Festnahme bei Protesten: St. Gallerin drohen fünf Jahre Haft in Belarus
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Festnahme bei ProtestenSt. Gallerin drohen fünf Jahre Haft in Belarus

Nachdem bei den Protesten in Minsk eine St. Gallerin verhaftet wurde, hat ihr Freund nichts mehr von ihr gehört. Auch das Departement für Auswärtige Angelegenheiten hat Schwierigkeiten mit der Frau in Kontakt zu treten.

von
Bianca Lüthy
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Natalie H. bei einer Demonstration in Minsk. Am 19. September wurde sie wegen «Widerstands gegen die Polizei» verhaftet. 

Natalie H. bei einer Demonstration in Minsk. Am 19. September wurde sie wegen «Widerstands gegen die Polizei» verhaftet.

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Mit Gewalt zwängten am 20. September Polizisten viele Demonstranten in Gefangenentransporter.

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Zehntausende forderten den sechsten Sonntag in Serie den Rücktritt von Staatschef Alexander Lukaschenko.

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Darum gehts

  • In Minsk wurde eine weissrussisch-schweizerische Doppelbürgerin verhaftet.
  • Der St. Gallerin drohen fünf Jahre Gefängnis wegen mutmasslichem Widerstand gegen die Polizei.
  • Seit ihrer Verhaftung ist der Kontakt zu ihr abgebrochen.

Am 19. September wurde Natalie H. bei Protesten in Minsk verhaftet. Die St. Gallerin war am 11. September in die weissrussische Hauptstadt gereist, um an der Demonstration gegen den Machthaber Lukaschenko teilzunehmen.

Nathalie H. wird vorgeworfen, dass sie Widerstand gegen die Polizei geleistet haben soll. Dafür könnte sie zu fünf Jahren Haft verurteilt werden. Die Untersuchungshaft dauert noch bis zum 4. Oktober. Wird dann kein Urteil gefällt, müsste die zweifache Mutter freigelassen werden.

Seit ihrer Festnahme hat ihr Lebensgefährte Robert Stäheli keinen Kontakt mehr zur Doppelbürgerin gehabt. Auch ihre Familie in der Schweiz tappt im Dunkeln. Einzig ihr Bruder, der in Minsk lebt, berichtet, dass die in der gleichen Zelle inhaftierten Anwältin Lyudmila Kazak aus der Untersuchungshaft freigelassen wurde, wie die Zeitung von CH Media schreiben.

Kazak soll demnach ein Stück Stoff aus dem Gefängnis geschmuggelt haben, auf dem eine Beschwerde von Nathalie H. notiert ist. Dies soll Kazak beim Verlassen des Gefängnis den Journalisten vor Ort gezeigt haben.

Keinen direkten Kontakt zu Inhaftierter

Die Schweizer Botschaft versuche gemäss dem Bruder von Nathalie H., der als Chirurg in Minsk tätig ist, in direkten Kontakt mit der Verhafteten zu treten. Die Genehmigung des weissrussischen Aussenministeriums hat der Schweizer Botschafter allerdings noch nicht erhalten.

Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte bislang, dass Nathalie H. konsularischen Schutz bekommen soll. Problematisch sei aber, dass es sich bei der Frau um eine Doppelbürgerin handelt. Pierre-Alain Eltschinger vom EDA sagt: «Da diese Person eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, behandeln sie die örtlichen Behörden wie eine Weissrussin. Das macht es für die Botschaft schwierig, Zutritt zu ihr zu erhalten.»

Diesen Samstag soll in Bern eine «Solidaritätsaktion mit dem weissrussischen Volk» statt finden. Dort solle die Freilassung von Natalie H. und von anderen politischen Gefangenen gefordert werden.

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