Zürich: Stadler Rail legt Rekurs gegen Tram-Entscheid ein
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ZürichStadler Rail legt Rekurs gegen Tram-Entscheid ein

Stadler und Siemens wehren sich gegen den Entscheid der Zürcher Verkehrsbetriebe. Diese hatten den Auftrag für 70 neue Trams an Bombardier vergeben.

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ij/kwo
Legt Rekurs gegen den Zürcher Tramkauf bei Bombardier ein: Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler ficht den VBZ-Entscheid an. (Archivbild 2012).

Legt Rekurs gegen den Zürcher Tramkauf bei Bombardier ein: Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler ficht den VBZ-Entscheid an. (Archivbild 2012).

Keystone/Ennio Leanza

Die Zürcher Trambeschaffung geht in die nächste Runde: Stadler Rail und Siemens, die den Millionenauftrag nicht erhalten haben, gelangen ans Verwaltungsgericht. Sie wollen die Auftragsvergabe überprüfen lassen.

Die beiden Unternehmen Stadler Rail und Siemens haben ihren Rekurs am Montag eingereicht, wie sie am Dienstag mitteilten. Ob auch das vierte im Auswahlverfahren beteiligte Unternehmen, die spanische CAF, rekurriert, ist unbekannt. Die Vergabe dieses Auftrages ist nun vorerst blockiert.

Fünf Jahre ist lang

«Das Ausschreibeverfahren für die Trambeschaffung der VBZ hat mit über fünf Jahren ausserordentlich lange gedauert», begründet Stadler Rail. Die in dieser Zeit aufgetauchten Gerüchte über Unstimmigkeiten im Vergabeprozess hätten bei Stadler zu «einer starken Verunsicherung» geführt. «Das Debriefing durch die VBZ nach Bekanntgabe des Entscheides konnte die Unsicherheit nicht beseitigen.»

Der Vergabeentscheid solle deshalb durch ein Gericht überprüft werden. Die VBZ haben Mitte Mai bekannt gegeben, dass sie für insgesamt 358 Millionen Franken bei Bombardier 70 neue Trams bestellen wollen. Weitere 70 Trams könnten sie in einer zweiten Phase nachbestellen.

«Wir sind massiv günstiger»

«Bei den Beschaffungs- und den Betriebskosten liegt unser Angebot massiv tiefer als beim Fahrzeug, das von der VBZ ausgewählt wurde», sagt Siegfried Gerlach, CEO Siemens Schweiz, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Mitte Mai sprachen die VBZ von einem Stückpreis von 4,28 Millionen Franken für das «Flexity 2» von Bombardier. Siemens erklärt nun, dass ihr Tram 3,56 Millionen kosten würde. «Alleine bei den Beschaffungskosten für die 70 Erstfahrzeuge sind wird somit um über 50 Millionen Franken günstiger», sagte Gerlach.

Siemens Schweiz spricht auch von «fehlender Transparenz». Es habe mehr als 1500 Anforderungen gegeben. Welche am Ende in die Bewertung eingeflossen seien, sei unklar. Mit dem Gang ans Verwaltungsgericht erhofft sich Gerlach nun «Zugang zu den Details».

VBZ rechnet weiterhin 2018 mit Auslieferung

Mit Rekursen war angesichts der Vorgeschichte der Trambeschaffung sowie der Auftragshöhe zu rechnen. Bei den VBZ heisst es, dass der Umweg über das Gericht für die Verkehrsbetriebe zwar «nicht der gewünschte Weg» sei, dass es sich aber um ein legitimes Rechtsmittel handle.

Inhaltlich reagieren die Verkehrsbetriebe gelassen auf die Rekurse: Der TÜV Süd hatte die Vergabe überprüft, nachdem von unbekannter Seite heftige Kritik am VBZ-Vorgehen aufgekommen war, wie VBZ-Sprecher Andreas Uhl sagte. Diese «aufwendige Zweituntersuchung» habe klar bestätigt, dass eine «anbieterneutrale, plausible Auswertung» vorgenommen worden sein. Die Vorwürfe hätten sich als haltlos erwiesen.

Die VBZ gehen derzeit nicht davon aus, dass die Rekurse zu einer Verzögerung führen. «Das Ziel bleibt unverändert: Die neuen Zürcher Trams sollen in den Jahren von 2018 bis 2023 geliefert werden», sagte Sprecher Uhl.

Weniger Züge für Russland

Des Weiteren wurde heute bekannt, dass Stadler Rail nur halb so viele Züge nach Moskau liefern kann, wie ursprünglich vereinbart. Grund für die Anpassung sind Zahlungsprobleme des russischen Bahnunternehmens Aeroexpress.

Aeorexpress leidet wegen der Energiekrise und dem Rubelzerfall in Folge der EU-Sanktionen unter Liquiditätsengpässen. Bereits vor einem Jahr hiess es von Stadler, dass die Russen deswegen um eine Vertragsanpassung gebeten hätten.

Zahlungsaufschub erteilt

In der Zwischenzeit haben die Parteien unter Einbezug der Schweizerischen Exportrisikoversicherung sowie der finanzierenden Banken eine Lösung gefunden: Statt den ursprünglich vereinbarten 24 Doppelstockzügen liefert Stadler nur noch 11 Formationen.

Zudem werde sowohl die Rückzahlungsdauer erstreckt als auch und ein Zahlungsaufschub erteilt, teilte das Unternehmen von Ex-SVP-Nationalrat Peter Spuhler am Donnerstag mit. (ij/kwo/sda)

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