Unglück: Stadiontragödie in Abidjan wirft Fragen auf

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UnglückStadiontragödie in Abidjan wirft Fragen auf

Knapp 15 Monate vor der ersten WM in Afrika hat eine erneute Stadiontragödie mit mindestens 19 Toten und 130 Verletzten Bestürzung ausgelöst und die FIFA auf den Plan gerufen.

Noch vor dem Anpfiff des WM-Qualifikationsspiels zwischen dem westafrikanischen Gastgeber Elfenbeinküste und Malawi kam es am Sonntag zu einer Massenpanik, als tausende Fans versuchten, trotz fehlender Eintrittskarten noch in das bereits ausverkaufte und völlig überfüllte Houphouet-Boigny-Stadion in Abidjan zu gelangen.

«Ich möchte mein grosses Bedauern ausdrücken und der Fussballgemeinschaft der Elfenbeinküste sowie den Familien und Freunden nach den tragischen Todesfällen unser Beileid aussprechen», erklärte FIFA-Präsident Sepp Blatter am Montag. Der Weltverband forderte umgehend einen vollständigen Bericht des nationalen Verbandes und der lokalen Behörden zu dem Unglück an, um das Geschehene bewerten zu können. Dann könne auch entschieden werden, ob weitere Massnahmen zu ergreifen sind, um solche Unglücke künftig zu verhindern.

Das Organisationskomitee der WM 2010 in Südafrika schloss in einer ersten Reaktion ähnliche Vorfälle für die Endrunde aus. Probleme, die in Afrika oft zu einer Massenpanik führten, würden bei der WM kein Thema sein, versicherte Komitee-Sprecher Danny Jordaan in Johannesburg. In Afrika würden viele Fans ihre Eintrittskarten erst kurz vor Spielbeginn vor dem Stadion kaufen. Dabei könne die ungeduldige Menge eine Panik verursachen. Bei der WM müssten Tickets aber schon im Vorfeld erworben werden. Personen ohne Karten sollen bereits Kilometer vor dem Stadion gestoppt werden.

Augenzeugen in Abidjan berichteten, Polizisten hätten gegen ein Schmiergeld auch Fans ohne Eintrittskarten noch ins Stadion gelassen. Offiziellen Angaben zufolge hatten die Behörden über 60 000 statt der zugelassenen 44 000 Zuschauer in die Arena gelassen. Als eine Mauer unter dem Andrang der Menschenmassen zusammenbrach, kam es zur Panik.

Überfüllte Stadien, schlechte Baummeterialien und Pfusch führten in den letzten Jahren zu zahlreichen fatalen Unglücken in Afrika. Vor knapp zwei Monaten waren bei einem Meisterschaftspiel in Ghana vier Personen von der Menschenmenge erdrückt worden. Die tragischsten Fälle ereigneten sich 2001. Im April starben bei einem Einsturz im Ellis Park Stadion in Johannesburg damals 43 Menschen, einen Monat später kamen bei einem ähnlichen Unglück in der ghanaischen Hauptstadt Accra 126 Zuschauer ums Leben.

(si)

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