St. Pölten: Sex-Skandal wurde jahrelang vertuscht
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St. Pölten: Sex-Skandal wurde jahrelang vertuscht

Die österreichische Bischofskonferenz, der Vatikan und der St. Pöltener Bischof Kurt Krenn haben seit über zwei Jahren von homosexuellen Ausschweifungen im Priesterseminar von St. Pölten gewusst.

Diese schwere Anschuldigung erhebt der deutsche Fernsehsender ARD in einer Dokumentation des Südwestrundfunk (SWR). Ein Vertrauter des zurückgetretenen Krenn habe beispielsweise schriftlich vor dem «Priesterseminar als Freudenhaus für Homosexuelle» gewarnt, berichtete der Sender am Freitag vorab.

Die Dokumentation wird am Sonntag in der ARD gesendet. Der Vertraute schrieb demnach, dass der Leiter des Seminars «durchschnittlich drei bis vier», und sein Stellvertreter «durchschnittlich eine homosexuelle Beziehung» lebe.

Zu dem Sex-Skandal äusserte sich trotz des vom Vatikan verhängten Interviewverbots erstmals ein Seminarist öffentlich. «Es hat eine homosexuelle Atmosphäre im Seminar geherrscht», sagte der Priesteranwärter, der auch an verschiedenen «Sex-Festen» teilgenommen haben soll, im SWR, wie der Sender mitteilte.

«Es wurden homosexuelle Beziehungen geführt zwischen beiden Regenten zu den Seminaristen. Es wurden homosexuelle Beziehungen aktiv gelebt im Seminar», wird er zitiert.

Priesteranwärter: «Moralisch unter'm Hund»

Der Seminarist nannte die Vorgänge gegenüber dem SWR «ganz schlimm» und «ganz furchtbar». «Dass man das ausgenutzt hat, dass man ein Doppelleben geführt hat. Nach aussen sind wir ein ganz katholisches und konservatives Priesterseminar. Und wie es innen ausschaut, war es ganz anders: Moralisch unter'm Hund.»

Der Priesteranwärter sprach gegenüber SWR von einem «richtigen Sumpf». Es sei «sehr schmerzhaft, dass der Vatikan sich erst durch die Medien zwingen lässt zu reagieren».

Tausende pornografische Bilder

2003 waren im Priesterseminar St. Pölten auf Computern tausende pornographische Bilder, auch mit Minderjährigen, entdeckt worden. Der Skandal wurde Anfang Juli in einem Artikel des österreichischen Magazins «Profil» aufgedeckt.

Der Leiter von St. Pölten und sein Vize traten darauf zurück. Der vom Vatikan mit der Untersuchung beauftragte österreichische Bischof Klaus Küng sprach von «schwerwiegenden Fehlentwicklungen». Daraufhin liess der Vatikan das Seminar schliessen. (sda)

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