«Schwieriger Junge»: Staatspersonal wurde heimlich bewertet
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«Schwieriger Junge»Staatspersonal wurde heimlich bewertet

Skandal im Tessin: Rund 90 Staatsangestellte wurden von ihren Chefs auf einer heimlichen Liste klassifiziert. Die Mitarbeiter sind schockiert und haben die Gewerkschaft eingeschaltet.

von
gpm/mmi
Das betroffene Amt für Logistik befindet sich in Bellinzona.

Das betroffene Amt für Logistik befindet sich in Bellinzona.

Peinlicher Fauxpas im Amt für Logistik des Kantons Tessin: Mitarbeiter fanden in einem Drucker eine interne Liste mit den Namen von rund 90 Angestellten: Darin wurden diese klassifiziert – beispielsweise als «Champion», «unqualifiziert» oder auch «schwieriger Junge». Die schockierten Mitarbeiter haben nun die Gewerkschaft VPOD eingeschaltet.

«Viele sind am Boden zerstört», sagt VPOD-Sprecher Raoul Ghisletta. «Wir wissen schon länger von Problemen im Amt für Logistik.» Gestern traf sich ein Teil der Mitarbeiter mit dem VPOD und Vertretern des Kantons. Ghisletta: «Neu gibt es eine Personalkommission – wir hoffen, dass sich dadurch die Situation bessert.»

Die Verwaltung hat sich bei den Betroffenen inzwischen entschuldigt. Der kantonalen Personalverantwortlichen Verena Vizzardi ist das Vorgefallene unangenehm: «Ich verstehe, dass sich viele hintergangen fühlen – die Mitarbeiter haben ein Dokument gefunden, ohne zu wissen, wofür es gedacht war.»

Vier Kadermitglieder hätten die Liste im Rahmen eines Kurses zum Thema Personal und Konfliktmanagement erfasst. «Welche Konsequenzen der Vorfall hat, kann ich jetzt noch nicht sagen», sagt Vizzardi. Das Ganze habe ein juristisches Nachspiel. «Denn die Privatsphäre der Mitarbeiter wurde verletzt.»

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