Heilige Knochen: St.Gallen will Schädel der Klostergründer zurück
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Heilige KnochenSt.Gallen will Schädel der Klostergründer zurück

Die Schädel der Heiligen Gallus und Otmar sind in Prag aufgetaucht. Nach über 600 Jahren sollen sie wieder in die Heimat kommen.

von
sav
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Lagen waren die Reliquien des Heiligen Gallus und Otmar in einer Seitenkapelle des Veitsdoms in Prag vor den Blicken der Besucher verborgen.

Lagen waren die Reliquien des Heiligen Gallus und Otmar in einer Seitenkapelle des Veitsdoms in Prag vor den Blicken der Besucher verborgen.

Wikimedia / Rabanus Flavus
Gemäss Überlieferungen wurden die Knochen von Karl IV im Jahre 1353 entwendet, als der damalige König von Böhmen den Bodenseeraum bereiste.

Gemäss Überlieferungen wurden die Knochen von Karl IV im Jahre 1353 entwendet, als der damalige König von Böhmen den Bodenseeraum bereiste.

Georg von Graefe / silvatur reisen
Karl IV liess die Gräber der Heiligen öffnen und verlangte von den Mönchen, den Kopf von Otmar abzusägen.

Karl IV liess die Gräber der Heiligen öffnen und verlangte von den Mönchen, den Kopf von Otmar abzusägen.

Georg von Graefe / silvatur reisen

Lange waren die Reliquien des Heiligen Gallus und Otmar in einer Seitenkapelle des Veitsdoms in Prag vor den Blicken der Besucher verborgen. Gemäss Überlieferungen wurden die Knochen von Karl IV im Jahre 1353 entwendet, als der damalige König von Böhmen den Bodenseeraum bereiste.

Im Kloster St. Gallen liess er die Gräber der Heiligen öffnen und verlangte von den Mönchen, den Kopf von Otmar abzusägen. Dies berichtet Lorenz Hollenstein, Alt-Stiftsarchivar von St. Gallen gegenüber der NZZ. Gebeine von Heiligen waren äusserst begehrt zu jener Zeit, da sie Heerscharen von Pilgern anlockten. Karl IV verfolgte also handfeste wirtschaftliche Interessen, als er die Schädel mitgehen liess.

Kommt es zur Rückkehr?

Nächstes Jahr feiern das Bistum und der Kanton St. Gallen die 1300-jährige Jubiläum der Klostergründung im Jahre 719 durch Otmar. Am 13. April 2019 will der Stiftsbezirk St. Gallen einen neuen Ausstellungssaal eröffnen, in dem erstmals der Klosterplan aus dem neunten Jahrhundert im Original zu sehen sein soll. Der Kanton plant über zwei Millionen Franken für die Umsetzung.

«Eine gute Gelegenheit, um die beiden Reliquien zu uns zu holen und sie hier zu zeigen», sagt Martin Gehrer, alt Regierungsrat und heutiger Präsident des Administrationsrats des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen, gegenüber dem «St. Galler Tagblatt».

An einen sakralen Ort

Auch das Bistum St. Gallen ist um eine Rückführung der Reliquien bemüht. «Wenn wir die Schädelteile der Klostergründer im Rahmen des Jubiläums, zumindest als Leihgabe, ­zurück nach St.Gallen bringen können, dann gehören sie nicht in ein Museum, sondern an einen passenden sakralen Ort», so Claudius Luterbacher, Kanzler des Bistums, gegenüber dem «Tagblatt».

Ein passender Ort wäre zum Beispiel die gleichnamige Otmar-Krypta oder die Herz-Jesu-Kapelle im Klosterbezirk, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

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