Aktualisiert 02.09.2015 11:40

Ostschweiz

St. Gallen will Herzinfarkt-Mysterium entschlüsseln

In der Region sterben schweizweit am meisten Menschen an Herzinfarkten. Experten vermuten, dass Ostschweizer ungesünder leben und Arztbesuche meiden. Nun wird das Rätsel untersucht.

Unterschiede im Rettungswesen könnten einen Einfluss auf die Zahl tödlicher Herzinfarkte haben.

Unterschiede im Rettungswesen könnten einen Einfluss auf die Zahl tödlicher Herzinfarkte haben.

Hochgerechnet auf 100'000 Einwohner starben 2013 im Kanton St. Gallen 43 Personen an einem Herzinfarkt, in Appenzell Ausserrhoden waren es gar 46. Zum Vergleich: In Genf waren es zur selben Zeit 21, in Freiburg 22.

Das zeigen die neuen Zahlen des schweizerischen Gesundheitsobservatoriums Obsan, die am Wochenende veröffentlicht wurden. Während die Statistik für Ausserrhoden wegen der geringen Fallzahlen als nicht besonders aussagekräftig gilt, ist auf die St. Galler Zahlen Verlass. Entsprechend ernst nimmt man sie beim Kanton, zumal das schlechte Abschneiden seit Beginn der Erhebungen anhält.

Mehr Tabak, mehr Fett?

Gegenüber dem «Regionaljournal» von SRF hat die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann am Dienstag eine Untersuchung zum Thema Herzinfarkte angekündigt. Man werde mit dem Obsan Kontakt aufnehmen, die Zahlen studieren und dann im Kanton entsprechende Abklärungen vornehmen, so Hanselmann.

Über die Gründe für die enormen regionalen Unterschiede kann die Gesundheitsdirektorin nur spekulieren: So nennt sie eine generell ungesündere Lebensweise mit höherem Tabak- und Fettkonsum, aber auch Unterschiede im Spital- und Rettungswesen als mögliche Ursachen: In Genf etwa ist bei den meisten Ambulanzeinsätzen ein Notarzt dabei. «Wir tappen noch etwas im Dunkeln», so Hanselmann. Letztlich könne eine Kombination von verschiedenen Ursachen verantwortlich für das schlechte Abschneiden St. Gallens sein.

Weniger Arztbesuche

Fest steht laut Hanselmann aber, dass die Ostschweizer weniger häufig zum Arzt gehen als die Westschweizer: In der Obsan-Statistik über den Anteil der Bevölkerung mit Hausarztbesuchen liegt Ausserrhoden abgeschlagen am Schluss. Aus St. Gallen liegen hierzu keine genauen Zahlen vor, sie dürften laut Fachleuten aber ähnlich tief sein.

Gesundheitsexperten verweisen auf eine Vielzahl weiterer möglicher Ursachen für die regionalen Unterschiede. Nicht unerheblich dürfte laut Obsan-Geschäftsleitungsmitglied Marcel Widmer auch das Bildungs- und Einkommensniveau sein. «Erfahrungsgemäss suchen wohlhabende, gut gebildete Leute eher mal vorsorglich einen Herzspezialisten auf», so Widmer.

(20 Minuten)

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