Unispital Zürich – Staatsanwaltschaft untersucht Fall von verstorbenem Herz-Patienten
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Unispital ZürichStaatsanwaltschaft untersucht Fall von verstorbenem Herz-Patienten

Die Justiz geht gegen den Direktor der Herzchirurgie am Spital vor. Dieser soll bei einer OP im Sommer 2020 ungenau gearbeitet und seine Verantwortung nicht übernommen haben. Bereits sein Vorgänger hatte für reichlich Schlagzeilen gesorgt.

von
Patrick McEvily
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Das Unispital steht wegen eines tragischen Todesfalls im Sommer 2020 im Fokus der Justiz.

Das Unispital steht wegen eines tragischen Todesfalls im Sommer 2020 im Fokus der Justiz.

20 Minuten
Gegen den Direktor der Herzchirurgie, Paul Vogt, läuft eine Strafuntersuchung.

Gegen den Direktor der Herzchirurgie, Paul Vogt, läuft eine Strafuntersuchung.

RETO OESCHGER / TAMEDIA AG
Dieser hatte den Operationssaal verlassen, um in einer Privatklinik an einem anderen Patienten zu operieren. Die Fertigstellung der OP überliess er zwei Oberärzten.

Dieser hatte den Operationssaal verlassen, um in einer Privatklinik an einem anderen Patienten zu operieren. Die Fertigstellung der OP überliess er zwei Oberärzten.

Tamedia

Darum gehts

  • Am Unispital Zürich läuft eine Strafuntersuchung gegen den Direktor der Herzchirurgie.

  • Die Behörden wollen herausfinden, ob es sich beim tragischen Tod eines Patienten um fahrlässige Tötung handelte.

  • Der Direktor hatte die Operation vor anderthalb Jahren an zwei Oberärzte übergeben und das Spital verlassen.

Am Unispital Zürich verstarb bei einer Herz-OP im Sommer 2020 ein Patient aufgrund von Komplikationen. Die Staatsanwaltschaft kündigte bereits damals eine Strafuntersuchung an, nun hat sie diese mit Genehmigung des Obergerichts gestartet. Betroffen ist der Leiter der Herzchirurgie, Paul Vogt. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung, wie SRF berichtet.

Direktor behält bis auf Weiteres sein Amt

Der Vorfall ereignete sich im Juli 2020. Vogt war damals erst seit kurzem im Amt – er hatte die Leitung der Abteilung erst wenige Wochen zuvor von Francesco Maisano übernommen. Unter dem ehemaligen Leiter der Herzchirurgie war es zu mehreren Skandalen gekommen. Ein Whistleblower hatte öffentlich gemacht, dass es zu falschen Abrechnungen gekommen war. Ausserdem seien OP-Berichte geschönt worden. Daraufhin kündigte das Unispital das Arbeitsverhältnis mit Maisano im September 2020 auf. Vogt übergab die Fertigstellung der Operation im Juli 2020 zwei Oberärzten. Er selbst verliess den Operationssaal, um an einer Privatklinik an einem anderen Patienten zu operieren.

Die beiden beteiligten Oberärzte müssen zwar keine juristischen Folgen fürchten, einer der beiden war intern aber bereits früher kritisiert worden, wie die Sonntagszeitung schreibt. Der Mann soll ein Implantat falsch eingesetzt haben. E-Mails mit den Vorwürfen wurden offenbar nur wenige Tage vor der folgenreichen Operation im Juli 2020 verschickt. Paul Vogt und seine Anwälte plädieren auf unschuldig. Er ist weiterhin als Direktor der Herzchirurgie tätig – dies, obwohl er das Pensionsalter erreicht hätte. Das Spital will seinen Angestellten nicht kommentieren. Nach den Skandalen um den ehemaligen Direktor Francesco Maisano dürfte es aber weiterhin nicht zur Ruhe kommen.

Stellungnahme Unispital Zürich

Am Donnerstagnachmittag reagiert die Leitung des Unispitals Zürich über die mediale Berichterstattung zu seinem Angestellten Paul Vogt. Wortwörtlich heisst es:

«Prof. Paul R. Vogt ist ein hervorragender und sehr erfahrener Herzchirurg, der sich 2020 in einer für das USZ schwierigen Phase bereit erklärt hat, die Leitung der Klinik für Herzchirurgie zu übernehmen. Er hat mit grossem Engagement Stabilität in die Klinik gebracht, die Qualität ihrer Arbeit und das Outcome entscheidend gestärkt und gleichzeitig die zahlreichen, in den damaligen Untersuchungsberichten zur Klinik geforderten Verbesserungsmassnahmen umgesetzt. Das USZ steht vollumfänglich hinter Prof. Paul Vogt: Die Spitalleitung ist überzeugt, dass sich die anonym erhobenen Vorwürfe als unbegründet herausstellen werden und vertraut diesbezüglich auf die sorgfältige Abklärung durch die Staatsanwaltschaft.»

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