Prozess in Hinwil ZH: Staatsanwaltschaft fordert Ausschaffung für deutschen Neonazi
Publiziert

Prozess in Hinwil ZHStaatsanwaltschaft fordert Ausschaffung für deutschen Neonazi

Ein deutscher Neonazi muss sich am Bezirksgericht Hinwil wegen illegalem Waffenbesitz und Hass-Postings auf Facebook verantworten. Die Staatsanwaltschaft will ihn des Landes verweisen.

1 / 5
Ein deutscher Neonazi muss sich vor dem Bezirksgericht Hinwil verantworten. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Ein deutscher Neonazi muss sich vor dem Bezirksgericht Hinwil verantworten. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

KEYSTONE
Vorgeworfen wird ihm illegaler Waffenbesitz und Hass-Postings auf Facebook.

Vorgeworfen wird ihm illegaler Waffenbesitz und Hass-Postings auf Facebook.

KEYSTONE
Er soll auf Facebook die Massenvernichtung im KZ Auschwitz verharmlost haben.

Er soll auf Facebook die Massenvernichtung im KZ Auschwitz verharmlost haben.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Ein deutscher Neonazi ist vor dem Bezirksgericht Hinwil angeklagt wegen illegalem Waffenbesitz und Hass-Postings auf Facebook.
  • Er soll in einem Facebook-Eintrag den Holocaust verharmlost haben.
  • Er bestreitet die Vorwürfe – ein Urteil steht noch aus.

Wegen eines Waffenlagers unter dem Bett und der Verharmlosung des Vernichtungslagers Auschwitz hat sich am Dienstag ein deutscher Neonazi vor dem Bezirksgericht Hinwil verantworten müssen. Der Staatsanwalt verlangt eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten sowie einen Landesverweis von 14 Jahren.

Für den Staatsanwalt war klar, dass kein rechtschaffener Bürger neben ihm im Gerichtssaal sass. «Er gibt sich seriös, aber er ist zweifellos ein Nazi», sagte er über den 32-Jährigen aus Thüringen, der für einige Jahre im Zürcher Oberland wohnte und den deutschen Behörden seit längerem bekannt ist.

Angeklagt wegen illegalem Waffenbesitz

Der Deutsche trägt Hakenkreuze und Fritz Sauckel, den NSDAP-Gauleiter aus Thüringen, auf der Haut. Seine Freunde sind gemäss Staatsanwalt «das Who is Who» der Nazi-Szene.

Vor Gericht stand er jedoch nicht wegen seiner Tätowierungen oder seiner Freunde, sondern wegen eines Waffenlagers unter dem Bett. Die Polizei fand ein Sturmgewehr, eine Maschinenpistole sowie fast 2000 Schuss Munition. Was er damit vorhatte, wissen die Behörden nicht.

Verharmlosung von Auschwitz

Angeklagt ist er auch wegen eines Facebook-Posts, in dem er einen Zeitungsbericht über eine Auschwitz-Überlebende mit einem «Facepalm»-Emoji kommentierte, also mit dem Zeichen für «sich an den Kopf fassen». Dazu stellte er die Bemerkung, dass ja sieben Millionen Juden überlebt hätten.

Für den Staatsanwalt ist klar, dass er habe suggerieren wollen, dass es in Auschwitz ja gar nicht schlimm gewesen sei. Schliesslich hätten viele Juden überlebt. Der Deutsche ist deshalb wegen Vergehen gegen das Waffengesetz und Rassendiskriminierung angeklagt.

«Wir werden ihm keine Träne nachweinen»

Der Staatsanwalt fordert dafür eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten. Davon soll er 16 Monate absitzen. Die restlichen 16 Monate sollen bedingt verhängt werden, mit einer Probezeit von vier Jahren. Üblich sind zwei oder drei Jahre.

Der Staatsanwalt beantragt zudem einen Landesverweis von 14 Jahren. Das ist nur ein Jahr weniger als das erlaubte Maximum. «Seine Ausreise ist zu begrüssen. Wir werden ihm keine Träne nachweinen», sagte der Staatsanwalt. Der Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe. Ein Urteil steht noch aus.

.

(SDA)

Deine Meinung