Afghanistan: Staatsbegräbnis für gefallene Italiener

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AfghanistanStaatsbegräbnis für gefallene Italiener

Tausende Menschen haben in Rom bei einem Staatsbegräbnis Abschied von den sechs vergangene Woche in Afghanistan getöteten italienischen Soldaten genommen. Gleichentags warnte der Kommandant des Afghanistan-Einsatzes, es sei mit mehr Opfern zu rechnen.

Der Gottesdienst für die gefallenen italienischen Soldaten fand in der mit 4000 Menschen voll besetzten St.-Pauls-Basilika in Rom statt. An dem Begräbnis, das von zahlreichen Fernsehsendern übertragen wurde, war die politische Spitze des Landes vollständig präsent, allen voran Staatspräsident Giorgio Napolitano und Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Zu Beginn des Gottesdienstes wurde in ganz Italien eine Schweigeminute abgehalten. Die Regierung hatte für Montag Staatstrauer angeordnet. Bereits am Vortag hatten nach Medienberichten weit mehr als 10'000 Menschen den im Militärspital beim Kolosseum aufgebahrten Toten die letzte Ehre erwiesen.

21 Italiener getötet

Die sechs Männer im Alter zwischen 35 und 26 Jahren waren am vergangenen Donnerstag bei einem Selbstmordanschlag auf einen Konvoi der internationalen Schutztruppe (ISAF) auf einer Strasse bei Kabul getötet worden.

Bei dem Bombenanschlag waren auch zehn Zivilpersonen getötet worden. Weitere 50 wurden verletzt, darunter vier italienische Soldaten, die ebenfalls an der Beerdigung teilnahmen.

Es handelt sich um den schwersten Verlust Italiens seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes. Bisher kamen am Hindukusch 21 italienische Soldaten ums Leben.

Gegenwärtig hat Italien etwa 2800 Soldaten im Westen Afghanistans sowie in Kabul stationiert. Der jüngste Anschlag heizte die Debatte über einen Rückzug Italiens wieder an.

Status quo wird zur Niederlage führen

Die «Washington Post» veröffentlichte derweil in ihrer Montagsausgabe in weiten Teilen die Lageeinschätzung von US-General Stanley McChristal zum Afghanistan-Einsatz. McChrystal, der die Internationale Schutztruppe ISAF und die US-Truppen befehligt, fordert darin zusätzliche Soldaten.

«Unzureichende Kräfte werden vermutlich zu einem Scheitern führen», heisst es in dem an US-Verteidigungsminister Robert Gates gerichteten Schreiben.

Die ISAF müsse gestärkt werden, da die afghanischen Sicherheitskräfte (ANSF) angesichts der erstarkenden Aufständischen noch nicht in der Lage seien, den Kampf anzuführen.

«Der Status quo wird zu einer Niederlage führen, wenn wir darauf warten, dass die ANSF wachsen.» Mehr Ressourcen seien kein Garant für einen Sieg, zu wenige könnten aber zur Niederlage führen.

Weitere Opfer wahrscheinlich

Zudem warnte McChrystal, dass der Afghanistan-Einsatz zusätzliche Opfer fordern werde: Auf kurze Sicht sei es realistisch zu erwarten, dass die Zahl der Opfer unter den afghanischen und den internationalen Sicherheitskräften ansteigen werde.

Zur ISAF meint der im Juni angetretene Kommandant, die Truppe sei zu sehr mit dem Schutz der eigenen Soldaten beschäftigt. «Wir haben in einer Art und Weise operiert, die uns - physisch und psychologisch - von den Menschen entfernt hat, die wir beschützen wollen.

Zusätzlich riskieren wir eine strategische Niederlage, indem wir taktische Siege verfolgen, die zu zivilen Opfer oder unnötigem Kollateralschaden führen.»

Um wie viele Soldaten die Truppen aufgestockt werden sollen, blieb unerwähnt. Im Schreiben McChrystals an Gates heisst es, zu den notwendigen Ressourcen werde zu einem späteren Zeitpunkt Stellung genommen.

(sda)

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