Tötungsfall Buchs: «Es ist kaum vorstellbar, wie er sie traktiert haben muss»

Tötungsfall Buchs«Es ist kaum vorstellbar, wie er sie traktiert haben muss»

Am vergangenen Mittwoch stand ein 25-jähriger Somalier vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland. Ihm wird vorgeworfen, seine Verlobte getötet zu haben. Für den Femizid soll er ins Gefängnis kommen. Am Montag wird das Urteil gefällt. 20 Minuten berichtet live vor Ort.

von
Leo Butie
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Der verurteilte N.O.* (in der Mitte) nach der Verhandlung.

Der verurteilte N.O.* (in der Mitte) nach der Verhandlung.

20Min/leo
Am 23. Februar 2021 soll N.O.*, der Verlobte des Opfers, die damals 22-Jährige getötet haben.

Am 23. Februar 2021 soll N.O.*, der Verlobte des Opfers, die damals 22-Jährige getötet haben.

privat
In dieser Mietwohnung in Buchs SG kam es zur Tat.

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20M

Darum gehts

  • Im Februar 2021 soll der 25-jährige N.O. seine Verlobte zu Tode geprügelt haben.

  • Der Beschuldigte hatte das Opfer immer wieder mit massiver Gewalt geschlagen und psychisch gedemütigt.

  • Am Mittwoch wird der Fall vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verhandelt.

  • Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren sowie einen Landesverweis von sieben Jahren.

TRIGGERWARNUNG: Dieser Ticker enthält Beschreibungen schwerer häuslicher Gewalt.

Montag, 28.11.2022

Zusammenfassung

Beim Urteil ging das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland über das geforderte Strafmass der Staatsanwaltschaft hinaus.

Für insgesamt 14 Jahre muss der nun verurteilte N.O. (25) wegen vorsätzlicher Tötung, mehrfacher schwerer Körperverletzung und mehrfacher einfacher Körperverletzung ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft forderte zwölf Jahre. Anschliessend wird der 25-jährige Somalier für fünf Jahre des Landes verwiesen.

Viele der anwesenden Freundinnen und Freunde sowie die Eltern des Opfers brachen bei der Verkündung des Urteils in Tränen aus. «Er hat drei Stunden lang auf das Opfer eingeprügelt. Anders kann es gar nicht gesagt werden», so die vorsitzende Richterin zur Tatnacht im Februar 2021. Mehrere Monate lang hatte der Somalier auf seine Verlobte immer wieder eingeprügelt.

Die in der Wohnung gefundenen Tatwerkzeuge, wie gebrochene Stöcke, zeigten, wie brutal der Somalier gegen das 21-jährige Opfer vorging. Der Landesverweis sei bei der Schwere der Tat unumgänglich.

Es fehlten bis heute jegliche Einsicht und Reue. «Er sieht sich in erster Linie als Opfer», sagt die Richterin. So sei er bis heute nicht für den Unterhalt der Tochter aufgekommen.

Nun muss er ihr eine Genugtuung von 50'000 Franken zahlen. Auch die Eltern erhalten insgesamt 75'000 Franken. Weiter muss er die Verfahrenskosten von über 100'000 Franken übernehmen. Nach der Verhandlung blieb der nun verurteilte O. geschockt sitzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Verhandlung ist vorbei

Damit ist die Verhandlung geschlossen. Besten Dank für das Interesse.

Wenn es keine Einsprachen gibt, wird das Urteil rechtskräftig. Alle Parteien, auch N.O., haben zehn Tage Zeit, um Einsprache zu erheben.

Auch die Verfahrenskosten von über 100'000 FRanken muss N.O. bezahlen.

Schadenersatz wird gutgeheissen

Die Schadenersatzforderungen werden mehrfach gutgeheissen. Die Tochter habe ihre Hauptbezugsperson verloren, was sehr belastend sei für das Kind. «Sie wird immer wieder damit konfrontiert werden.» Die Genugtuung von 50'000 Franken für die Tochter sei angemessen.

Bei den Eltern kommen die traumatischen Umstände und das schwere Verschulden des Verurteilten zum Tragen. Die Mutter erhält 40'000 Franken, der Vater 35'000 Franken.

Landesverweis von fünf Jahren

Der Landesverweis sei mit der vorsätzlichen Tötung obligatorisch. Die Härtefallklausel greife hier nicht. «Ein Landesverweis kommt nur bei schweren Straftaten infrage. Dies ist offensichtlich gegeben.»

Die öffentlichen Interessen überwiegen die privaten Interessen deutlich.

«Er sieht sich in erster Linie als Opfer»

Es fehlten bis heute jegliche Einsicht und Reue. «Er sieht sich in erster Linie als Opfer», sagt die Richterin. Dies zeige sich auch, weil er bis heute keinen Unterhalt für die Tochter gezahlt habe. Seine schwierige Jugend wirke aber strafmildernd. Insgesamt wird eine Strafe von 14 Jahren gefällt.

«Es ist kaum vorstellbar, wie er sie traktiert haben muss»

Für die Taten müsse er angemessen bestraft werden. «Er hat drei Stunden auf das Opfer eingeprügelt. Anders kann es gar nicht gesagt werden.» Einen konkreten Anlass habe es nicht gegeben. «Stress kann nie eine Rechtfertigung für Gewalt sein», sagt die Richterin. Es zeige auch die Gleichgültigkeit gegenüber dem Opfer. Auch, weil er nach Unterbrechungen immer wieder auf das Opfer einschlug. «Es ist kaum vorstellbar, wie er sie traktiert haben muss», führt die Richterin weiter aus.

