Staatsanwalt: Lästig gewordene Frau durch Mord entsorgt
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Staatsanwalt: Lästig gewordene Frau durch Mord entsorgt

Lebenslänglich - so lautet der Antrag des Staatsanwalts im Prozess um eine schwangere Frau, die im November 2000 in einem Wald bei Oberkirch LU erstochen wurde.

Der angeklagte Verlobte der Frau bestritt jedoch vor dem Luzerner Kriminalgericht jede Tatbeteiligung.

Er habe mit der Sache nichts zu tun, sagte der Angeklagte unter Tränen. Er beschuldigte einen Mann, dem er 3000 Franken schuldete, sowie dessen Komplize der Tat. Für den Staatsanwalt kam aber ausser dem Angeklagten niemand für das Verbrechen in Frage. Er habe die ihm lästig gewordene Frau regelrecht entsorgt.

Der 31-jährige Angeklagte stammt aus Marokko und hätte die Schweiz im 2000 verlassen müssen. Nach Darstellung des Staatsanwaltes wollte er sich über eine Heirat mit der 23-jährigen Schweizerin, die von ihm schwanger war, ein Bleiberecht sichern.

Hochzeitstermin geplatzt

Wenige Tage vor der Hochzeit, so der Staatsanwalt, habe das Opfer aber die Hochzeit abgesagt. Dass sich eine Frau seinem Willen nicht beuge, habe der Angeklagte nicht verkraftet. Aus Rache und Egoismus habe er die Ermordung geplant und durchgeführt.

Der Angeklagte sagte dagegen, ein Bekannter habe, begleitet von zwei weiteren Männern, von ihm Geld zurückgefordert und ihn bedroht. Als seine Verlobte die Polizei alarmieren wollte, habe der Gläubiger und einer der Begleiter auf die Frau eingestochen.

Von den Richter befragt, wieso er seiner Verlobten nicht geholfen habe, gab der Angeklagte an, er habe sich gefürchtet. Er habe nicht geglaubt, dass sie sterben werde. Am Tag nach der Tötung tauchte der Angeklagte in England unter.

Der Staatsanwalt sagte, für eine Verurteilung brauche es kein Geständnis. Der Angeklagte, der es verstehe, geschickt seine Umgebung zu täuschen, sei zweifelsfrei der Täter. Der vom Angeklagten Beschuldigte habe dagegen ein glaubhaftes Alibi.

Kein Motiv

Der Verteidiger hielt dagegen, es gehe nicht darum, ob die Darstellung des Angeklagten schlüssig sei, sondern ob nur dieser als Täter in Frage komme. Mehrmals erinnerte er an den Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten».

Der Beschuldigte hat in der Darstellung des Verteidigers mit seiner Verlobten eine gemeinsame Zukunft geplant und kein Motiv für eine Tötung gehabt. Er sei deshalb freizusprechen.

Falls für das Gericht nur der Angeklagte als Täter in Frage komme, so könne dieser jedoch nur für Totschlag und nicht für Mord belangt werden, denn es herrsche Unkenntnis, was genau passiert sei, sagte der Verteidiger. Als Strafmass nannte er 5 Jahre und 8 Monate. Das Gericht wird das Urteil schriftlich bekannt geben.

(sda)

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