Österreich – Staatsanwaltschaft stellt Untersuchung zu Corona-Hotspot Ischgl ein
Publiziert

ÖsterreichStaatsanwaltschaft stellt Untersuchung zu Corona-Hotspot Ischgl ein

In Österreich hat die Innsbrucker Staatsanwaltschaft die strafrechtlichen Ermittlungen zu dem Corona-Ausbruch im Wintersportort Ischgl eingestellt.

1 / 4
Ischgl machte im März 2020 europaweit Schlagzeilen, weil sich mehr als 6000 Menschen aus 45 Ländern mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Ischgl machte im März 2020 europaweit Schlagzeilen, weil sich mehr als 6000 Menschen aus 45 Ländern mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Getty Images
Nun wurden die strafrechtlichen Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Innsbruck eingestellt. 

Nun wurden die strafrechtlichen Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Innsbruck eingestellt.

Getty Images
Ischgl gilt als Mekka für Après-Ski-Fans. 

Ischgl gilt als Mekka für Après-Ski-Fans.

imago images/Roland Mühlanger

Darum gehts

  • Im Visier der Ermittlungen standen fünf Amtsträger.

  • Druck aus der Tourismuswirtschaft auf Entscheidungsträger wurde nicht festgestellt.

  • Der Ermittlungsakt umfasse 15’000 Seiten Protokolle, Berichte und sonstiges Beweismaterial.

Die Staatsanwaltschaft hat die strafrechtlichen Ermittlungen zur Corona-Ausbreitung im österreichischen Ski-Ort Ischgl im Frühjahr 2020 eingestellt. «Es kommt zu keiner Anklage», teilte die Behörde am Mittwoch in Innsbruck mit. Es gebe keine Beweise dafür, «dass jemand schuldhaft etwas getan oder unterlassen hätte, das zu einer Erhöhung der Ansteckungsgefahr geführt hätte», hiess es in der Begründung.

Ischgl galt im März 2020 auch wegen seiner Après-Ski-Szene als ein Hotspot der Verbreitung des Virus. Der Ort sowie das gesamte Paznauntal wurden schliesslich unter teils chaotischen Umständen unter Quarantäne gestellt. Im Visier der Ermittlungen standen fünf Amtsträger.

Geprüft worden seien die Massnahmen nach Bekanntwerden der ersten Infektionsfälle, die Erlassung und Umsetzung von Verordnungen über Schliessung von Lokalen, des Skibetriebes und die weiteren Verkehrsbeschränkungen in Ischgl beziehungsweise die Quarantäne im Paznauntal, so die Staatsanwaltschaft.

Ermittlungsakt umfasst 15’000 Seiten Protokolle

Der Ermittlungsakt umfasse 15’000 Seiten Protokolle, Berichte und sonstiges Beweismaterial. Um die Abläufe nachvollziehen und bewerten zu können, seien 27 Personen durch die Staatsanwaltschaft vernommen worden.

Den Behörden war vorgeworfen worden, zu spät und nicht umfassend genug reagiert zu haben. Ein bereits präsentierter Expertenbericht sah kein Versagen, aber Fehleinschätzungen der Behörden. Druck aus der Tourismuswirtschaft auf Entscheidungsträger wurde nicht festgestellt. Vor dem Landgericht Wien sind zahlreiche Zivilverfahren anhängig, in denen unter anderem die Angehörigen deutscher Opfer auf Schadenersatz klagen.

Nicht betroffen von der Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen ist die zivilrechtliche Aufarbeitung des Corona-Ausbruchs in Ischgl: Ein erster Zivilprozess läuft seit September vor dem Landgericht Wien. Die Kläger und Klägerinnen aus Österreich und Deutschland werfen den Behörden schwere Fehler im Umgang mit dem Corona-Ausbruch vor und verlangen Schadenersatz.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(afp/fos)

Deine Meinung

1 Kommentar