Kontoauszüge: St. Galler KMU ist schuld an Raiffeisen-Panne
Aktualisiert

KontoauszügeSt. Galler KMU ist schuld an Raiffeisen-Panne

Raiffeisen-Kunden haben falsche Kontoauszüge erhalten. Der Fehler liegt beim Dienstleister Trendcommerce. Beteiligt an der Firma war auch Pierin Vincenz' Investnet.

von
S. Spaeth
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114 Kunden haben von ihrer Raiffeisenbank falsche Kontoauszüge erhalten.

114 Kunden haben von ihrer Raiffeisenbank falsche Kontoauszüge erhalten.

Keystone/Gaetan Bally
Statt der eigenen Daten erhielten die Raiffeisen-Kunden die Auszüge anderer Personen.

Statt der eigenen Daten erhielten die Raiffeisen-Kunden die Auszüge anderer Personen.

Keystone/Gaetan Bally
«Raiffeisen Schweiz hat Strafanzeige eingereicht, da es sich beim Vorfall um eine Verletzung des Bankkundengeheimnisses handelt», teilt die Bank mit.

«Raiffeisen Schweiz hat Strafanzeige eingereicht, da es sich beim Vorfall um eine Verletzung des Bankkundengeheimnisses handelt», teilt die Bank mit.

Keystone/Gaetan Bally

«Für Sie zuständig: Claudia Sommer.» So steht es auf den monatlichen Auszügen, die man als Bankkunde per Post oder Mail erhält. Doch Frau Sommer druckt weder den Kontoauszug selbst aus noch packt sie ihn ein. Für die meisten Banken erledigen Drittfirmen diese Dienstleistungen des sogenannten Druckmanagements. So auch bei Raiffeisen. Dort wurde am Montagmorgen bekannt, dass letzte Woche 114 Kunden Kontoauszüge von anderen Kunden erhalten hatten.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Raiffeisen den Vorfall, der aufgrund einer technischen Störung bei einem externen Provider für die Output-Produktion entstanden ist. Nun zeigen Recherchen von 20 Minuten: Beim Raiffeisen-Dienstleister handelt es sich um die Firma Trendcommerce Schweiz, die je eine Niederlassung in St. Gallen, Gossau und Schaanwald (FL) betreibt. Trendcommerce bestätigt in einer Stellungnahme gegenüber 20 Minuten den Vorfall, «der zu Fehlverarbeitungen für Kunden der Raiffeisenbanken geführt hat». Weitere Angaben dazu wollte Trendcommerce nicht machen.

Laut dem KMU zählt Trendcommerce über 300 Bank-, Versicherungs- und Retail-Kunden und beschäftigt 180 Mitarbeiter. Zu den Grosskunden des Dienstleisters gehört neben Raiffeisen auch die Migros mit ihrem Cumulus-Programm.

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Raiffeisen: «Deutliche Kosteneinsparungen»

«Die Trendcommerce ist für den Versand von Bankbelegen der Raiffeisen Gruppe in der ganzen Schweiz verantwortlich», bestätigt Raiffeisen-Sprecher Dominik Chiavi. Die Zusammenarbeit startete im November 2012. «Die technischen Voraussetzungen des Druckcenters sowie der Standort St. Gallen waren für Raiffeisen ausschlaggebend, um sich für Trendcommerce als langfristigen Partner im hochsensitiven Tansaktionsdruckgeschäft zu entscheiden», kommentiert die Firma Trendcommerce auf ihrer Website ihren Deal mit Raiffeisen.

Spannt Raiffeisen auch weiterhin mit dem externen Dienstleister zusammen? «Stand heute wird die Zusammenarbeit mit der Trendcommerce weitergeführt», sagt Chiavi. Hintergrund der Auslagerung dürften nicht zuletzt Kostenüberlegungen sein. Spezialisierte Druckmanagement-Firmen arbeiten günstiger und flexibler: «Das Outsourcing unseres Druckbereichs war ein wohl überlegter und sinnvoller Schritt. Denn auf lange Sicht bringt uns diese Massnahme nicht nur deutliche Kosteneinsparungen, sondern mittels Einsatz von Farbdigitaldruck auch viel mehr Flexibilität», lautet ein Raiffeisen-Testimonial auf der Trendcommerce-Website.

Pierin Vincenz hatte das Sagen

Laut der Trendcommerce-Historie übernahm 2016 ein Kreis von Investoren rund um die Herisauer Beteiligungsgesellschaft Investnet ein «substanzielles Aktienpaket» von Trendcommerce. Investnet steht im Zentrum der Affäre um den langjährigen Raiffeisen-Lenker Pierin Vincenz. Dieser sitzt noch immer in Untersuchungshaft und trat erst im März als Investnet-Präsident ab. Fast gleichzeitig kappte auch Raiffeisen die Verflechtung zu Investnet. Die Genossenschaftsbank verkaufte ihre 60-Prozent-Beteiligung.

Die Staatsanwaltschaft wirft Vincenz ungetreue Geschäftsbesorgung vor. Er soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich mitkassiert haben. Vincenz bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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