Kunstprojekt: St. Galler wollen in Luzern Gratis-Taxi anbieten

Aktualisiert

KunstprojektSt. Galler wollen in Luzern Gratis-Taxi anbieten

Die Gebrüder Riklin kehren mit ihrem «Quatschmobil» nach Luzern zurück. Zuerst zeigen sie einen Dokufilm, dann wollen sie das Gratis-Taxi ein Jahr lang fahren lassen.

von
cza

Worte als Währung: Das gelb-grüne Gratis-Taxi sorgte im vergangenen Frühling während drei Tagen für Aufsehen in der Stadt Luzern. Fahrgäste mussten nicht mit Geld, sondern mit Dialog bezahlen - ein Projekt der beiden St. Galler Künstler Frank und Patrik Riklin in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern Design & Kunst, der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichem Raum der Stadt Zürich sowie der Zürcher Hochschule der Künste. Nun kehren die Ostschweizer mit ihrem Quatschmobil nach Luzern zurück: Auf dem Mühlenplatz führen sie am Mittwoch ihren Dok-Film zum Projekt auf. Darin zu sehen: Die künstlerische Idee des Projekts, Stimmen der Quatschmobil-Fahrer und Fahrgäste und die mögliche Auswirkung auf die Stadtentwicklung.

Kostenpunkt: 50'000 bis 70'000 Franken

Doch die Riklins bringen nicht nur ihren Film nach Luzern - sie wollen ihre Idee weiterführen: «Die Stadt Luzern soll eine Vorreiterrolle übernehmen und bei der Weiterbetreibung des Quatschmobils helfen», so Frank Riklin. Die Idee: Während eines Jahres das Gratis-Taxi jeweils an drei Tagen wöchentlich zu betreiben. Dafür benötigen die Künstler Kapital von 50'000 bis 70'000 Franken. «Das Quatschmobil arbeitet an der Mentalität einer Stadt und schafft Situationen, die unüblich sind», so Riklin. Für die beiden Künstler ist das Quatschmobil ein «mögliches Werkzeug» für Stadtentwicklungsprozesse: «Die Gespräche im Quatschmobil und die dadurch zufällig ausgelösten Aktionen in der Baselstrasse wirken sich positiv auf das Stadtklima aus», so Riklin. Denn: Pro zehn gefahrene Kilometer wurde in der Baselstrasse ein Haarschnitt, eine Pizza oder eine Schuhreparatur einer Person spendiert.

Geld müsste wohl von Privaten kommen

Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner steht der Idee positiv gegenüber: «Das Konzept erfüllt in einem hohen Masse die Idee der partizipativen Stadtentwicklung.» Ob die Stadt das Angebot annehmen wird, ist aber noch nicht geklärt. Da kein entsprechendes Gesuch bei der Stadt deponiert wurde, liegt auch keine offizielle Haltung vor. Ruedi Frischknecht von der Stadtverwaltung glaubt aber nicht an eine Weiterführung der Idee: «Bei der momentanen finanziellen Situation der Stadt sehe ich nicht grosse Chancen für das Projekt.» Der Kosten-Nutzen-Effekt sei nicht gegeben. «Die Flächenwirkung ist zu wenig gross. Es wären nur einzelne Meinungen von Fahrgästen, die für Stadtentwicklung zu wenig repräsentativ wären.» Die Riklin-Brüder können sich aber alternative Finanzierungsmodelle vorstellen.

Auch Taxi-Unternehmen verfolgen gespannt, wie es weitergeht mit dem Quatschmobil. Bei Taxi Hess blickt man dem Gratis-Taxi entspannt entgegen: «Es wird sich zeigen, ob dieses Projekt tatsächlich realisiert werden kann. Wir sehen darin aber keinen wirtschaftlichen Konkurrenten», wurde auf Anfrage mitgeteilt.

Die Öffentlichkeit wird sich am Mittwoch auf dem Mühlenplatz ein Bild machen können: Der Film zum Quatschmobil wird im Innern des Autos zwischen 12 und 18 Uhr im 30-Minuten-Takt gezeigt.

Deine Meinung