Aktualisiert 26.02.2010 17:08

Mordprozess HorgenStaatsanwalt: Lebenskrise als Tatmotiv

An Heiligabend 2007 wusste eine Horgner Mutter nicht mehr weiter: Vom Leben frustriert, tötete sie ihre siebenjährigen Zwillinge im Schlaf, sagt die Staatsanwaltschaft. Am 10. März erfolgt der Auftakt zum schauerlichen Mordprozess.

von
Attila Szenogrady

Das Verbrechen vom 24. Dezember 2007 erschütterte die ganze Schweiz. In einem Mehrfamilienhaus in Horgen lagen zwei siebenjährige Kinder tot in ihren Betten. Die Zwillinge waren mittels massiver Gewalteinwirkung im Schlaf erstickt worden. Anfänglich ging die Polizei von einem Einbruch aus. Aufgrund der künstlich gestellten Spuren fiel der Verdacht aber schnell auf die Schweizer Eltern. Der heute 41-jährige Vater und seine um fünf Jahre jüngere Ehefrau wurden verhaftet.

In einer Nacht alles verloren

Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann als Täter nicht in Frage kam. Er wurde nach drei Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Er hatte in einer Nacht alles verloren. Seine beiden Kinder, seinen Beruf, seine Ehefrau – die als Hauptverdächtige bis heute weiterhin im Gefängnis verblieb.

Wie ein Sprecher des Geschworenengerichts am Freitag gegenüber den Medien mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft die Hausfrau wegen mehrfachen Mordes angeklagt. Laut Staatsanwalt erstickte die Frau ihre Tochter und ihren Sohn vorsätzlich.

Die Beschuldigte soll bei zahlreichen Einvernahmen diverse und unterschiedliche Haltungen eingenommen haben. Diese reichten von völligen Bestreitungen und Belastungen ihres Mannes bis hin zu Zugaben: Sie hielt es für möglich, dass sie vielleicht etwas gemacht habe.

Als Schlafwandlerin getötet?

Bei einer Einvernahme bezeichnete sich die Angeklagte auch als Schlafwandlerin. Was der Ehemann allerdings nicht bestätigen konnte. Zudem schilderte die Anklage, wie die Täterschaft nach den Tötungen absichtlich und gezielt Kleider im Zimmer verstreut hatte.

Der Sprecher des Geschworenengerichts führte zudem aus, dass gemäss Anklage hinter dem Tatmotiv eine Lebenskrise der Mutter gesteckt habe. So habe sie nach der Geburt der beiden Kinder massiv an Körpergewicht zugenommen und gesundheitlich gelitten. Zudem soll sie empfunden haben, zu wenig geschätzt zu werden.

Nicht zuletzt ging sie heimlich Fremdbeziehungen ein und betrog ihren Lebenspartner mit zwei Liebhabern. In dieser Situation habe die Angeschuldigte die Lösung in der Elimination der beiden Kinder gesehen, schrieb der zuständige Staatsanwalt Markus Oertle dazu.

Nur leichtgradig eingeschränkte Schuldfähigkeit

Das Geschworenengericht teilte den Medien eine weitere, wesentliche Tatsache mit. So soll der zuständige Gerichtspsychiater bei der Angeklagten eine nur eine leichtgradig eingeschränkte Schuldfähigkeit festgestellt haben, was sich bei der Strafzumessung gegen die Angeklagte negativ auswirken könnte.

Der Mordprozess beginnt am 10. März. Dabei sollen rund 36 Zeugen und Experten befragt werden. Im Gerichtssaal sind nur angemeldete Journalisten zugelassen. Zuschauer können die Verhandlung im Hallenstadion mitverfolgen. Was sich für zart besaitete Menschen laut dem Geschworenengericht aber nicht empfiehlt – aufgrund der schwer verdaulichen Bilder der Opfer. Mit einem Urteil ist am 26. März zu rechnen.

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