Oberalppass GR: Staatsanwaltschaft eröffnet Verfahren wegen fahrlässiger Tötung
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Oberalppass GRStaatsanwaltschaft eröffnet Verfahren wegen fahrlässiger Tötung

Im August kollidierte ein Töfffahrer auf dem Oberalppass mit einem Radrennfahrer. Der Velofahrer erlag seinen Verletzungen. Nun wurde gegen den Töfffahrer ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet.

von
Leo Butie
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Am 15. August ereignete sich auf der Oberalppassstrasse eine heftige Kollision zwischen einem Velo- und einem Töfffahrer. Velofahrer Roger Nachbur wurde dabei tödlich verletzt.

Am 15. August ereignete sich auf der Oberalppassstrasse eine heftige Kollision zwischen einem Velo- und einem Töfffahrer. Velofahrer Roger Nachbur wurde dabei tödlich verletzt.

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Der 38-Jährige war amtierender Schweizer Meister im Ultra-Cycling und trat in einem Viererteam bei der diesjährigen Tortour an. Nach dem Unfall wurde das Rennen abgebrochen. 

Der 38-Jährige war amtierender Schweizer Meister im Ultra-Cycling und trat in einem Viererteam bei der diesjährigen Tortour an. Nach dem Unfall wurde das Rennen abgebrochen.

Kapo GR
Der aus dem Kanton Tessin stammende Motorradfahrer wurde mit unbestimmten Verletzungen in das Kantonsspital Luzern überflogen. Ermittlungen ergaben, dass dieser sich zum Zeitpunkt der Kollision auf der Fahrbahnhälfte des Velofahrers befand.

Der aus dem Kanton Tessin stammende Motorradfahrer wurde mit unbestimmten Verletzungen in das Kantonsspital Luzern überflogen. Ermittlungen ergaben, dass dieser sich zum Zeitpunkt der Kollision auf der Fahrbahnhälfte des Velofahrers befand.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Gegen den Motorradfahrer, der im August auf dem Oberalppass mit einem Velofahrer kollidierte, wurde ein Strafverfahren eröffnet.
  • Der verunglückte Velofahrer nahm an der diesjährigen Tortour teil.
  • Er überlebte den Unfall nicht.
  • Der Motorradfahrer befand sich zum Zeitpunkt der Kollision auf der Fahrbahnhälfte des Velofahrers.
  • Bis zu einem rechtskräftigen Entscheid gilt die Unschuldsvermutung.

Zum tödlichen Unfall kam es Mitte August auf dem Oberalppass im Rahmen des Tortour-Rennens. Beim verunfallten Velofahrer handelt es sich um Roger Nachbur, einen mehrfachen Sieger der Tour. Der 38-Jährige war amtierender Schweizer Meister im Ultra-Cycling und trat in einem Viererteam bei der diesjährigen Tortour an. Gemäss dem Spurenbild auf der Strasse kann man davon ausgehen, dass der Motorradfahrer sich zum Zeitpunkt der Kollision auf der Fahrbahnhälfte des Velofahrers befand. Nach dem Unfall wurde das Rennen durch die Organisatoren abgebrochen.

Kurz nach dem Unfall hatte eine Augenzeugin dem «Blick» geschildert, dass der Motorradfahrer bereits vorher durch gewagte Fahrmanöver aufgefallen war. «Der Verursacher hatte uns mit einer Töffgruppe vorher vollkommen rücksichtslos überholt und gefährdet», sagte die Augenzeugin damals.

Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet

Wie die Staatsanwaltschaft Graubünden bestätigt, wurde inzwischen ein Verfahren gegen den Töfffahrer wegen fahrlässiger Tötung eröffnet. «Wir sind noch am Anfang des Verfahrens», so ein Sprecher. Man warte noch auf den Polizeirapport. «Erst am Schluss der Untersuchung wird entschieden, ob gegen die beschuldigte Person ein Strafbefehl erlassen respektive Anklage erhoben wird oder allenfalls das Verfahren einzustellen ist», so der Sprecher weiter. Bis zu einem rechtskräftigen Entscheid gilt die Unschuldsvermutung, betont der Sprecher.

Die Organisatoren der Tortour möchten sich zum laufenden Verfahren nicht äussern. Am 6. September fand eine Gedenkfahrt zu Ehren des verstorbenen Teilnehmers statt.

OK-Präsident Mario Klaus bestätigt aber, dass die Tortour nächstes Jahr stattfinden wird. Als Datum wird auf ihrer Website der 19. bis 22. August 2021 angegeben. «Die Sicherheit steht jedes Jahr im Fokus, und diese wird auch für die Austragung 2021 wieder überprüft und bei Bedarf angepasst», schreibt Klaus auf Anfrage.

Als Velofahrer hat man keine Chance

Es sei ein tragischer Unfall gewesen, meint Martin Platter von Velosuisse. «Als Velofahrer hat man in dieser Situation absolut keine Chance», sagt er. Schliesslich war der Töffahrer auf der falschen Strassenseite unterwegs, als es zum Unfall kam. «Solche Unfälle passieren leider immer mal wieder», weiss Platter. Eine Passstrasse für Velofahrer zu sperren wäre eine wünschenswerte Sicherheitsvorkehrung. Doch für eine Veranstaltung wie die Tortour ist es praktisch unmöglich. «Es ist unglaublich mühsam, einen Pass nur schon für einen halben Tag zu sperren», meint Platter. Dass Unfälle passieren, sei leider traurige Realität. «Man kann noch so viele Kampagnen durchführen, man kann es nicht vollständig verhindern.»

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