Staatsfinanzierung: Staatsanleihen werfen fast nichts mehr ab
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StaatsfinanzierungStaatsanleihen werfen fast nichts mehr ab

1992 gabs noch fast 7 Prozent Zins. Heute ist die Rendite der zehnjährigen Bundesobligationen der Eidgenossenschaft mit 1,40 Prozent auf einen neuen Tiefstand gefallen.

von
ast

Händler begründen den Zinsrückgang mit der Schuldenkrise in einigen europäischen Ländern. Diesen Staaten wollen die Menschen in Zeiten von drohenden Staatsbankrotten ihr Geld offenbar seltener anvertrauen.

Die Schweiz und damit auch der Franken und die Anleihen der Eidgenossenschaft profitieren hingegen von ihrem Ruf als Hort in schweren Zeiten. Weil die Schweiz das Geld «nachgeworfen» bekommt, werden die Bundesobligationen tiefer verzinst.

Warten auf US-Zinsentscheid

Zudem liessen auch die Sorgen um die US-Wirtschaft die Renditen weltweit sinken. Über die weitere Entwicklung jenseits des Atlantiks erhoffen sich die Marktteilnehmer am Abend, wenn die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung bekanntgibt, weiteren Aufschluss.

Eine Änderung des Leitzinses wird zwar nicht erwartet. Aber die Fed dürfte ihre Politik des billigen Geldes fortsetzen und möglicherweise sogar neue aussergewöhnliche Massnahmen ankündigen. Solange sich keine Verbesserung des US-Arbeitsmarkts abzeichne, dürfte die Fed die Zinszügel nicht straffen.

Als Folge unerwartet schwacher Arbeitsmarktdaten fielen die Renditen der US-Staatsanleihen zuletzt ebenfalls auf neue Tiefstände.

1992 gabs noch fast 7 Prozent Zins

Mit Blick auf die Schweiz sprachen Händler von einem seit knapp 20 Jahren währenden Trend sinkender Zinsen. Nach einem Hoch im Jahr 1992 bei 6,94 Prozent halbierte sich die Verzinsung bis zum Jahr 2000 auf noch 3,32 Prozent und zu Beginn des laufenden Jahres warfen die zehnjährigen Bundesobligationen noch 1,97 Prozent ab.

Sorgte in den 1990er Jahren der erfolgreiche Kampf gegen die Inflation für sinkende Zinsen, so drücken seit dem Jahr 2000 vermehrt Wirtschafts- und Finanzkrisen auf die Renditen. (ast/sda)

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