Aktualisiert 03.04.2020 05:03

Neues Medienhaus

SRG kann wegen Technik Millionenbau nicht nutzen

Das neue Medienhaus im Leutschenbach ist längst fertig gebaut. Die Komplexität des technischen Systems sei aber unterschätzt worden, sagt ein SRG-Sprecher.

von
Daniela Gigor
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Die Anlage des SRF-Studios in Zürich-Leutschenbach kann erst zum Teil genutzt werden, weil die neue IP-Technologie in Verzug ist.

Die Anlage des SRF-Studios in Zürich-Leutschenbach kann erst zum Teil genutzt werden, weil die neue IP-Technologie in Verzug ist.

SRF/Oscar Alessio
-Das News und Sportcenter ist im zweiten bis vierten Stock des neuen Medienhauses im Leutschenbach eingezogen. Hier wird seit Herbst 2019 gearbeitet.

-Das News und Sportcenter ist im zweiten bis vierten Stock des neuen Medienhauses im Leutschenbach eingezogen. Hier wird seit Herbst 2019 gearbeitet.

SRF/Gian Vaitl
Obwohl das neue Medienhaus bereits 2019 fertiggestellt wurde, kann erst ein Teil des Gebäudes genutzt werden.

Obwohl das neue Medienhaus bereits 2019 fertiggestellt wurde, kann erst ein Teil des Gebäudes genutzt werden.

SRF/Gan Vaitl

Ruedi Matter, früherer SRF-Direktor, hat seiner Nachfolgerin Nathalie Wappler ein dickes Ei hinterlassen: Er hat das Projekt für das neue Medienhaus im Leutschenbach zu verantworten. Obwohl der sogenannte Newsroom 19 seit letztem Jahr bezugsbereit ist, kann das Gebäude nur teilweise genutzt werden, wie der «Tages-Anzeiger» (Bezahlartikel) berichtet. Auch der Start im neuen Studio, der für den Herbst 2019 geplant war, musste verschoben werden – ein neues Datum ist bis heute nicht bekannt.

Grund für den Verzug ist die neuste Technologie der Übertragungstechnik, die sogenannte IP-Technologie beim News- und Sportcenter. Der Begriff IP steht für Internet-Protokoll. Bei dieser Technik werden Audiosignale und Videos nicht mehr als Streams, sondern als IP-Pakete übertragen und basieren somit auf normaler Netzwerktechnik. Laut SRF-Sprecher Stefan Wyss bewegt sich sowohl der Umfang wie auch die Komplexität auf höchstem Niveau. Ausserdem werde die IP-Technologie in Zukunft Standard sein. Wyss: «Dieses technische Projekt gilt in der Medienbranche, zusammen mit dem der BBC in England und jenem der CBC in Kanada, als eines der innovativsten in der IP-Technologie.»

SRG wird zum technologischen Experimentierfeld

Die Fertigstellung der technischen Anlagen habe sich als aufwendiger herausgestellt als erwartet. «Dies liegt unter anderem daran, dass neue Technologien eingeführt werden, zu denen es noch wenige Erfahrungswerte gibt», sagt Wyss weiter. Ohne Erfahrungswerte und Benchmarks in diesem Bereich stosse jedoch insbesondere die Planbarkeit an Grenzen. Wyss: «Die Komplexität des Projekts wurde unterschätzt.»

Ein Brancheninsider* weiss aus Erfahrung, dass es eine ganze «Armada» von IT-Spezialisten benötige, damit das Projekt in Betrieb genommen werden könne. Und die Probleme seien vorprogrammiert: «Anscheinend hat die damalige Führung erlaubt, dass die SRG zum technologischen Experimentierfeld wird.» Die Systeme seien immer komplexer geworden und immer mehr verschachtelt worden. Dies biete Angriffsflächen für Hacker. Ein grosser Cyberangriff könnte dieses System ins Wanken oder gar zum Einsturz bringen.

Laut Wyss steht auch jetzt noch kein Datum für den Start der neuen Studios fest: «Mittlerweile hat natürlich auch die Homeoffice-Situation im Zusammenhang mit dem Coronavirus einen starken Einfluss auf den Projektfortschritt.» Die Kosten für das News- und Sportzentrum belaufen sich auf rund 70 Millionen Franken. «Die genauen finanziellen Auswirkungen der Verzögerung bei der neuen Studiofläche werden geprüft, können aber auch aufgrund der Corona-Krise noch nicht abgeschätzt werden», so Wyss weiter.

* Name der Redaktion bekannt

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