Jahresbilanz - SRG macht Millionenverlust – und zahlt trotzdem hohe Boni aus
Publiziert

JahresbilanzSRG macht Millionenverlust – und zahlt trotzdem hohe Boni aus

13 Millionen Franken Verlust, sinkender Marktanteil, Vorwürfe wegen sexueller Belästigung: Die SRG hat kein gutes Jahr hinter sich. Boni für die Geschäftsleitung gab es trotzdem.

von
Marcel Urech
1 / 3
Die SRG hat 2020 einen Millionenverlust gemacht. Trotzdem zahlte sie hohe Boni an ihre Geschäftsleitung.

Die SRG hat 2020 einen Millionenverlust gemacht. Trotzdem zahlte sie hohe Boni an ihre Geschäftsleitung.

20min/Marco Zangger
SRF-Direktor Gilles Marchand erhielt trotz des schlechten Ergebnisses einen Bonus von 101’000 Franken.

SRF-Direktor Gilles Marchand erhielt trotz des schlechten Ergebnisses einen Bonus von 101’000 Franken.

AFP/Fabrice Coffrini
Nathalie Wappler soll 2020 rund 450’000 Franken verdient haben.

Nathalie Wappler soll 2020 rund 450’000 Franken verdient haben.

SRG SSR

Darum gehts

  • Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) hat 2020 rund 13 Millionen Franken Verlust gemacht.

  • SRG-Direktor Gilles Marchand und SRF-Chefin Nathalie Wappler erhielten trotzdem hohe Boni.

  • Das sorgt nun für Empörung bei Schweizer Politikerinnen und Politikern aus allen Lagern.

Die SRG hat ihren Geschäftsbericht publiziert: 2020 resultierte ein Verlust von 13 Millionen Franken und der Marktanteil des Schweizer Fernsehens sank von 31,5 Prozent auf 30,7 Prozent. SRF begründet dies mit der Verschiebung der Olympischen Sommerspiele und der Fussball-Europameisterschaft. Weil die Einnahmen stark rückläufig sind, will die SRG 250 Stellen abbauen. Hohe Boni gab es trotzdem: SRG-Direktor Gilles Marchand und Nathalie Wappler, die Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen, verdienten etwa gleich viel Geld wie im Vorjahr. Das sorgt nun für Empörung bei Schweizer Politikerinnen und Politikern.

Marchand erhielt trotz des schlechten Ergebnisses 533'000 Franken Lohn. Sein Bonus, den die SRG «variablen, leistungsabhängigen Lohnanteil» nennt, betrug 101’000 Franken. Wappler verdiente 2020 laut «CH Media» rund 450'000 Franken – «so viel wie ein Bundesrat». Und die sieben weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung erhielten durchschnittlich rund 390'000 Franken, 73’400 Franken davon als Boni.

Dabei informierte die SRG erst gerade kürzlich darüber, dass sie ihre Kosten bis 2024 um rund 50 Millionen Franken reduzieren müsse. Laut Wappler will die SRF bis 2022 rund 16 Millionen Franken sparen.

«Völlig überrissen»

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher fordert nun, dass die Geschäftsleitung auf einen angemessenen variablen Lohnanteil verzichtet. So wie die SBB, welche die variablen Lohnanteile des obersten Kaders und der Konzernleitung um rund zehn Prozent senkte. Auch Jérôme Hayoz, Generalsekretär der Mediengewerkschaft SSM, übt Kritik: «Der Status quo ist das Zeugnis einer Führungsriege, welche die Tragweite der aktuellen Her­ausforderungen und Krisen immer noch nicht verstanden hat.» Die hohen Boni seien ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die entlassen wurden oder am Arbeitsplatz höherem Druck ausgesetzt sind.

Für SVP-Nationalrat Gregor Rutz ist die Höhe der Lohnzahlung «völlig überrissen», wie er gegenüber «CH Media» sagt. Es sei unbegreiflich, warum die Unternehmensleitung trotz Krise gleich hohe Boni wie im Vorjahr erhalte. «Die Geschäftsleitung der SRG hat eine Chance verpasst», sagt auch Mitte-Nationalrat Martin Candinas. «Im Coronajahr hätte sie mehr Demut und Bescheidenheit zeigen sollen.»

Der Arbeitgeberverband, der Gewerkschaftsbund, der Gewerbeverband und das Staatssekretariat für Wirtschaft kritisieren zudem, dass die SRG letztes Jahr für 600 ihrer rund 6000 Mitarbeiter Kurzarbeitgelder bezog, obwohl sie jedes Jahr 1,25 Milliarden Franken aus der Serafe-Haushaltsabgabe erhält.

SRG nimmt Stellung

Die SRG verteidigt sich: Die variable Lohnkomponente sei an individuelle Ziele und nicht an den Gewinn geknüpft. «Da die SRG kein gewinnorientiertes Unternehmen ist und bei ihren Abschlüssen eine schwarze Null anstrebt, macht eine Koppelung des variablen Lohnes an das Unternehmensergebnis wenig Sinn», sagt Mediensprecher Edi Estermann. Und das Jahresergebnis 2020 erkläre sich auch durch hohe Restrukturierungskosten. Zudem hätten alle Mitarbeiter eine Prämie von 200 Franken erhalten.

Auch abseits der Lohndiskussion sorgte die SRG in den letzten Monaten für Schlagzeilen. Beim Westschweizer Fernsehen RTS soll es jahrelang zu sexueller Belästigung und Mobbing gekommen sein. Und SRF zahlt jeden Monat 400'000 Franken für Reparaturen, weil die Technik im Studio nicht richtig funktioniert.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung