Paul Grüninger: St. Gallen verschmäht Geschichtslehrbuch

Aktualisiert

Paul GrüningerSt. Gallen verschmäht Geschichtslehrbuch

Die St. Galler Regierung tue sich bis heute schwer damit, Paul Grüningers Verhalten positiv zu beurteilen und zu würdigen. Zu diesem Schluss kommt Wulff Bickenbach, Autor der neuesten Dissertation über den St. Galler Flüchtlingshelfer.

Öffentliche Ehrungen, die Benennung von Strassen oder Plätzen nach Grüninger, seien durch die Regierung und die Stadtverwaltung stets behindert worden. Ein letzter Dämpfer erfuhren die Bemühungen, die Erinnerung an Grüninger wach zu halten, als der damalige St. Galler Bildungschef Hans Ulrich Stöckling ein Schulgeschichtsbuch nicht zur Nutzung empfahl, in dem rund zehn Jahre nach dem posthumen Freispruch das vorbildliche Verhalten Grüninger ausführlich dargestellt wurde.

Das kantonale Bildungsdepartement weigere sich, für Schulbücher eine Empfehlung auszusprechen, in denen Grüningers Verhalten gewürdigt wird, schreibt Autor Wulff Bickenbach.

«Hinschauen und Nachfragen»

Die Rede ist vom Lehrmittel «Hinschauen und Nachfragen» zur Geschichte der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, das im März 2006 im Zürcher Lehrmittelverlag erschienen ist. Darin enthalten ist auch die Geschichte des St. Galler Flüchtlingshelfers Paul Grüninger.

«Hinschauen und Nachfragen» ist ein modernes Geschichtslehrmittel für 14- bis 18-Jährige. Ziel ist eine gegenwartsbezogene und zukunftsgerichtete Auseinandersetzung mit dem Thema Schweiz und Nationalsozialismus.

«Das Buch fand grossen Anklang», sagt Robert Fuchs vom Lehrmittelverlag des Kantons Zürich auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Im ersten Jahr wurden 7000 Exemplare verkauft. Bislang ist «Hinschauen und Nachfragen» rund 8500 Mal bestellt worden.

Nur 25 Bücher im Kanton verkauft

Auch im Lehrmittelverlag des Kantons St. Gallen ist das Lehrmittel inzwischen im Sortiment. Weil es interkantonal ins Programm genommen wurde, erklärt Verlagsleiter Ernst Hofmänner. Verkauft wurden lediglich 25 Bücher.

Es handle sich zum ein freiwilliges Zusatzangebot für Lehrpersonen. Obligatorische, alternativ-obligatorische und empfohlene Lehrmittel bestimme der Erziehungsrat des Kantons St. Gallen. (sda)

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