Gerichtsfall in Bellinzona - St. Galler bereitete Propaganda des Islamischen Staats für Social Media auf
Aktualisiert

Gerichtsfall in BellinzonaSt. Galler bereitete Propaganda des Islamischen Staats für Social Media auf

Ein St. Galler hat eine Ein-Mann-Medienagentur für den Islamischen Staat betrieben und so laut Bundesanwaltschaft «die militärische Schlagkraft des IS glorifiziert».

von
Marcel Urech
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Der Islamische Staat (IS) will in Afghanistan eine Basis für sein weltweites Kalifat aufbauen. Ein St. Galler unterstützte diese Bestrebungen von der Schweiz aus.

Der Islamische Staat (IS) will in Afghanistan eine Basis für sein weltweites Kalifat aufbauen. Ein St. Galler unterstützte diese Bestrebungen von der Schweiz aus.

AFP
Er übersetzte Medienmitteilungen des IS und streute diese über Twitter, Whatsapp und Telegram.

Er übersetzte Medienmitteilungen des IS und streute diese über Twitter, Whatsapp und Telegram.

AFP
Der IS zieht ausländische Kämpfer nicht nur aus Pakistan an. «Afghanistan ist nach wie vor ein Hauptziel für ausländische terroristische Kämpfer in der Region»,  sagt die Uno. 

Der IS zieht ausländische Kämpfer nicht nur aus Pakistan an. «Afghanistan ist nach wie vor ein Hauptziel für ausländische terroristische Kämpfer in der Region», sagt die Uno.

REUTERS

Darum gehts

  • Ein St. Galler betrieb eine Ein-Mann-Medienagentur für den Islamischen Staat (IS).

  • Er übersetzte Medienmitteilungen des IS und streute diese auf Social Media.

  • Nun muss er sich vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten.

Ein St. Galler hat laut «Sonntagsblick» monatelang Terror-Propaganda für den Islamischen Staat (IS) gemacht. Er habe von Februar 2018 bis Oktober 2019 eine Ein-Mann-Medienagentur für den IS betrieben und müsse sich darum am 7. Oktober vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten. Auf der Networking-Plattform Linkedin preise sich der 27-Jährige als Übersetzer für Deutsch, Englisch und Arabisch an.

Gemäss den Ermittlern speicherte und verschickte der St. Galler Dutzende Bilder und Videos von Gräueltaten. Er habe Medienmitteilungen des IS übersetzt und diese über Twitter, Whatsapp und Telegram verbreitet. Laut der Bundesanwaltschaft wollte er so «die militärische Schlagkraft des IS glorifizieren», zitiert der «Sonntagsblick» aus der Anklageschrift. Der St. Galler betreue zudem den Youtube-Kanal «AI-Khayr Media», auf dem er bearbeitete Propagandavideos des IS hochlud, schreibt die Zeitung.

Seiner Verlobten habe der St. Galler per Videobotschaft mitgeteilt, dass er mit ihr zehn Kinder haben wolle und diese «Soldaten des Islams» werden sollten. Er habe damals über die Türkei nach Syrien oder in den Irak reisen wollen, um sich vor Ort dem IS anzuschliessen, sagte er in einer Einvernahme im Oktober 2020.

Nach Recherchen von 20 Minuten arbeitet der St. Galler noch immer als Freelance-Übersetzer. Gemäss einer ihm nahestehenden Person ist der 27-Jährige nun verheiratet und erwartet zusammen mit seiner Frau sein erstes Kind. Er führe wieder ein «ganz normales Leben».

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