Schenkkreis-Prozess: Staatsanwalt fordert lebenslänglich
Aktualisiert

Schenkkreis-ProzessStaatsanwalt fordert lebenslänglich

Nach dem dritten Prozesstag im Dreifachmord von Grenchen verlangt der Staatsanwalt, die drei Angeklagten lebenslängich hinter Gitter zu bringen. Von einer Verwahrung sieht er hingegen ab.

Die drei Angeklagten im Dreifachmord von Grenchen SO sollen lebenslängliche Freiheitsstrafen kassieren. Dies forderte der Staatsanwalt am Mittwoch in seinem über vierstündigen Plädoyer. Von einer Verwahrung sah er ab.

Es handle sich zweifelsohne um eines der schlimmsten Verbrechen in der Schweizer Kriminalgeschichte, sagte Staatsanwalt Jan Gutzwiller in seinem Plädoyer. Das Verbrechen vom 5. Juni 2009 habe die Schweiz erschüttert.

Die beiden angeklagten Männer nahmen die Strafanträge regungslos hin. Die Frau schüttelte mehrmals den Kopf. Aus Sicherheitsgründen liessen die Polizisten den Männern die Fussfesseln auch im Gerichtssaal an.

Gutzwiller forderte in den zentralen Anklagepunkten einen Schuldspruch. Alle drei sollen wegen mehrfachen Mordes, qualifiziertem Raub sowie strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Mord und Raub verurteilt werden.

Familie ausgelöscht

Die beiden Männer hätten besonders grausam und verwerflich gehandelt, als sie in Grenchen SO eine dreiköpfige Familie auslöschten. Die 55-jährige Frau und die 35-jährige Tochter wurden mit Plastiksäcken erstickt.

Der 60-jährige Ehemann wurde vor den Augen seiner noch lebenden Tochter mit einem Schuss in den Hinterkopf niedergestreckt. Die beiden angeklagten Männer hatten die Morde im Prozess erneut gestanden.

Das Ehepaar wurde von einem heute 35-jährigen ehemaligen Spitzensportler umgebracht. Die Tochter wurde von einem 27-jährigen Angeklagten erstickt. Die dritte Angeklagte - eine 51-jährige Schweizerin - bestritt auch im Prozess, die Morde im Zusammenhang mit dem Raub in Auftrag gegeben zu haben.

Staatsanwalt: «Aussagen der Männer überzeugender»

Im Prozess stünden die Aussagen der Männer den Aussagen der Frau gegenüber, sagte Gutzwiller. Im Gegensatz zu jenen der Frau hätten die Aussagen der Männer überzeugt. Die Männer seien geständig und hätten reinen Tisch gemacht.

Zumal sie die Tötung der Familie gestanden hatten, hätten sie ihren Kopf unmöglich durch Falschaussagen aus der Schlinge ziehen können, führte Gutzwiller aus. Er machte zudem die enge Beziehung der Angeklagten zur Frau geltend.

Für den 27-Jährigen sei die 51-Jährige wie eine Ersatzmutter gewesen, für den 35-Jährigen wie eine Schwester. Man liefere die «Mutter» oder «Schwester» nicht wider besseres Wissen ans Messer, hielt Gutzwiller fest.

Die Rolle der mutmasslichen Drahtzieherin bezeichnete Gutzwiller als Schlüsselfrage im Prozess. Das dreiköpfige Amtsgericht müsse sich auf Indizien stützen.

Schulden als Auslöser

Gutzwiller sagte zu Beginn seines Plädoyers «aeris alieni comes miseria» - aus dem Latein frei übersetzt «Elend ist der Begleiter von Schulden». Der Sportler hatte der Frau 12'000 Franken geschuldet, der andere 8000 Franken.

Wegen Geldnot machte die Frau im Frühling 2009 auf die Männer Druck wegen der Schulden. Nach Angaben des Staatsanwalts entwarf sie den Plan, die in Schenkkreise verwickelte Familie auszurauben.

Das Trio ging wegen der Schenkkreise davon aus, dass die Familie über viel Bargeld verfügte. In der Wohnung fanden sie allerdings nur 5000 Franken, 600 Euro, vier Uhren und Modeschmuck.

Staatsanwalt sieht von Verwahrung ab

Bei der Strafzumessung warf der Staatsanwalt auch die Frage einer Verwahrung für die beiden Männer auf. Er gab jedoch zu bedenken, dass es sich um Ersttäter handle.

Schliesslich sah Gutzwiller davon ab, eine Verwahrung zu fordern. Die Rückfallgefahr für ein Gewaltdelikt sei zwar hoch, aber nicht hoch genug.

Der Prozess ging am dritten Verhandlungstag zäh voran. Die Befragung des psychiatrischen Gutachters brachte kaum Neues ans Licht. Am Mittwoch waren die Verteidiger mit der Gerichtsverhandlung alles andere als zufrieden.

Sie forderten zuerst lautstark eine Kopie des Plädoyers des Staatsanwaltes, was ihnen gewährt wurde. Danach forderten sie einen freien Verhandlungstag, um sich besser auf die Verteidigung vorbereiten zu können.

Amtsgerichtspräsident François Scheidegger gab schliesslich nach. Der Prozess wird voraussichtlich am Montag fortgesetzt. Das Urteil war für den 11. Mai vorgesehen. Ob es bei diesem Datum bleibt, ist offen. (sda)

Deine Meinung