Aktualisiert 26.06.2020 05:56

FCZ-Trainer Magnin schwärmt

«St. Gallen hat richtig geil Fussball gespielt»

Wenn der FCZ antritt, weiss man nie, was dabei herauskommt. Ausser vielleicht – er spielt gegen den FC St. Gallen.

von
Eva Tedesco

Bei seinem Amtsantritt als FCZ-Trainer sagte Ludovic Magnin: «Ich will unberechenbar sein, ich will, dass keiner weiss, wie wir spielen.» In St. Gallen ist ihm das einmal mehr gelungen. Der FCZ glich einer Wundertüte, bei der man nie weiss, was rauskommt, wenn man reingreift.

Bevor die Zürcher die Fahrt in die Ostschweiz antraten, hätte kaum einer auch nur einen Rappen auf den Tabellensechsten gegen den aktuellen Leader der Super League gewettet. Oder? Denn der FCZ holte aus den letzten sechs Runden lediglich zwei Punkte. Und dann musste man im zweiten Spiel nach dem Re-Start nach St. Gallen zum Leader, der in Sion (2:1) schon recht beeindruckend losgelegt hatte. Und so ging es auch gegen den FCZ in gewohnt schwungvoller Manier los.

«St. Gallen ist gekommen wie die Feuerwehr», sagte Ludovic Magnin. «Dann war das Gewitter durch und wir haben 70 Minuten tollen Fussball gespielt. Wir hatten auch das Quäntchen Glück, das uns in Bern (2:3) noch gefehlt hat.» Und man hatte Selbstbewusstsein, nachdem man die Ostschweizer in dieser Meisterschaft schon zweimal bezwingen konnte. Darauf aber sagte Magnin: «In den ersten 30 Minuten hätte keiner gesagt, dass wir am Ende 4:0 gewinnen.»

Ein Olympia-Teilnehmer im FCZ-Team

Aber seine Mannschaft habe in diesem Spiel Reife gezeigt, nachdem sie sich so oft naiv angestellt habe. «Trotz immensem Druck des Gegners sind wir einigermassen ruhig geblieben.» Man habe die Sturm- und Drangphase der Espen schadlos überstanden und gewusst, «dass irgendwann wieder die Sonne kommt und wir unsere Sonnenseite zeigen werden.»

So hell wie die Sonne strahlte vor allem Doppeltorschütze Aiyegun Tosin (64., 91.). Auch in den Augen von FCSG-Trainer Peter Zeidler. «Der könnte auch bei Olympia am 100-Meter-Lauf mitmachen – wenn Tokio stattgefunden hätte. Ein toller, schneller Spieler, den wir nicht in den Griff bekommen haben.» Die Niederlage in dieser Höhe stört und daran werde man zu knabbern haben. Sonst hätte man auch künftig das Nachsehen – «aber es haben nicht alle einen Olympioniken im Team.»

Der Sieg des FCZ sei verdient gewesen, so der Deutsche. «Sonst waren wir das ja andersherum gewöhnt mit den zwei Zahlen Vier und Null», meinte Zeidler schmunzelnd, «aber jetzt haben sie das aus ihrer Sicht zurechtgedrückt. Schade, dass wir da jetzt die Leidtragenden sind.»

Zwei Zahlen: Vier und Null

4:0 beziehungsweise 0:4 ist tatsächlich ein Resultat, das der FCZ nur zu gut kennt. Sechsmal (inklusive Cup) haben die Zürcher in dieser Saison schon mit diesem Ergebnis verloren – dreimal allein gegen YB. Die gute Leistung, trotz knapper Niederlage in der letzten Runde in Bern verleitete Magnin dann zur Aussage, man habe in dieser Saison schon gezeigt, dass man mit den Top-Teams der Schweiz gut mithalten könne. «Der FC St. Gallen hat richtig geil Fussball gespielt in den ersten 30 Minuten, dann in der 2. Halbzeit haben wir richtig geil gespielt.» Und den Eindruck verstärkt: Der FCZ ist in dieser Saison eine Wundertüte und unberechenbar.

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