Stadler klagt gegen Ungarn
Aktualisiert

Stadler klagt gegen Ungarn

Der Streit um den Grossauftrag des Schienenfahrzeugbauers Stadler Rail in Ungarn geht in eine neue Runde.

Das Thurgauer Unternehmen hat gegen die ungarische Aufsichtsbehörde Klage eingereicht, die den Auftrag gestoppt hatte.

Mit der Klage fordere man die Aufhebung dieses «skandalösen Entscheids» und die Bestätigung von Stadler als Siegerin des Ausschreibeverfahrens für die Modernisierung der Ungarischen Staatsbahnen (MAV), sagte Stadler-Sprecherin Silvia Bär am Dienstag. Sie bestätigte damit Berichte mehrerer Deutschschweizer Zeitungen.

Die Rekurskommission in Budapest hatte dem Einspruch des kanadischen Stadler-Konkurrenten Bombardier Recht gegeben, der bei der zweiten Vergaberunde für den S-Bahn-Auftrag ausgeschlossen worden war. Der kanadische Konzern, der die Vergaberichtlinien verletzt haben soll, hatte gegen seinen Ausschluss rekurriert.

«Neues» Angebot

Auch die MAV haben wie Stadler gegen den Entscheid der Rekurskommission Klage eingereicht. Bombardier und Stadler erhalten nun die Möglichkeit, bis am 1. August ein neues Angebot einzureichen.

Keine der beiden Firmen darf dabei jedoch den Gesamtpreis ändern, sondern nur Zahlen innerhalb des Gesamtpakets. Eine Vorgabe, welche bei Stadler auf wenig Verständnis stösst. «Ob wir darauf einsteigen, prüfen wir noch», sagte Bär weiter.

Bei dem Grossauftrag geht es um die Lieferung von über 30 S-Bahn- Zügen mit einem Gesamtwert von 620 Mio. Franken. Die Ungarischen Staatsbahnen hatten den Auftrag Anfang Juni bereits zum zweiten Mal dem Thurgauer Unternehmen zuerkannt. Ein Schiedsgericht hatte die erste Auftragsvergabe im März nach Protesten von Bombardier für ungültig erklärt.

In der ersten Runde war Bombardier als einziger Mitbewerber gegenüber Stadler Rail unterlegen. In der zweiten Runde wurde der kanadische Flugzeug- und Bahntechnikkonzern vom Verfahren ausgeschlossen, weil dessen Angaben zur Finanzierung von Unterhalt und Reinigung nicht den Richtlinien entsprachen.

Hintergrund des Seilziehens ist die Drohung von Bombardier, die beiden Werke in Ungarn zu schliessen, falls der Konzern bei dem Auftrag nicht berücksichtigt wird. Bombardier zählt in Ungarn rund 1200 Beschäftigte.

(sda)

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