Schienenverkehr: Stadler Rail kauft spanischen Zugbauer
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SchienenverkehrStadler Rail kauft spanischen Zugbauer

Der Bahntechnikkonzern Vossloh will mehrere Werke loswerden. Mit Stadler Rail ist ein erster Käufer gefunden worden. Dieser übernimmt auch Schulden in Millionenhöhe.

von
dia
Die Übernahme soll das Portfolio des Thurgauer Unternehmens perfekt ergänzen: Ein Arbeiter von Stadler Rail, aufgenommen an einer Betriebsführung.(19. Juni 2015)

Die Übernahme soll das Portfolio des Thurgauer Unternehmens perfekt ergänzen: Ein Arbeiter von Stadler Rail, aufgenommen an einer Betriebsführung.(19. Juni 2015)

Der Thurgauer Schienenfahrzeugbauer Stadler Rail kauft das spanische Lokomotivengeschäft des deutschen Bahntechnikkonzerns Vossloh. Stadler zahlt 48 Millionen Euro in bar für Rail Vehicles und übernimmt gleichzeitig sämtliche Schulden und Guthaben der Firma.

Die Transaktion soll im ersten Quartal 2016 über die Bühne gehen, wie Vossloh und Stadler Rail am Mittwoch mitteilten. Sie muss noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. Der Vossloh-Verwaltungsrat hat dem Verkauf zugestimmt, der Vertrag wurde am Dienstag unterzeichnet. Der Übergang an Stadler Rail soll rückwirkend auf den 1. Juli erfolgen.

Vossloh hatte seine Lokomotivenwerke in Valencia und Kiel Ende 2014 zum Verkauf gestellt. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro, waren aber defizitär. Das Werk in Kiel ist Vossloh noch nicht los.

Neues Marktsegment für Stadler Rail

Rail Vehicles baut in Valencia dieselelektrische Lokomotiven und Nahverkehrsbahnen. 2014 erzielte das Unternehmen mit 850 Mitarbeitenden einen Umsatz von 223,2 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten 2015 waren es 182,4 Millionen. Das Management soll bleiben und der Standort als Kompetenzzentrum für den Lokomotivenbau gestärkt werden.

Für Thomas Ahlburg, den stellvertretenden Konzernchef von Stadler Rail, ergänzt der Zukauf das Portfolio der Thurgauer perfekt und ermöglicht ihnen den Zugang zu den spanischsprachigen Märkten auf der Iberischen Halbinsel, in Süd- und Mittelamerika sowie Afrika. Stadler Rail plant, den Standort Valencia als neue Division «Latin» in den Konzern zu integrieren.

Antwort auf Konsolidierungswelle

Dieselelektrisch angetriebene Lokomotiven sind für Stadler Rail nach eigenen Angaben ein neues Geschäftsfeld. Rail Vehicles baut etwa die «Euro 4000», die stärkste dieselelektrische Lok Europas. Daneben stehen Metrozüge, Strassenbahnen und Trams auf der Angebotsliste.

Im weiteren ist die Übernahme in Spanien für Stadler Rail eine strategische Antwort auf die Konsolidierungswelle im Sektor. Diese sei von den Chinesen mit der Megafusion von CNR und CSR losgetreten worden.

Dieser Gigant komme mit gegen 180'000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von knapp 36 Milliarden Dollar. Die Übernahme biete eine Chance zur Konsolidierung in Europa und verbessere die Wettbewerbsfähigkeit, schreibt Stadler Rail.

Vossloh steckt im Umbau

Vossloh setzt mit dem Verkauf des Geschäfts in Spanien seinen Umbau zum weltweiten Unternehmen der Bahninfrastruktur fort. Der Geschäftsbereich Transport mit seinen drei Sparten soll dabei abgestossen werden.

Für die Sparten Locomotives in Kiel und Electrical Systems in Düsseldorf sind Vossloh-Angaben zufolge noch keine Käufer in Sicht. Bis spätestens Ende 2017 sollen sie aber gefunden sein.

Die Situation in Kiel habe sich unterdessen verbessert, hiess es weiter. Auch Umsatz und Ergebnis von Electrical Systems hätten sich erheblich erhöht. Den Umbau angestossen hatte Vossloh-Grossaktionär und Verwaltungsratspräsident Hermann Thiele nach einem Machtkampf mit der Gründerfamilie.

Stadler Rail mit rund 6000 Beschäftigten

Mit dem Zukauf in Spanien ist Stadler Rail in elf Ländern präsent. Vier Produktionsstätten liegen in der Schweiz. Das Familienunternehmen beschäftigt bisher an den verschiedenen Standorten in der Schweiz, Deutschland, Ungarn, Polen, Tschechien, Italien, Österreich, Weissrussland, USA und Algerien rund 6000 Mitarbeitende, davon etwa 3000 in der Schweiz.

Stadler Rail fokussiert sich mit seinen Zügen auf den S-Bahn- und Regionalverkehr sowie auf den Interregio- und Intercity-Verkehr. Gewinnzahlen gibt Stadler als nicht börsenkotiertes Unternehmen nicht bekannt.

Das Unternehmen kam 2014 auf einen Umsatz von 1,87 Milliarden Franken nach 2,47 Milliarden im Vorjahr. Im laufenden Jahr peilt die Firma einen Umsatz von 2 Milliarden Franken an. Sie baut neben anderem ab 2016 die 29 neuen Hochgeschwindigkeitszüge der SBB für den Verkehr im Gotthardbasistunnel. Geleitet wird Stadler Rail von Alt-SVP-Nationalrat Peter Spuhler. (dia/sda)

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