Aktualisiert 12.10.2018 11:37

Vorbestrafter Betreiber

SRG kooperiert mit ultra-religiösem Radiosender

Der Sender Radio Freundesdienst predigt gegen Evolutionslehre, Homo-Ehe und Abtreibungen – und erhält nun von der SRG die Radionachrichten.

von
Stefan Ehrbar
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Die SRG hat mit den beiden Radiosendern Freundesdienst und James FM Vereinbarungen abgeschlossen. Sie dürfen neu die Radionachrichten von SRF übernehmen.

Die SRG hat mit den beiden Radiosendern Freundesdienst und James FM Vereinbarungen abgeschlossen. Sie dürfen neu die Radionachrichten von SRF übernehmen.

Keystone/Peter Schneider
Hinter Radio Freundesdienst steht ein christliches Missionswerk. Die Ausrichtung des Senders ist streng religiös. Einer der Betreiber predigt in Sendungen gegen Abtreibungen, die Homo-Ehe oder die Evolutionslehre.

Hinter Radio Freundesdienst steht ein christliches Missionswerk. Die Ausrichtung des Senders ist streng religiös. Einer der Betreiber predigt in Sendungen gegen Abtreibungen, die Homo-Ehe oder die Evolutionslehre.

Wie viel Geld Radio Freundesdienst für die Übernahme der SRF-Nachrichten bezahlen muss, verrät SRG-Sprecher Edi Estermann nicht. Die Kooperation stärke den Medienplatz Schweiz. Das Angebot stehe allen gemeldeten Sendern offen, die die Schweizer Rechtsordnung respektierten.

Wie viel Geld Radio Freundesdienst für die Übernahme der SRF-Nachrichten bezahlen muss, verrät SRG-Sprecher Edi Estermann nicht. Die Kooperation stärke den Medienplatz Schweiz. Das Angebot stehe allen gemeldeten Sendern offen, die die Schweizer Rechtsordnung respektierten.

Keystone/Peter Schneider

Die SRG kooperiert neu mit dem Radiosender Radio Freundesdienst. Wie sie in einer Mitteilung schreibt, hat Radio Freundesdienst eine Vereinbarung zur Übernahme der Radionachrichten von SRF abgeschlossen. Auch der Musiksender James FM ist eine solche Vereinbarung mit dem öffentlich-rechtlichen Sender eingegangen. Die SRG freut sich über diese beiden neuen Kooperationen, wie sie schreibt.

Hinter Radio Freundesdienst steht das gleichnamige Missionswerk. Es bezeichnet sich als «überkonfessionelle Organisation mit dem Ziel, die Frohe Botschaft von Jesus Christus weltweit zu verkünden». Das Hilfswerk ist nicht unumstritten. Einer der beiden Betreiber ist ein vorbestrafter Sexualstraftäter, wie die «Aargauer Zeitung» berichtete. Im Jahr 2003 wurde der heute 92-Jährige wegen sexueller Handlungen mit Abhängigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Im Jahr 1967 wurde er wegen sexueller Übergriffe zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, so die Zeitung.

«Evolutionslehre ist satanische Lüge»

Radio Freundesdienst vertritt streng religiöse Ansichten. In einem Beitrag vom September werden von einem Moderator etwa das Recht auf Abtreibung oder die Ehe von Homosexuellen als «Pervertierung der Gesetze» beschrieben. Über die Juden sagte der Mann in einer Sendung, sie hätten Jesus verworfen und gekreuzigt: «Das Gericht kam mit der Zerstörung Jerusalems, der Zerstreuung in die ganze Welt und unzähligen Verfolgungen über sie. Gott lässt niemanden ungestraft, der seinen Sohn verwirft.»

Terroranschläge in der ganzen Welt hätten einen «tiefen geistlichen Hintergrund», den die Bibel klar aufzeige, so der Moderator und Betreiber in derselben Sendung. Es gehöre zur «Wachsamkeit der gläubigen Christen in der Endzeitphase», diese Ereignisse nicht «im Sog der Massenmedien zu beurteilen». Die Evolutionslehre bezeichnet er in einer anderen Sendung als «satanische Lüge».

Keine Auskunft über Geld-Flüsse

Für die SRG ist die Ausrichtung des Senders kein Problem. Sie biete allen Sendern, die beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) gemeldet seien und sich an die Rechtsordnung hielten, die zeitgleiche, integrale und mit Quellenangabe versehene Übernahme der stündlichen Radionachrichten an, sagt Sprecher Edi Estermann. Das geschehe zur Stärkung des Schweizer Medienplatzes.

Die Sender müssten die übernommenen Sendungen deutlich von ihrem Programm abtrennen und SRF als Quelle unmittelbar vor der Sendung nennen. Zudem müssten alle Sendungen eines Radio- oder Fernsehprogramms die Grundrechte beachten. Insbesondere müssten sie die Menschenwürde achten, dürften weder diskriminierend sein noch zu Rassenhass beitragen. Auch Gewalt dürfe weder verherrlicht noch verharmlost werden. Radio Freundesdienst habe diese Vorgaben akzeptiert, so Estermann. Die SRG erhalte eine finanzielle Entschädigung, die sich an der Reichweite orientiere. Wie viel Geld in diesem Fall fliesst, verrät Estermann nicht.

Die Verantwortlichen des Christen-Senders freuen sich über die SRG-Kooperation, wie sie in ihrer Missionsschrift schreiben. Als «erste private Radiostation überhaupt» könne man auf die «sehr hochwertigen Nachrichten» von SRF zurückgreifen. «Wir sind dem Herrn und den Verantwortlichen von SRF sehr dankbar für diese Möglichkeit.»

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