Amsterdam – Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Abschuss von MH-17
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AmsterdamStaatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Abschuss von MH-17

Alle 298 Insassen der Malaysia-Airlines-Maschine MH 17 starben, als sie 2014 über der Ostukraine abgeschossen wurde. Die Staatsanwaltschaft fordert nun eine harte Strafe für die vier Verdächtigen.

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Die Malaysia-Airlines-Maschine MH 17 wurde 2014 über der Ostukraine abgeschossen.

Die Malaysia-Airlines-Maschine MH 17 wurde 2014 über der Ostukraine abgeschossen.

Reuters
Blumen und Kerzen an der Absturzstelle in der Ukraine.

Blumen und Kerzen an der Absturzstelle in der Ukraine.

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Die Richter hatten einen Hangar einer niederländischen Militärbasis aufgesucht, wo das Wrack der Maschine gelagert wird. Dort begutachteten sie Trümmerteile.

Die Richter hatten einen Hangar einer niederländischen Militärbasis aufgesucht, wo das Wrack der Maschine gelagert wird. Dort begutachteten sie Trümmerteile.

Reuters

Darum gehts

  • Drei Russen und ein Ukrainer standen in Amsterdam vor Gericht.

  • In den Niederlanden wird selten lebenslängliche Haft verhängt.

  • Ein Urteil wird dann frühestens im September 2022 erwartet.

Im Prozess um den Abschuss eines Flugzeugs der Malaysia Airlines über der Ostukraine 2014 hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für vier Verdächtige gefordert. Sie hätten «tiefes und unumkehrbares Leid» über die Hinterbliebenen der 298 Passagiere und Crewmitglieder von Flug gebracht, erklärte Staatsanwältin Manon Ridderbeks am Mittwoch im Gerichtssaal nahe dem Amsterdamer Flughafen Schiphol. Rücksichtslos hätten die Verdächtigen das Flugzeug mit einer russischen Rakete zum Absturz gebracht und so alle Insassen getötet.

Das Strafmass forderte Ridderbeks zum Abschluss einer dreitägigen Beweisführung im Strafverfahren, das in Abwesenheit der Verdächtigen stattfindet. In den zwei Tagen zuvor hatte die Staatsanwaltschaft ihre Anklageschrift detailliert erläutert. Die Ankläger gingen auch auf forensische Beweismittel ein, die aus dem Wrack und von Leichen der Opfer gesammelt wurden. Zuvor hatten die Richter einen Hangar einer niederländischen Militärbasis aufgesucht, wo das Wrack der Maschine gelagert wird. Dort begutachteten sie Trümmerteile.

Waffe kam aus einer russischen Militärbasis

Drei Russen und ein Ukrainer, die 2014 als separatistische Rebellen die Regierung in Kiew bekämpften, sollen laut der Anklage ein Team gebildet haben, das ukrainische Flugzeuge mit einem Raketensystem zum Absturz brachte. Herangeschafft wurde die Waffe danach per Lastwagen von einer russischen Militärbasis. Die Anklage verwies vor Gericht auch auf einen Mitschnitt eines Gesprächs zwischen zwei der Rebellen, in dem sie sich über den Abschuss der Maschine unterhielten, die sie für einen ukrainischen Kampfjet hielten.

Staatsanwalt Thijs Berger sagte dem Richtergremium am Mittwoch, dass es aus juristischer Sicht unerheblich sei, dass die Verdächtigen Militär- und nicht Zivilflugzeuge abschiessen wollten. «Rechtlich gesehen waren sie gewöhnliche Bürger, es war ihnen nicht erlaubt, jegliche Gewalt auszuüben», sagte er. Lebenslange Haftstrafen werden selten in den Niederlanden verhängt. Dort müssen Verurteilte tatsächlich den Rest ihres Lebens hinter Gitter verbringen.

Staatsanwältin begründet lebenslange Haft

Lebenslänglich sei in diesem Fall gerechtfertigt, da der Abschluss des Flugs MH17 ein Verbrechen der extremen Art darstelle, erklärte Staatsanwältin Ridderbeks. Daher sollte eine solche Strafe als Abschreckung dienen. «Sie muss die unmissverständliche internationale Botschaft senden, dass der Luftverkehr den grösstmöglichen Schutz verdient und dass grobe Akte der Gewalt gegen diesen hart bestraft werden.»

Nur einer der Beschuldigten wird vor Gericht von Anwälten vertreten. Sie wollen ihre Argumente im März vorbringen. Ein Urteil wird dann frühestens im September 2022 erwartet. Abgehalten wird der Prozess in den Niederlanden, da fast 200 der Insassen an Bord niederländische Staatsbürger waren. Die Todesopfer stammten aus insgesamt 16 Ländern.

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(dpa/fos)

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