03.09.2020 12:06

Freiburg16 Jahre Haft für Ex-Fussballer wegen Mord an Prostituierter

Der Mann, der in Freiburg 20-mal auf eine Prostituierte einstach und ihre Leiche in einem Koffer zu sich nach Hause brachte, wurde wegen Mordes zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.

von
Raphael Casablanca

Darum gehts

  • Ein Mann steht vor Gericht, weil er 2017 eine Prostituierte mit einem Messer umbrachte.
  • Die Staatsanwaltschaft forderte 17 Jahre Haft und plädiert auf Mord. Jegliche Motive fehlten.
  • Das Gericht hat ihn nun zu 16 Jahren Gefängnis wegen Mordes verurteilt.

Ein 30-jähriger Mann stand seit letzter Woche vor dem Bezirksgericht Saanen für die Tötung einer Prostituierten. Der Mann gestand, im Januar 2017 eine Prostituierte mit 20 Messerstichen umgebracht zu haben. Danach reinigte er den Tatort und packte die Leiche der 49-jährigen Frau in einen Koffer, den er zu sich nach Hause schleppte. Das Gericht hat den ehemaligen Elite-Fussballer nun zu 16 Jahren Haft wegen Mordes verurteilt.

Der Verurteilte handelte aus Sicht des Richters mit eindeutiger Zielstrebigkeit und Grausamkeit – dabei habe er sein Opfer nicht einmal gekannt. Er habe zudem die Leiche respektlos wie eine Ware behandelt, um sie loszuwerden.

Also durfte der Verurteilte mit keinerlei mildernden Umständen rechnen. Er muss sich vielmehr einer ambulanten psychiatrischen Behandlung unterziehen und der Familie des Opfers Schadenersatz zahlen.

Verteidigung plädierte auf Tötung

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von mindestens 17 Jahren gefordert. Die Verteidigerin des Angeklagten plädierte hingegen auf Tötung und wollte das Strafmass auf weniger als zehn Jahre drücken. Sie sah die Gründe für die Tat in einer «existenziellen Suche» nach der Herkunft ihres Mandanten. Dieser wurde als Kind in Brasilien von seiner Mutter zur Adoption freigegeben. Er ginge davon aus, dass seine leibliche Mutter als Prostituierte gearbeitet habe.

«Die Parallelen zwischen seiner brasilianischen Mutter, die ihn verlassen hat, und der Prostituierten aus der Dominikanischen Republik liegen auf der Hand.» Beim Geschlechtsverkehr sei dann das Kondom gerissen, worauf die Prostituierte ihn angeschrien habe. «Das machte ihn wütend, und innert Sekunden übermannten ihn die Emotionen.» Ihr Mandant habe nicht vorgehabt, die Frau zu töten, als er am Tatabend das Haus verliess. Sie forderte eine Haftstrafe unter zehn Jahren.

Angeklagter war talentierter Fussballer bei Xamax

Der angeklagte Mann war ein talentierter Fussballer und eine Zeit lang bei Neuchâtel Xamax unter Vertrag. Dieser wurde ihm jedoch gekündigt, weil ein Drogentest wegen Marihuanakonsum positiv ausfiel. Daraufhin gab er den Sport auf und verfiel den Drogen.

Schon während seiner Lehre als Koch fiel der Mann negativ auf. Der Staatsanwalt zitierte vor Gericht einen Bericht der Lehrerin des Angeklagten: «Er ist von Messern fasziniert und hat etwas sehr Ausgeprägtes gegen Frauen.» Später habe die Lehrerin den damals 23-Jährigen angezeigt, weil er eine Mitschülerin bedrohte. Er habe ihr geschrieben, dass er sie vergewaltigen und seine Initialen mit einem Brandeisen auf ihre Genitalien brennen wolle.

Wann ist ein Tötungsdelikt ein Mord?

Die Qualifikation für einen Mord lautet nach Schweizer Gesetz wie folgt: «Handelt der Täter besonders skrupellos, sind namentlich sein Beweggrund, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung besonders verwerflich, so ist die Strafe lebenslängliche Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren.» Die Tat muss also das Mass an Verwerflichkeit, das jedem Tötungsdelikt innewohnt, noch übersteigen.

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