Aktualisiert 04.08.2004 10:59

Stadion Zürich: Entscheid lässt auf sich warten

Noch immer ist ungewiss, ob der Ball an der Fussball-EM 2008 in Zürich rollt. Bis am 9. September müssen Stadt und Credit Suisse entscheiden, ob sie vor Bundesgericht gehen oder den Gestaltungsplan nochmals öffentlich ausschreiben.

In den vergangenen Monaten gab es zum Stadion Zürich zwar viele Entscheide, aber noch keine Entscheidung. Bald ein Jahr, nachdem das Stadtzürcher Stimmvolk den zwei Stadion-Vorlagen mit grosser Mehrheit zugestimmt hat, ist ein Auffahren der Baumaschinen nicht absehbar. Die geplante Fussballarena mit einer Geschäftsfläche von 25 000 Quadratmetern ist - nicht unerwartet - bloss Juristenfutter.

Umso mehr, als das Zürcher Verwaltungsgericht vor den Sommerferien die Art, wie im Gestaltungsplan Fahrtenmodell und Parkplatzzahl berechnet wurden, für unzulässig erklärte. Das Gericht bestimmte das Fahrtenmodell als entscheidenden Richtwert zur Berechnung der Verkehrsemissionen. Anders als zuvor der Regierungsrat schrieb es der Parkplatzzahl kaum Relevanz zu.

Grosse Spanne für Fahrtenzahl

Laut Verwaltungsgericht sind zwischen 1,3 und 2,17 Millionen Fahrten pro Jahr zulässig. Bis am 9. September müssen die Trägerschaft, die Credit Suisse (CS) und die Stadt Zürich, aber auch die rekurrierenden Anwohner entscheiden, ob sie sich mit diesen Vorgaben abfinden können. Dann läuft nämlich die Frist für einen Weiterzug ans Bundesgericht ab.

Für die Trägerschaft stellt sich die Frage, mit wie vielen Fahrten das Stadion rentabel betrieben werden kann. 2 Millionen, hiess es bislang bei der CS. Ein Wörtchen mitzureden haben dabei auch die potenziellen Mieter des Einkaufszentrums. Laut CS-Sprecher Matthias Friedli sei man derzeit an einer «vertieften Analyse». Die Anwohner fordern allerdings eine Zahl von 1,4 Millionen pro Jahr.

Hoffen aufs Bundesgericht

Für das weitere Vorgehen stehen den Stadionpromotoren drei Varianten offen: Erstens, sie lassen das ganze Projekt aus Rentabilitätsgründen sterben. Zweitens, sie ziehen den Entscheid vors Bundesgericht in der Hoffnung, dass die Lausanner Richter einen Entscheid zu Gunsten der Trägerschaft fällen.

Das Weiterziehen könnte auch provisorisch sein, sofern Gespräche mit den Anwohnern vor Ablauf der Rekursfrist noch nicht abgeschlossen sind und eine Einigung doch noch möglich scheint, wie Urs Spinner, Sprecher des Stadtzürcher Hochbaudepartements auf Anfrage erklärte.

Drittens, die Trägerschaft akzeptiert den Entscheid und schreibt die Fahrtenzahl im Gestaltungsplan neu fest. Dieser müsste nochmals öffentlich aufgelegt werden. Eine Volksabstimmung ist zwar nicht mehr nötig. Doch der ganze Instanzenweg stünde wieder offen: Regierungsrat - Verwaltungsgericht - Bundesgericht. Auch der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) könnte wieder rekurrieren.

Laut Spinner käme eine Neuausschreibung nur in Frage, wenn die Rekurrenten aus der Anwohnerschaft die darin festgelegte Fahrtenzahl absegnen. Entsprechende Gespräche haben aufgrund der Sommerferien noch nicht stattgefunden.

Nachtarbeit kaum eine Option

Fest steht: Scheitern auch die letzten Verhandlungen mit den Rekurrenten und geht die Trägerschaft vor Bundesgericht, bedeutet dies den frühzeitigen Abpfiff für die drei im Hardturm geplanten EM- Spiele. Die Zeit würde nicht mehr reichen, um das Stadion zum Turnierbeginn zu bauen. Die Bauzeit etwa durch Nachtarbeit zu verkürzen, ist laut Spinner teuer und bewilligungspflichtig.

Schreibt die Trägerschaft den Gestaltunsgplan neu aus, ist sie auf den Goodwill des europäischen Fussballverbands Uefa angewiesen. Dieser müsste - wie er es in Portugal vereinzelt getan hat - eine Fristerstreckung für die Fertigstellung des Stadions gewähren.

Ob dies geschieht, ist unklar. Uefa-Sprecher William Gaillard erklärte im Juni, dass vier Jahre eigentlich genügen sollten, um ein Stadion zu bauen. Man sei aber bereit entgegenzukommen, wenn Zürich garantieren könnte, dass das Stadion bis zu Turnierbeginn fertig wird. Gemäss Spinner hat die Stadion-Trägerschaft diese Aussage bis heute nicht schriftlich erhalten.

Eigentlich schon vertragsbrüchig

Im Grunde sind die Stadion-Promotoren bereits vertragsbrüchig: Im Hinblick auf die angestrebte Fertigstellung des Stadions bis Dezember 2007 hatten ihnen der Schweizerische Fussballverband (SFV) und die Uefa eine Deadline für das weitere Vorgehen bis Ende Juni gesetzt.

Diese ist verstrichen, ohne dass weitere Gespräche stattgefunden haben - geschweige denn, dass die Uefa den Standort Zürich aus der Euro 2008 gekippt hat.

Stadt und CS wollen ihrerseits zuerst den weiteren Zeitplan festlegen, bevor sie auf die Uefa und den SFV zugehen. Diese Haltung ist wohl nicht ganz frei von taktischen Überlegungen: Überlässt die Trägerschaft den endgültigen Entscheid der Uefa, würde bei einer Absage der europäische Fussballverband selbst zum Zürcher EM-Killer. (sda)

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