Zerbrochene Stöcke hinter dem Sofa

Die Brutalität zeigte sich auch an den gefundenen Werkzeugen, wie Stöcken, die man in der Wohnung fand. «Damit derart bleibende Schäden festgestellt werden, muss von massiver Brutalität ausgegangen werden», heisst es weiter. Darum sei er auch der mehrfachen schweren sowie der mehrfachen einfachen Körperverletzung schuldig zu sprechen.

«Er musste damit rechnen, dass das Opfer zu Tode kommen kann»

Der Grund für den fatalen Streit liess sich nicht mehr klären. Doch dies tue nichts zur Sache. Schliesslich sei der Verurteilte rasch in Rage gebracht worden. «Wer in einer solchen Art und Weise auf jemand einschlägt, muss damit rechnen, dass das Opfer zu Tode kommen kann», sagt die Richterin.

Die vorsitzende Richterin begründet das Urteil

«Die Chatnachrichten zeigen mit aller Deutlichkeit, wie weit die Verachtung gehen konnte», sagt die Richterin in der Urteilsbegründung. Es brauchte gar nichts, um den Verurteilten in Rage zu bringen.

Das Urteil ist gefallen

N.O. wird zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt.

Das Urteil fällt in Kürze

Die Parteien versammeln sich vor dem Saal. Um 14 Uhr wird das Urteil verkündet.

Heute wird das Urteil gefällt

Am Montag wird das Urteil im Prozess gegen den 25-jährigen N.O. gefällt. Dieser soll im Februar 2021 seine Verlobte zu Tode geprügelt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine zwölfjährige Haftstrafe sowie einen Landesverweis von sieben Jahren.

Die Verteidigung findet hingegen, dass eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren angebracht ist. Darüber hinaus soll auf einen Landesverweis verzichtet werden.

Das Urteil wird um 14 Uhr verkündet.

Mittwoch, 23.11.2022

Zusammenfassung

Im Februar 2021 kam es in Buchs SG zu einem Femizid. Eine damals 21-jährige Frau wurde von ihrem Verlobten getötet. Gestern musste sich der heute 25-jährige Verlobte vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verantworten. Er beschrieb vor Gericht das Auf und Ab in der Beziehung. Es kam oft zu Streit, mal trennte man sich, dann war man wieder zusammen, spätestens, als die junge Frau schwanger war.

Ende 2019 kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Spätestens ab Dezember 2020 seien Schläge und psychische Demütigungen an der Tagesordnung gewesen. «Er hat derart auf das Opfer eingeschlagen, dass ein Besenstiel aus Buchenholz zerbrach. Auch waren sämtliche Metallstangen gebogen», beschrieb der Staatsanwalt die Gewalt vor Gericht. Selbst ein Laie müsste wissen, dass solche Gewalt tödlich enden könne. Wer jemand dermassen traktiere, nehme schwere Verletzungen und sogar den Tod in Kauf

Das sah der Verteidiger anders. Die Anklage der vorsätzlichen Tötung sei für ihn nicht haltbar. «Er beabsichtigte nie, den Tod herbeizuführen», so der Anwalt. Dies offenbarte sich dadurch, dass der Somalier nicht zuerst die Rettung, sondern seinen Chef anrief, als seine Partnerin nach den Schlägen am Boden lag und nach Luft schnappte. «Das zeigt, wie wenig er über die Konsequenzen seiner Handlungen wusste.»

Der Beschuldigte selbst zeigte immerhin im Schlusswort Reue: «Ich möchte nochmals zum Ausdruck bringen, dass ich mich für jeden einzelnen Schlag schäme und ich die Tat bereue. Ich schäme mich wirklich. Ich kann nicht nachvollziehen, wie ich das machen konnte.»

Der Staatsanwalt forderte eine zwölfjährige Freiheitsstrafe und danach einen Landesverweis von sieben Jahren. Die Verteidigung hingegen sieht eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren als angemessen. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten.

Das Urteil wird am Montag mündlich eröffnet.

Urteilsverkündung folgt am Montag

Nach einer kurzen Diskussion einigt man sich auf eine mündliche Urteilseröffnung. Das Urteil wird am 28. November um 14 Uhr verkündet. Damit ist die Verhandlung geschlossen. Vielen Dank für das Interesse.

Das letzte Wort des Beschuldigten

Der Beschuldigte hat das letzte Wort: «Ich möchte nochmals zum Ausdruck bringen, dass ich mich für jeden einzelnen Schlag schäme und ich die Tat bereue. Ich schäme mich wirklich. Ich kann nicht nachvollziehen, wie ich das machen konnte.»

Zweiter Vortrag des Verteidigers

Der Verteidiger hat nochmals das Wort. Man müsse heute nicht über seine vulgäre Sprache urteilen. «Über die Wortwahl ist nicht zu befinden», so der Anwalt. Zu den Verletzungen: Man müsse darüber urteilen, was der Beschuldigte in Kauf nahm.

«Ich wusste nicht, dass mein Kollege über eine medizinische Ausbildung verfügt»

Die Anwältin der Eltern verwirft die Argumente des Verteidigers. «Ich wusste nicht, dass mein Kollege über eine medizinische Ausbildung verfügt», meint die Anwältin. Weiter beweise eine Chatnachricht, die vorgelesen wird, wie kontrollierend der Beschuldigte gegenüber dem Opfer war.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei der Straftatbestand der vorsätzlichen Tötung erfüllt. «Sie haben sein nettes Gesicht gesehen, aber das Opfer sah seine Fratze.» Die beantragte Freiheitsstrafe von zwölf Jahren sei nicht übertrieben. Der Antrag von sieben Jahren Landesverweis sei ebenfalls entsprechend tief angesetzt.