Gegen Verpixelung: SRG soll Verbrecher entlarven
Aktualisiert

Gegen VerpixelungSRG soll Verbrecher entlarven

Gilt für einen Räuber, der beim Banküberfall gefilmt wird, die Unschuldsvermutung? Ja, findet das Westschweizer Fernsehen – und verpixelt die Bilder vom Tatort. Rechtsbürgerliche Parlamentarier sind erbost.

von
Simon Hehli

Yannick Buttet (34) kanns immer noch nicht fassen: Völlig absurd, ja lächerlich sei, was das welsche Fernsehen TSR Mitte Januar geboten habe. Da überfällt ein Räuber ohne Maske eine Bank, die Überwachungskameras filmen ihn – und das TSR macht den Mann im Beitrag in der Hauptnachrichten-Sendung «Journal de 19 h 30» unkenntlich. «Das widerspricht doch dem gesunden Menschenverstand», ärgert sich der Walliser CVP-Nationalrat. In einer während der Frühlingssession eingereichten Motion verlangt er nun, dass öffentliche Fernsehsender die Gesichter von in flagranti gefilmten Schwerverbrechern zeigen müssen.

Buttet kann wenig anfangen mit der Erklärung, die das TSR zum verwischten Täterfoto abliefert. In einem Leserbrief schreibt TSR-Sprecher Christophe Minder, die Redaktion habe sich auf ein elementares Prinzip des Journalismus abgestützt: die Unschuldsvermutung. «Davon kann ja wohl kaum die Rede sein, wenn es um einen Räuber geht, der in der einen Hand die Pistole, in der anderen das geklaute Geld hält», meint Buttet sarkastisch.

Ist ein bewaffneter Räuber eine Gefahr?

Das TSR zeigt laut Sprecher Minder grundsätzlich nie das Gesicht von Tätern, ausser bei überwiegendem öffentlichem Interesse. Gleich argumentiert gegenüber 20 Minuten Online auch SRG-Sprecher Daniel Steiner: «Mit Rücksicht auf die Anforderungen des geltenden Persönlichkeitsrechts veröffentlichen wir identifizierende Bilder nur im Falle drohender Gefahr für Leib und Leben.»

Im Gegensatz zu den Fernsehleuten findet Buttet, genau eine solche Gefahr sei vorhanden, wenn ein bewaffneter Räuber sein Unwesen treibt – auch wenn beim Überfall in Delémont niemand verletzt worden ist. «Es kann doch nicht sein, dass Kriminelle auf Kosten von potentiellen Opfern geschützt werden», enerviert er sich. Andere Medien haben das von der jurassischen Kantonspolizei veröffentlichte Fahndungsbild unverpixelt gezeigt.

Die Polizei konnte den Räuber, einen 47-jährigen Franzosen, Anfang Februar nach einem weiteren Banküberfall in Biel festnehmen. Hätte die TSR-Nachrichtensendung ihren vielen Zuschauern das Gesicht präsentiert, hätte der Kriminelle dank Hinweisen aus der Bevölkerung vielleicht schon früher geschnappt werden können, sagt Buttet. «Das TSR hat wohl einfach eine Dummheit gemacht und will jetzt nicht dazu stehen.»

Keine Unterstützung von links

Für seine Motion hat sich Buttet die Unterstützung von 21 rechtsbürgerlichen Ratskollegen aus CVP, FDP und SVP gesichert. Dennoch ist der Walliser wenig optimistisch, im Parlament eine Mehrheit für eine Gesetzesänderung zu finden. Von der Linken kann er keine Schützenhilfe erwarten, wie Roger Nordmann klarmacht. Der Waadtländer SP-Mann betont, die Unschuldsvermutung gelte für jeden Tatverdächtigen, solange dieser nicht rechtskräftig verurteilt ist.

Das Fernsehen sei zudem keine Fahndungsinstitution und solle selber entscheiden können, welche Fahndungsbilder es veröffentlicht und welche nicht, erklärt Nordmann. Bei der Veröffentlichung der Fotos von mutmasslichen Tätern in den Medien sei generell Vorsicht angebracht, mahnt er: «Die Bilder zirkulieren dann jahrelang im Internet – auch wenn die Fahndung schon lange vorüber ist.»

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