: Der 40-Jährige und sein Partner werden Väter, die amerikanische Leihmutter ist zurzeit schwanger. «Ich werde Vater. Jedes Mal, wenn ich das ausspreche, wird es realer und auch emotionaler. Für mich ist es immer noch surreal, weil ein so grosser Herzenswunsch in Erfüllung geht», sagt Olivier zum Zurich Pride Podcast.

Ende Juli 2022 sind Olivier und sein Mann nach Amerika geflogen, um die Leihmutter zu besuchen. «Wir konnten es kaum erwarten. Davor hatten wir nur via Whatsapp Kontakt zu der Frau und ihrer Familie. Wir waren wahnsinnig nervös.»

«Die Distanz fühlt sich jetzt noch grösser an»

Die Amerikanerin hat bereits zwei Kinder, ist aber zum ersten Mal Leihmutter. Die Stimmung sei sehr entspannt gewesen, erinnert sich Olivier. «Die Schwangerschaft war nicht immer einfach, aber unser ‹Bauchmami› ist sehr pragmatisch und ruhig und gibt uns Zuversicht, dass alles gut kommt. Das war uns wichtig, gerade auch wegen der Distanz.»

Umso härter war der Abschied: «Das Geschöpf in diesem Bauch ‹zurückzulassen›, war hart, es ist schliesslich unser Kind. Die Distanz fühlt sich jetzt noch grösser an», sagt Olivier. Auch nach der Geburt soll die Leihmutter präsent sein, das ist Olivier und seinem Mann wichtig. «Wir wollen unserem Kind gegenüber offen und transparent sein. Wenn es wissen will, wo es herkommt, dann soll es diese Möglichkeit haben.»

«Es war ein schräger, unromantischer Moment»

Der Weg bis zur erfolgreichen Befruchtung war steinig. Da Leihmutterschaft in der Schweiz verboten ist, war es nicht einfach, ein Labor zu finden, das bereit war, die Spermien der beiden Männer in die USA zu schicken. Olivier erinnert sich: «Wir mussten unsere Spermien in diesem Labor abgeben. Es war ein schräger, unromantischer und irgendwie auch unnatürlicher Moment.»

Anschliessend wurden die Eizellen einer Spenderin befruchtet – mit mässigem Erfolg: Nach zwei Runden gab es nur drei lebensfähige Embryos, normal sind ungefähr zehn. Eine Belastungsprobe für das Paar: «Wir haben uns hinterfragt: Schaffen wir das finanziell? Schaffen wir das emotional? Es war definitiv eine Prüfung für uns als Paar, aber wir sind uns jetzt noch näher», sagt Olivier.

«Ich möchte in diesem Bereich ein Vorbild sein»

Auch mit ethisch-moralischen Fragen haben sich Olivier und sein Mann auseinandergesetzt. «Natürlich hatten wir Bedenken. Die lassen sich nicht beseitigen, sie sind aber seit diesem Treffen deutlich weniger geworden. Ich weiss, dass es dem ‹Bauchmami› gut geht und ihre Familie sie unterstützt.» Besonders eingefahren sei ihm ein Moment mit dem Ehemann der Leihmutter. Am letzten Tag sollte er ein Foto machen, wie Olivier und sein Mann den Bauch der Leihmutter halten – und begann dabei zu weinen. «Er hat sich so gefreut, dass seine Frau uns das grösste Geschenk unseres Lebens machen kann», sagt Olivier.

Den Schritt in die Öffentlichkeit wählt Olivier bewusst: «Ich möchte auch in diesem Bereich ein Vorbild für gleichgeschlechtliche Paare sein und zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, sich den Kindertraum zu erfüllen.» Seine Familie steht hinter dem 40-Jährigen, der gerade eine Ausbildung zum Primarlehrer macht. «Meine Mutter hat schon bei der Ankündigung, dass wir diesen Weg gehen wollen, angefangen, Schühchen zu stricken, und auch mein Vater freut sich wahnsinnig, dass er noch mal Grossvater wird.»

«Weihnachten mit dem Kind ist eine wunderschöne Vorstellung»

«Wir fliegen zwei Wochen vor dem Termin in die USA, damit wir bei der Geburt hoffentlich dabei sein können», sagt Olivier. Danach können die beiden direkt mit dem Baby ein Zimmer im Spital beziehen. Rechtlich gibt es allerdings noch einige Hürden: «Ein Richter muss bestätigen, dass das ‹Bauchmami› ihre Rechten und Pflichten abgibt. Dann stellt er eine Geburtsurkunde aus, auf der wir beide als legale Väter aufgeführt sind.»

Weitere Formalitäten stehen den beiden in der Schweiz bevor: Nur der leibliche Vater gilt hier als legaler Vater. Der andere Partner kann nach einem Jahr ein Adoptionsgesuch stellen. «Es wird kompliziert, aber darauf sind wir vorbereitet», sagt Olivier, und träumt bereits von Weihnachten: «Weihnachten mit dem Kind ist eine wunderschöne Vorstellung. Ich kann immer noch nicht wirklich glauben, dass das jetzt wirklich passiert, aber ich freue mich wahnsinnig.» 

Was ist eine Leihmutterschaft?

Eine Leihmutterschaft kann für homosexuelle und heterosexuelle Paare eine Option sein, weil zum Beispiel hormonelle Störungen, vernarbte Eileiter, Endometriose oder ein zu hohes Alter der Frau eine Geburt verunmöglichen. In der Schweiz verbietet die Verfassung die Embryonenspende und alle Arten von Leihmutterschaft.

Unterschieden werden zwei Arten von Leihmutterschaften:

Gestationsleihmutterschaft:
Das ausgetragene Kind ist auch das genetische Kind des Paars. Dabei wird die Eizelle einer Spenderin im Labor mit dem Sperma des Vaters befruchtet und dann in die Gebärmutter einer Leihmutter eingesetzt. Das Kind ist mit der Leihmutter genetisch nicht verwandt. Für diesen Weg haben sich Olivier und sein Mann entschieden.

Leihmutterschaft mit Eizellenspende:
Die Leihmutter spendet selbst eine Eizelle. Diese wird mit dem Sperma des künftigen Vaters oder eines fremden Spenders befruchtet. In diesem Fall ist die Leihmutter nicht nur die austragende Mutter, sondern auch die leibliche Mutter des Kindes. 

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