Service public oder Verschwendung?: SRG liess sich Film auf Rumantsch 2 Mio kosten
Aktualisiert

Service public oder Verschwendung?SRG liess sich Film auf Rumantsch 2 Mio kosten

Das SRF zeigt zur Primetime den ersten rätoromanischen Film. Nicht bei allen kommt das gut an. Stärkt er den nationalen Zusammenhalt?

von
Noah Zygmont
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Am 23. September 2018 zeigt das SRF den neuen Film «Amur senza fin» (dt: Liebe ohne Ende).

Am 23. September 2018 zeigt das SRF den neuen Film «Amur senza fin» (dt: Liebe ohne Ende).

Pascal Mora
Es ist laut SRF «der erste professionelle rätoromanische Spielfilm», es gibt aber deutsche Untertitel.

Es ist laut SRF «der erste professionelle rätoromanische Spielfilm», es gibt aber deutsche Untertitel.

SRF/Pascal Mora
Die teure Eigenproduktion ruft auch Kritiker auf den Plan. Andreas Kleeb vom Verein No Billag sagt etwa: «Für mich ist es fragwürdig, warum so viel Geld in einen Spielfilm gesteckt wird. Da sieht man nach wie vor, wie weit weg die SRG von den jungen Zielgruppen ist.»

Die teure Eigenproduktion ruft auch Kritiker auf den Plan. Andreas Kleeb vom Verein No Billag sagt etwa: «Für mich ist es fragwürdig, warum so viel Geld in einen Spielfilm gesteckt wird. Da sieht man nach wie vor, wie weit weg die SRG von den jungen Zielgruppen ist.»

Pascal Mora

Am 23. September 2018 zeigt das SRF den neuen Film «Amur senza fin» (dt: Liebe ohne Ende). Es ist laut SRF «der erste professionelle rätoromanische Spielfilm», es gibt aber deutsche Untertitel. Die Komödie handelt vom Ehepaar Mona und Gieri, das nach 20 Jahren in einer Ehekrise steckt. Dank Sextipps des neuen Dorfpfarrers – eines Deutschen mit indischen Wurzeln – kommt die Beziehung wieder in Schwung; im Dorf finden aber nicht alle Gefallen an dem offenen Geistlichen.

Während fünf Wochen wurde der Film im Bündnerland gedreht. Kostenpunkt: Zwei Millionen Franken. Zum Vergleich: Eine Bestatter-Folge kostete 712'000 Franken. Im 91-minütigen Heimatfilm spielen zahlreiche rätoromanische und Bündner Schauspieler mit. Darunter zum Beispiel Bruno Cathomas (52), Peter Jecklin (62) oder René Schnoz (52), die teilweise zum ersten Mal in ihrer Landessprache spielten.

«Man lockt kaum Junge vor den Bildschirm»

Die teure Eigenproduktion ruft auch Kritiker auf den Plan. Andreas Kleeb vom Verein No Billag sagt etwa: «Für mich ist es fragwürdig, warum so viel Geld in einen Spielfilm gesteckt wird. Da sieht man nach wie vor, wie weit weg die SRG von den jungen Zielgruppen ist.» Mit dem Heimatfilm und alternden Schauspielern werde man kaum Junge vor den Bildschirm locken. Nach wie vor sei der Leistungsauftrag der SRG unklar.

Auch für Nadja Pieren von der SVP ist klar: «Es zeigt, dass die SRG über ausreichend Geld verfügt, wenn man zwei Millionen für einen Spielfilm ausgeben kann.» Grundsätzlich müsse die SRG mehr Geld in Information statt Unterhaltung stecken. Sie begrüsse es aber, wenn man in die Randregionen investiere.

«Ein Zeichen, dass man Rätoromanisch in der Schweiz wahrnimmt»

Andere wie der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas sind dagegen voll des Lobes für den Film. Für ihn ist es echter Service public: «Es ist eine Freude, einen Film in Rumantsch zu sehen. Es ist ein Zeichen dafür, dass man Rätoromanisch in der Schweiz wahrnimmt.»

«Ich kenne den Schauplatz des Spielfilms sehr gut. Im Film kämen auch junge Darsteller vor. Dass er sich nicht direkt an die Jungen richte, sei aber nicht weiter schlimm: «Der Film soll das romanische Gebiet zeigen.» Auch Parteikollege Marco Romano sagt: «Die Schweiz besteht nicht nur aus der deutschen Sprache.»

Die SRG schreibt in der Medienmappe, ein rätoromanischer Spielfilm könne «eine immense sprachpolitische Wirkung haben». Laut SRG-Sprecher Edi Estermann gehört das Abbilden der rätoromanischen Kultur und Sprache zum Auftrag der SRG. «Der Film trägt dazu bei, zur besten Sendezeit die kleinste Minderheit in diesem Land der ganzen Schweiz näherzubringen.»

Die Kritik, wieder einmal an den Bedürfnissen der jüngeren Zuschauer vorbeiproduziert zu haben, weist Estermann zurück: «Bei ersten Screenings des Films fiel das Feedback auch aus der jungen Zielgruppe durchaus positiv aus.» Der Film solle «ein breites Publikum ansprechen».

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