Aktualisiert 22.01.2015 14:34

Politthriller in Argentinien

Staatsanwalt Nisman war nicht genügend geschützt

Der argentinische Staatsanwalt Alberto Nisman ermittelte in einem brisanten Fall. Kurz bevor er Ergebnisse präsentieren wollte, starb er. Doch an die Selbstmord-Version glauben wenige.

von
nsa / kle
1 / 8
Die Leiche von Alberto Nisman wurde in der Nacht auf den 19. Januar 2015 in seiner Wohnung in Buenos Aires entdeckt.

Die Leiche von Alberto Nisman wurde in der Nacht auf den 19. Januar 2015 in seiner Wohnung in Buenos Aires entdeckt.

Keystone/David Fernandez
Laut den Behörden fand ihn seine Mutter im Badezimmer seiner Wohnung im schicken Wohnviertel Puerto Madero, nachdem ihn seine Sicherheitsleute nicht erreichen konnten.

Laut den Behörden fand ihn seine Mutter im Badezimmer seiner Wohnung im schicken Wohnviertel Puerto Madero, nachdem ihn seine Sicherheitsleute nicht erreichen konnten.

Keystone/David Fernandez
Nisman wurde nur wenige Stunden vor seiner geplanten Anhörung im Kongress tot aufgefunden.

Nisman wurde nur wenige Stunden vor seiner geplanten Anhörung im Kongress tot aufgefunden.

Keystone/David Fernandez

Der Fall des getöteten Staatsanwalts Alberto Nisman wird immer undurchsichtiger: Der 51-Jährige war in der Nacht auf Montag mit einem Kopfschuss in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Die gerichtsmedizinische Untersuchungen lieferten zwar keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Mittlerweile aber wurde bekannt, dass an den Händen des Toten keine Schmauchspuren gefunden worden waren.

Bei einem Selbstmord und einer Schussabgabe aus nächster Nähe ist das normalerweise der Fall. Die Behörden schliessen darum nicht aus, dass Nisman möglicherweise durch Druck und Drohung zu dem Selbstmord verleitet wurde.

Die Tatwaffe gehörte einem Arbeitskollegen

Ausserdem wurde bekannt, dass die Waffe, mit der sich Staatsanwalt Nismann erschossen haben soll, nicht seine eigene war. Die Pistole mit Kaliber .22, die neben der Leiche gefunden wurde, gehörte Diego Lagormarsino. Dieser ist IT-Spezialist und arbeitete seit 2007 in Nismans Team.

Der Staatsanwalt hatte Lagormarsino am Samstagabend angerufen und gebeten, ihm seine Waffe zu leihen, berichtet «minutouno». Eine merkwürdige Bitte, denn Nisman besass zwei Waffen, die auf seinen Namen registriert waren.

In seiner Einvernahme erzählte Lagormarsino dem zuständigen Richter, dass Nisman ihn erzählt habe, dass er am Freitag einen anonymen Anruf erhalten habe. Die Person am Telefon habe Nisman gewarnt, er solle sich vor seinen Bodyguards in Acht nehmen und seine Familie — besonders seine Töchter — beschützen.

Tür war leicht zu öffnen

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass Staatsanwalt Alberto Nisman ungenügend geschützt worden war. Die Tür zu seinem Apartment sei sehr leicht zu öffnen gewesen, sagte der Schlosser gegenüber «minutouno». Er hatte den Ermittlern nach dem mutmasslichen Selbstmord Zutritt zu Nismans Wohnung verschafft. Was die Ermittler zunächst offenbar übersahen: Es gibt es einen bislang unbekannten dritten Zugang zu der Wohnung. Das meldet die amtliche Nachrichtenagentur Telam .

Nisman befasste sich während zehn Jahren mit dem Terrorangriff auf das jüdische Zentrum in Buenos Aires 1994. Dabei wurden 85 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Vergangene Woche erhob Nisman schwere Vorwürfe gegen die argentinische und die iranische Regierung. Hohe Regierungsvertreter wie Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hätten iranische Attentäter geschützt, um einen Öl-Deal aufrechtzuerhalten. (Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten und offenen Fragen zum mysteriösen Fall.)

Am Montagnachmittag hätte Nisman vor dem Parlament aussagen sollen. Wenige Stunden zuvor aber wurde er tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Argentinier glauben nicht an der Version des Suizids

Viele Argentinier zweifeln an der Selbstmordtheorie. Bei einer Kundgebung am Montag auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires forderten etwa 20'000 regierungskritische Demonstranten die saubere Aufklärung des Falls sowie das Ende von Straflosigkeit und Korruption.

Viele hielten in Anlehnung an die Solidaritätsbekundungen nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» Plakate mit der Aufschrift «Yo soy Nisman» («Ich bin Nisman») in die Höhe. In anderen argentinischen Städten kam es zu ähnlichen Demonstrationen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.