Doppelmoral?: SRF zeigt Dildo-Test – diesen TV-Spot aber nicht
Aktualisiert

Doppelmoral?SRF zeigt Dildo-Test – diesen TV-Spot aber nicht

SRF lehnt Werbespots für einen Erotik-Adventskalender ab. Das stösst bei den Machern auf Unverständnis: Selbst der «Kassensturz» teste Vibratoren.

von
dk

Dieser Werbespot ist dem SRF zu heiss. (Video: Amorana)

Ein Mann öffnet im Geschäft eine Duftkerze, riecht daran und sagt: «Das ist ein super Weihnachtsgeschenk!» In Superheldenmanier rauscht eine Frau heran, gibt ihm eine Ohrfeige, reicht ihm einen mit einem Rentier dekorierten Adventskalender und antwortet: «Nein, das ist ein super Weihnachtsgeschenk.»

Obwohl der Spot für einen Kalender mit Vibratoren, Liebeskugeln oder Badesalzen wirbt, kommt kein anzügliches Wort, keine nackte Haut, noch nicht mal der Begriff Sex vor. Dies, weil der letztjährige Werbespot des Sextoy-Versandhändlers Amorana vom SRF abgelehnt wurde. Doch auch der neue Spot hat bei SRF keine Chance.

Sara Tomasone von der Vermarktungsfirma Admeira, über die Werbung bei SRF gebucht werden muss, sagt zum Werbefilm: «Wir möchten die Werte und Gefühle einzelner Zuschauergruppen nicht verletzen und uns auch aus Imagegründen nicht als Werbeplattform für Sex-Utensilien anbieten.»

«Minderheiten berücksichtigen»

Das erstaunt, hat doch die hauseigene Sendung «Kassensturz» Ende 2017 die meistverkauften Vibratoren der Schweiz eingehenden Tests unterzogen. «Vibratoren haben das Schmuddel-Image abgelegt», heisst es denn auch im «Kassensturz»-Text vielsagend. Seit einigen Jahren verkaufen selbst die Detailhändler Coop und Migros Vibratoren im normalen Sortiment.

Die Einschätzung stimme für eine grössere Bevölkerungsgruppe, sagt SRF-Sprecherin Andrea Wenger. «Als öffentliches Medienunternehmen müssen wir jedoch auch die Wertevorstellungen von Minderheiten berücksichtigen.» Bei einzelnen, selektiv aufbereiteten publizistischen Inhalten habe das Publikum auch die Freiheit, diese nicht zu konsumieren. «Einer breitflächigen Werbekampagne mit zahlreichen Spots dagegen kann sich das Publikum nicht verwehren», sagt Wenger.

Das Tabu brechen

Amorana-Mitgründer Alan Frei wirft SRF Doppelmoral vor. «Unser Spot ist extrem harmlos – wir zeigen weder Haut, noch machen wir irgendwelche Anspielungen auf Sextoys – ganz anders als der ‹Kassensturz›.» Bei anderen Schweizer TV-Sendern sei die Werbung daher kein Problem, sagt Frei: «Prosieben, RTL oder 3+ zeigen alle den Spot, wenn teilweise auch erst ab 22 Uhr.»

Dass die Sender die Werbung erst am späten Abend ausstrahlen wollen, verstehe er durchaus, sagt Frei. Eine Zeitbeschränkung bei SRF hätte er darum auch nachvollziehen können. «Eine pauschale Ablehnung bedeutet aber, die eigenen Zuschauer als unmündig zu erklären.» Laut Frei sei es an der Zeit, dass SRF Sextoys, die offensichtlich bei vielen Leuten Anklang finden, enttabuisiert. «Wir befinden uns schliesslich nicht mehr im Mittelalter.»

Deine Meinung