Aktualisiert 10.04.2014 08:31

Mörgeli-AffäreStaatsanwaltschaft prüft Klage gegen Ritzmann

Iris Ritzmann, die entlassene Professorin der Universität Zürich, hat wiederholt mit dem «Tages-Anzeiger» kommuniziert. Die Staatsanwaltschaft prüft eine Klage wegen Amtsgeheimnisverletzung. Sie wehrt sich.

von
pwe
«Es scheint doch einiges ins Rollen zu kommen», schrieb Iris Ritzmann in einem E-Mail zur Mörgeli-Affäre.

«Es scheint doch einiges ins Rollen zu kommen», schrieb Iris Ritzmann in einem E-Mail zur Mörgeli-Affäre.

Der «Weltwoche» liegen offenbar umfassende E-Mail-Korrespondenzen vor, die die ehemalige Uni-Zürich-Professorin Iris Ritzmann mit den Medien und anderen Akteuren in der Mörgeli-Affäre führte. Die präsentierten Auszüge legen eine Intrige gegen den geschassten Professor Christoph Mörgeli nahe.

Ritzmann schrieb gemäss der Zeitung häufig, manchmal gar «mehrmals täglich» dem «Tages-Anzeiger» und empfahl dem bearbeitenden Journalisten Gesprächspartner: «Ein möglicherweise gesprächigerer Medizinhistoriker ist Volker Hess.»

Per E-Mail gab sie offenbar auch ihre persönlichen Zugangsdaten zum IT-System der Universität dem Journalisten preis: «Falls Sie keinen Zugang erhalten, bitte meinen persönlichen benützen: Universität Zürich anwählen, dann User=iritXXX, PW=XXXX.» Ganz wohl war ihr offenbar dabei nicht, denn sie fügte an: «Bitte nicht weitergeben und nach dem Artikel definitiv löschen! Sie haben sonst Zugang zu meinen Lernressourcen, der Studentenadministration etc.»

Den Journalisten spornte sie auch regelmässig nach einer Publikation an: «Ganz grosses Bravo.» Sie bilanzierte weiter: «Es scheint nun aber doch einiges ins Rollen zu kommen, aber hoffentlich nicht die falschen Köpfe!», liest man in der «Weltwoche». Im November 2012 wurde sie von der Universität freigestellt.

Staatsanwaltschaft erwägt Klage

Wie Tele Züri mitteilt, prüft der zuständige Staatsanwalt, Ritzmann wegen Amtsgeheimnisverletzung zu verklagen. «Die Parteien haben nun noch Gelegenheit ergänzende Beweisanträge zu stellen. nach dem Entscheid über die Zulassung der Beweisanträge und Würdigung dieser Beweise fällt der Staatsanwalt den definitiven Entscheid», so Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft.

Iris Ritzmanns Stellungnahme zu den Vorwürfen:

«Ich weise den Mobbing-Vorwurf dezidiert zurück. Die Skandalisierung des in Grundzügen bereits bekannten Mailverkehrs soll offenbar weiterhin von den jahrelangen Qualitätsproblemen am Medizinhistorischen Institut ablenken. Der Mobbing-Vorwurf ist ein Konstrukt aus herausgerissenen und verdreht interpretierten Zitaten. Meine Einschätzungen sind legitime Meinungsäusserungen und waren nicht für die Publikation gedacht. Der Mailverkehr diente lediglich dazu, die Korrektheit eines unabhängig von mir lancierten und recherchierten Artikels zu sichern.»

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